Currys überzeugt mit starkem Handelsupdate: Neuer CEO Tønnesen setzt auf Wachstum
Der britische Elektroeinzelhändler steigert die Like-for-Like-Umsätze im Konzern um 7 Prozent und hebt die Gewinnerwartung an.

Der britische Elektroeinzelhändler Currys (LSE: CURY) hat in den ersten 17 Wochen des laufenden Geschäftsjahres kräftig zugelegt. Konzernweit stiegen die Like-for-Like-Umsätze (LFL) um 7 Prozent, wie das im FTSE 250 notierte Unternehmen in einem Handelsupdate zur Hauptversammlung mitteilte. In UK & Ireland legten die LFL-Umsätze um 6 Prozent zu, in den nordischen Ländern sogar um 9 Prozent.
Das Update wurde am 10. September veröffentlicht. Der neue Chief Executive Fredrik Tønnesen zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung: „Currys hat seine starke Dynamik beibehalten. Im gesamten Konzern verzeichneten wir sowohl im stationären Handel als auch online Wachstum, wobei neue Kategorien, B2B und Services ebenfalls stark wuchsen."
Auch die Gewinnprognose bleibt ambitioniert. Der Konzern erwartet weiterhin einen bereinigten Jahresgewinn von rund 199 Millionen Pfund, im Vergleich zu 191 Millionen Pfund im Vorjahr. Beim Netto-Kassenbestand zum Jahresende geht das Management inzwischen davon aus, dass dieser die Marke von 100 Millionen Pfund deutlich übersteigen wird.
Die Details
Currys betreibt 691 Filialen und ist online in sechs Ländern aktiv, darunter das Vereinigte Königreich. Das Unternehmen handelt unter den Marken Currys und Mobile iD in UK & Ireland sowie unter Elkjøp in den nordischen Ländern. Rund 24.000 Menschen beschäftigt der Konzern. Geografisch entfielen im letzten Geschäftsjahr die meisten Umsätze auf UK & Ireland mit 57 Prozent. Danach folgten Schweden mit 15 Prozent, Norwegen mit 12 Prozent und andere nordische Länder mit einem Restanteil von 16 Prozent.
Tønnesen, der zuvor mehr als 20 Jahre im nordischen Geschäft von Currys tätig war und dieses zuletzt leitete, beschrieb seine ersten Wochen an der Konzernspitze: „Ich bin beeindruckt von der Qualität der Kollegen, denen ich begegnet bin, und zufrieden mit unserem Handelsgeschäft im frühen Teil des Jahres." Zur Marktentwicklung ergänzte er: „In UK&I gewannen wir in jeder Kategorie Marktanteile, obwohl der Markt selbst bei Unterstützung durch die Weltmeisterschaft und die sommerlichen Hitzewellen stagnierte. In den Nordisk-Staaten gewannen wir in den meisten Kategorien und Ländern Marktanteile, während der Markt dort stark wuchs. Dabei haben wir unseren Fokus auf Marge, Kosten und Cash-Disziplin beibehalten."
Zu den Wettbewerbern von Currys zählen Amazon.com Inc (Nasdaq: AMZN), das zu Sainsbury (J) (LSE: SBRY) gehörende Argos sowie der Partnerhändler John Lewis. Der Markt für Elektronik ist hart umkämpft, und Currys positioniert sich als sogenannter „Bricks-and-Clicks"-Einzelhändler, der stationäre Präsenz mit Online-Vertrieb verbindet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 05.07.2026 berichtete aktien.news, dass Currys starke Jahreszahlen vorgelegt und gleichzeitig eine Dividendenerhöhung angekündigt hatte. Der bereinigte Gewinn war im Geschäftsjahr bis zum 2. Mai um 18 Prozent auf 191 Millionen Pfund gestiegen. Trotz einer verhaltenen Kursreaktion – die Aktie gab am Ergebnistag auf 156 Pence nach – sahen Analysten die Aktie als klar unterbewertet an. Der scheidende CEO Alex Baldock, der nach acht Jahren an der Spitze zu Boots wechselte, erklärte damals, der Einzelhändler entwickle sich „in jeder wichtigen Dimension in die richtige Richtung". Sein Nachfolger Fredrik Tønnesen war bereits im Vormonat ernannt worden und hatte sich zuvor durch die erfolgreiche Sanierung des nordischen Geschäfts profiliert.
Auch der Blick auf den breiteren Markt lohnt: Am 17.09.2026 berichtete aktien.news über die Gewinner und Verlierer im FTSE 250, in dem Currys notiert ist. Der Index der mittelgroßen britischen Werte bleibt für Anleger ein wichtiger Bezugsrahmen, wenn es um die Einordnung einzelner Titel geht.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in britische Einzelhandelsaktien investieren, ist die Nachricht zwiespältig. Auf der einen Seite steht das operative Momentum: Marktanteilsgewinne in nahezu allen Kategorien, ein wachsender Kassenbestand und eine prognostizierte Dividendenrendite von rund 2,3 Prozent, die durch einen erwarteten Kassenbestand von mehr als 100 Millionen Pfund zum Jahresende untermauert wird. Dieser Puffer könnte auch neue Aktienrückkäufe ermöglichen.
Auf der anderen Seite belasten mehrere Faktoren die Aussichten. Ein unsicherer wirtschaftlicher Ausblick und eine weithin erwartete Erhöhung der Zinssätze im Vereinigten Königreich überschatten die britischen Verbraucher. Die Personalkosten für die Kerngeschäfte im Vereinigten Königreich sind infolge der Änderungen der Mindestlohn- und Steuerpolitik der britischen Regierung gestiegen. Zudem liegt das prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis (PE) über den Durchschnitten der letzten drei und zehn Jahre, was darauf hindeuten könnte, dass die Aktien nicht offensichtlich günstig bewertet sind. Bedenken hinsichtlich von Chipknappheit verursachten steigenden Komponenten- und Produktpreisen sollten ebenfalls nicht ignoriert werden.
Positiv könnten sich neue KI-Entwicklungen auswirken. Der cloudbasierte persönliche Assistent Muse von Meta Platforms Inc Class A (NASDAQ: META) könnte Kunden dazu anregen, bestehende Telefone und Geräte zu ersetzen und aufzurüsten. Das Filialnetz bietet Verbrauchern zudem die Möglichkeit, Produkte zu testen und sich vor dem Kauf auf das Wissen der Mitarbeiter zu stützen. Der relativ neue CEO verfügt bereits über erhebliche Erfahrung im Management bei Currys.
Ausblick
Der Konzern hält an seiner Erwartung eines bereinigten Jahresgewinns von rund 199 Millionen Pfund fest. Der Netto-Kassenbestand zum Jahresende soll die Marke von 100 Millionen Pfund deutlich übertreffen. Angesichts zuvor abgelehnter Übernahmeangebote sowie eines Konsensschätzers der Analysten für den fairen Wert von über 180 Pence pro Aktie dürfte dieser multikanalige Einzelhändler für Anleger weiterhin von Interesse bleiben. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Kurz erklärt
- Like-for-Like-Umsätze: Vergleich der Umsätze von Filialen, die bereits im Vorjahr geöffnet waren, ohne Berücksichtigung neuer oder geschlossener Standorte.
- Bricks-and-Clicks: Ein Einzelhandelsmodell, das stationäre Filialen mit einem Online-Shop verbindet.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt.
