eBay lehnt GameStop-Übernahmegebot von 56 Milliarden Dollar ab
Der Online-Marktplatz bezeichnet den Vorstoß von Ryan Cohen als „weder glaubwürdig noch attraktiv" und verweist auf Finanzierungszweifel.

eBay hat das milliardenschwere Übernahmegebot von GameStop offiziell zurückgewiesen. Der Verwaltungsratsvorsitzende Paul Pressler erklärte in einer Mitteilung: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Ihr Vorschlag weder glaubwürdig noch attraktiv ist." Damit endet vorerst eine der ungewöhnlichsten Übernahmeschlachten der jüngeren Börsengeschichte.
GameStop-CEO Ryan Cohen hatte die Wall Street vergangene Woche mit einem Gebot in Höhe von 56 Milliarden Dollar überrascht. Das Angebot sah eine hälftige Zahlung in bar und zur Hälfte in Aktien vor und enthielt eine Finanzierungszusage der TD Bank über 20 Milliarden Dollar. Der Angebotspreis lag bei 125 Dollar je eBay-Aktie.
Zweifel an der Finanzierung
eBay betonte in seiner Ablehnung mehrere Kritikpunkte: die fragliche Finanzierbarkeit des Deals, mögliche negative Auswirkungen auf das langfristige Wachstum sowie Bedenken zur Führungsstruktur eines potenziell fusionierten Unternehmens. Pressler hob zudem hervor, dass eBay unter CEO Jamie Iannone seit dessen Amtsantritt vor sechs Jahren eine Aktienrendite von 201 Prozent erzielt habe. Der Board sei überzeugt, dass das Unternehmen unter dem aktuellen Management gut aufgestellt sei, um nachhaltiges Wachstum voranzutreiben.
Die Skepsis am Markt ist groß: Die eBay-Aktie notiert seit der Gebotsabgabe weit unter dem Angebotspreis von 125 Dollar. Am Dienstag fiel sie um 1,3 Prozent auf 106,68 Dollar. GameStop-Papiere gaben im frühen Handel ebenfalls um knapp 2 Prozent nach. Auf der Prognoseplattform Polymarket schätzen Händler die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Übernahme nur noch auf 13 Prozent.
Ein zentrales Problem: Die Finanzierungszusage der TD Bank ist an die Bedingung geknüpft, dass das fusionierte Unternehmen ein Investment-Grade-Rating erhält. Die Ratingagentur Moody's erklärte jedoch bereits, dass der Deal für eBay kreditwürdigkeitsschädigend wäre. Mit der Angelegenheit vertraute Personen gaben an, eBay halte es für höchst unwahrscheinlich, dass ein kombiniertes Unternehmen als Investment Grade eingestuft würde.
Cohens Strategie und die Reaktion der Anleger
Cohen, der eine Beteiligung von 5 Prozent an eBay aufgebaut hat, signalisierte, er könnte das Angebot direkt an die eBay-Aktionäre richten – möglicherweise durch die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dies gilt jedoch als schwierig, da dafür eine größere Beteiligung erforderlich ist. In einem CNBC-Interview lieferte Cohen kaum konkrete Erklärungen zur Finanzierung und bestätigte lediglich, dass der Deal mit Barmitteln und Aktien bezahlt würde.
Cohen argumentierte, durch den Zusammenschluss Kosten senken und Synergien heben zu können. Er verwies auf die rund 600 US-Filialen von GameStop, die als physisches Netzwerk dienen könnten, um eBay zu einem stärkeren Konkurrenten für Amazon zu machen. Zudem erklärte er, als CEO des fusionierten Unternehmens kein Gehalt, keine Barprämien und keine Abfindungen akzeptieren zu wollen.
Analysten zeigen sich skeptisch: eBay weist bereits eine EBITDA-Marge von 31 Prozent auf – dreimal so hoch wie die 10 Prozent von GameStop. Der Marktwert von eBay ist zudem etwa viermal so groß wie der von GameStop, was das Vorhaben strukturell besonders anspruchsvoll macht.
Prominente Kritik und historischer Kontext
Nicht alle GameStop-Investoren begrüßen Cohens Vorstoß. Hedgefonds-Legende Michael Burry, bekannt aus dem Film „The Big Short", verkaufte nach Bekanntwerden des Gebots seine Beteiligung an GameStop. Er warnte, der Deal würde das Unternehmen mit Schulden belasten und den Aktienwert verwässern.
Cohen, der 40-jährige Milliardär, hatte sein Vermögen durch die Mitgründung und den anschließenden Verkauf des Online-Tierfutterhändlers Chewy aufgebaut. 2021 wurde er zur Kultfigur unter Privatanlegern, als er maßgeblich dazu beitrug, einen Short Squeeze auszulösen, der Hedgefonds wie Melvin Capital schwer schadete. Seitdem gilt er vielen Kleinanlegern als Held.
In den vergangenen zwölf Monaten entwickelten sich die Aktien beider Unternehmen gegensätzlich: eBay legte um 56 Prozent zu, während GameStop um 18 Prozent fiel. Obwohl beide Unternehmen Sammlerstücke wie Sammelkarten verkaufen, unterscheiden sich ihre Geschäftsmodelle grundlegend: eBay verdient Gebühren als Online-Vermittler ohne eigene Lagerbestände, während GameStop Waren im Großhandel einkauft und über physische Filialen weiterverkauft.
