DraftKings senkt Gewinnprognose und setzt auf neues Vorhersagemarktgeschäft
Der US-Sportwettenanbieter kürzt seine EBITDA-Prognose für 2026 um mehr als 500 Millionen US-Dollar und investiert stärker in Vorhersagemärkte.

Die Aktie von DraftKings ist im Nachbörsehandel um mehr als ein Fünftel eingebrochen. Auslöser war die Entscheidung des US-Sportwettenanbieters, seine Gewinnprognose um mehr als 500 Millionen US-Dollar nach unten zu korrigieren und zugleich mehr Geld in das Geschäft mit Vorhersagemärkten (Prediction Markets) zu stecken. Die Kombination aus gesenkten Erwartungen und zusätzlichen Investitionen in ein noch junges Segment traf die Anleger hart.
Hinter dem Kurssturz steht ein struktureller Druck, unter dem die gesamte US-Glücksspielbranche leidet. Investoren befürchten, dass Vorhersagemärkte dem rund 17 Milliarden US-Dollar schweren Sportwettenmarkt Anteile abnehmen könnten. Diese Märkte werden von der Bundesregierung als Finanzderivate reguliert und unterliegen damit nicht denselben Beschränkungen wie klassisches Glücksspiel. Für die etablierten Anbieter entsteht dadurch ein Wettbewerber, der sich regulatorisch freier bewegen kann.
Vorhersagemärkte funktionieren anders als klassische Sportwetten: Sie bieten binäre Wetten auf Sportergebnisse und andere Ereignisse an, wobei die Preise durch die Wetten der anderen Teilnehmer bestimmt werden. DraftKings hatte seinen eigenen Vorhersagemarkt im vergangenen Dezember gestartet und angekündigt, bis zu 700 Millionen US-Dollar für den Ausbau des Produkts auszugeben.
Die EBITDA-Prognose für 2026 sinkt auf 175 bis 275 Millionen US-Dollar
Konkret senkte DraftKings seine Prognose für den bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) für 2026 auf 175 Millionen bis 275 Millionen US-Dollar. Zuvor hatte die Guidance 700 Millionen bis 900 Millionen US-Dollar betragen. Die Korrektur summiert sich damit auf mehr als 500 Millionen US-Dollar gegenüber der ursprünglichen Erwartung.
Auch der Ausblick auf 2027 enttäuschte. DraftKings stellt für dieses Jahr ein EBITDA von 800 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar in Aussicht. Laut von Bloomberg zusammengestellten Daten hatten Analysten rund 1,1 Milliarden US-Dollar erwartet. Die Lücke zwischen Unternehmensprognose und Markterwartung erklärt einen erheblichen Teil der negativen Kursreaktion.
Jason Robins verweist auf Marketingkosten und ein "best-in-class"-Angebot
In einem Brief an die Aktionäre erklärte Chief Executive Jason Robins, das Angebot seines Unternehmens im Bereich der Vorhersagemärkte sei "now best-in-class". Zugleich warnte er, dass die Einnahmen daraus in diesem Jahr weit von den hohen Marketingkosten überlagert würden. Der Konzernchef beschreibt damit ein Anlaufmuster, bei dem hohe Vorleistungen erst später Erträge bringen sollen.
Der Druck betrifft nicht nur DraftKings. Flutter, Eigentümer von FanDuel und größter Konkurrent von DraftKings im Sportwettengeschäft, hat am Mittwoch ebenfalls seine Guidance gekürzt. Als Gründe nannte das Unternehmen sportliche Ergebnisse, die die Wettkunden begünstigten, sowie ein Glücksspielverbot in Brasilien. Don Taylor, CEO von Flutter, sagte der Financial Times, sein Unternehmen sehe sich mit einer "verstärkten Wettbewerbsintensität" durch Vorhersagemärkte konfrontiert, die stark in Marketing investierten.
Kalshi sammelt eine Milliarde US-Dollar ein und übertrifft DraftKings deutlich
Die Konkurrenz aus dem Lager der Vorhersagemärkte ist kapitalkräftig. Kalshi und Polymarket, die beiden großen Anbieter, haben Partnerschaften mit Persönlichkeiten eingegangen, die vom Basketballstar LeBron James bis zum Schauspieler Timothée Chalamet reichen. Kalshi gab letzte Woche bekannt, weitere 1 Milliarde US-Dollar aufgenommen zu haben, was einer Bewertung von 40 Milliarden US-Dollar entspricht. Das ist mehr als das Dreifache der 11,7 Milliarden US-Dollar betragenden Marktkapitalisierung von DraftKings.
Zusätzlich gerät der Vorstoß von DraftKings durch eine neue regulatorische Entwicklung unter Druck. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) erklärte in einer Mitteilung am Donnerstag, dass Betreiber von Vorhersagemärkten ihre geografischen Einschränkungen für Inlandsprodukte aufheben sollten. DraftKings bietet seine Verträge über Sportereignisse derzeit in Staaten nicht an, die Online-Sportwetten erlauben. Einige Bundesstaaten, darunter Ohio und Massachusetts, haben erklärt, dass sie Glücksspiellizenzen von Unternehmen entziehen werden, die innerhalb ihrer Grenzen Verträge über Vorhersagemärkte anbieten.
aktien.news berichtete am 18.09.2026 über die CFTC-Entscheidung
Die jüngste Entwicklung ist Teil einer längeren Auseinandersetzung. Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Aufsicht Commodity and Futures Trading Commission den Weg für eine Ausweitung von Vorhersagemärkten und den Handel mit Kryptowährungen auf bestimmten Online-Plattformen geebnet hatte. Die Behörde veröffentlichte damals ein sogenanntes No-Action-Letter, das Anbietern von "passiver Software" Rechtssicherheit gibt. Die Aktien von Sportwetten-Anbietern gerieten daraufhin unter Druck, wobei DraftKings die Verluste anführte.
Auch die Dynamik des Segments war früh erkennbar. Am 26.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Prognosebörse Polymarket einen annualisierten Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar erreicht hatte; das berichtete CNBC am Freitag. Sechs Wochen zuvor hatte Polymarket die Warteliste für seine US-amerikanische Börse aufgehoben. Am 11.07.2026 berichtete aktien.news zudem, dass Analysten von TD Cowen und Morgan Stanley die Prognosemärkte als wachsende Kraft im Online-Glücksspiel einordneten und im Zusammenhang mit der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft auf eine deutliche Beschleunigung der App-Downloads verwiesen.
Der Kontrast zur jüngsten Vergangenheit ist deutlich. Am 05.10.2026 berichtete aktien.news, dass die DraftKings-Aktie am frühen Montag deutlich gestiegen war, nachdem die Analystin Julie Hoover von der Bank of America das Papier heraufgestuft hatte. Damals sorgten die Rückkehr der National Football League und der College-Football-Saison dafür, dass die Wettaktivitäten rund um den Sport wieder zunahmen. Die aktuelle Prognosekürzung zeigt, wie schnell sich die Stimmung für den Titel wieder drehen kann.
Die Bewertungsschere zwischen Kalshi und DraftKings zeigt die Erwartungen des Marktes
Für deutsche Anleger ist die Nachricht vor allem ein Beispiel dafür, wie stark regulatorische Rahmenbedingungen die Bewertung von Glücksspiel- und Wettanbietern bestimmen. Die zentrale Frage lautet, ob Vorhersagemärkte tatsächlich Anteile vom klassischen Sportwettenmarkt abziehen oder ob beide Segmente nebeneinander wachsen. DraftKings investiert erheblich in das neue Feld, muss aber gleichzeitig mit einem deutlich niedrigeren Gewinnniveau auskommen.
Bemerkenswert ist die Bewertungsschere: Kalshi wird nach der jüngsten Finanzierungsrunde mit 40 Milliarden US-Dollar bewertet, während DraftKings auf eine Marktkapitalisierung von 11,7 Milliarden US-Dollar kommt. Die Differenz zeigt, wie viel Wachstumspotenzial der Markt den neuen Plattformen zutraut. Ob sich diese Erwartung bestätigt, hängt auch davon ab, wie die Bundesstaaten auf die CFTC-Mitteilung reagieren.
DraftKings erwartet für 2027 wieder ein EBITDA von 800 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar
Für das kommende Jahr stellt DraftKings ein bereinigtes EBITDA von 800 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar in Aussicht. Das Unternehmen erwartet also eine deutliche Erholung gegenüber dem für 2026 prognostizierten Niveau von 175 Millionen bis 275 Millionen US-Dollar. Allerdings liegt selbst diese Erwartung unter den rund 1,1 Milliarden US-Dollar, die Analysten laut Bloomberg-Daten veranschlagt hatten.
Kurzfristig bremsen die Marketingausgaben. Jason Robins hat im Aktionärsbrief ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Einnahmen aus dem Vorhersagemarktgeschäft in diesem Jahr weit von den hohen Marketingkosten überlagert würden. Offen ist zudem, wie die Bundesstaaten Ohio und Massachusetts auf die CFTC-Mitteilung reagieren, nachdem sie angekündigt haben, Glücksspiellizenzen für Anbieter von Vorhersagemarkt-Verträgen zu entziehen.
Drei Fachbegriffe erklären die jüngste Entwicklung bei DraftKings
- Bereinigtes EBITDA: Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation, bereinigt um Sondereffekte, und damit eine Kennzahl für die operative Ertragskraft.
- Vorhersagemarkt: Handelsplatz, an dem Teilnehmer binäre Wetten auf Ereignisse abschließen und die Preise sich aus den Wetten der anderen Teilnehmer ergeben.
- Guidance: Die von einem Unternehmen selbst veröffentlichte Prognose für künftige Umsatz- oder Gewinnkennzahlen.
