Crispin Odey zieht 79-Millionen-Pfund-Klage gegen Financial Times zurück
Der ehemalige Hedgefonds-Manager räumt ein, dass die FT mit ihrer Verteidigung auf Basis des öffentlichen Interesses Erfolg gehabt hätte.

Crispin Odey hat seine Verleumdungsklage in Höhe von 79 Millionen Britischen Pfund gegen die Financial Times fallen gelassen. Der ehemalige Hedgefonds-Manager zog die Klage zurück, nachdem er einräumen musste, dass die FT mit ihrer Verteidigung voraussichtlich erfolgreich gewesen wäre. Die Klage richtete sich gegen die Berichterstattung der Zeitung über Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen Odey.
In einem Brief, der am Freitagnachmittag übermittelt wurde, erklärten Odeys Anwälte, ihr Mandant sei „gezwungen gewesen zu akzeptieren", dass es der FT „wahrscheinlich gelingen würde", ihre Verteidigung auf Basis des öffentlichen Interesses durchzusetzen. Diese Formulierung ist juristisch bedeutsam: Sie signalisiert, dass Odey die Aussichtslosigkeit seiner Klage anerkannte, bevor es zu einem Urteil kam.
Hintergrund: Verleumdungsklage mit enormem Streitwert
Mit einem Streitwert von 79 Millionen Britischen Pfund handelte es sich um eine außergewöhnlich hohe Verleumdungsklage im britischen Rechtssystem. Solche Klagen gegen Medienunternehmen werden in Großbritannien häufig als Mittel eingesetzt, um kritische Berichterstattung unter Druck zu setzen – ein Phänomen, das Kritiker als „SLAPP" bezeichnen, also strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung.
Die Financial Times hatte in ihrer Berichterstattung Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen Odey thematisiert. Die Zeitung verteidigte ihre Veröffentlichungen mit dem Argument des öffentlichen Interesses – ein im britischen Presserecht anerkannter Verteidigungsgrund, der Journalisten schützt, wenn sie über Angelegenheiten berichten, die für die Öffentlichkeit von Bedeutung sind.
Bedeutung für die Pressefreiheit
Der Rückzug der Klage wird weithin als Erfolg für die Pressefreiheit gewertet. Die FT unter Chefredakteurin Roula Khalaf hatte die Berichterstattung konsequent verteidigt. Dass Odeys eigene Anwälte schriftlich einräumten, die Zeitung würde „wahrscheinlich" obsiegen, unterstreicht die Stärke der journalistischen Recherche.
Für deutsche Leser ist der Fall auch im europäischen Kontext relevant: Die Debatte über den Schutz von Journalisten vor missbräuchlichen Klagen wird auch auf EU-Ebene geführt. Die Europäische Union hat zuletzt Maßnahmen gegen sogenannte SLAPP-Klagen vorangetrieben, um investigativen Journalismus besser zu schützen.
Crispin Odey war bis zu den Vorwürfen eine prominente Figur in der Londoner Hedgefonds-Branche. Der Rückzug seiner Millionenklage markiert einen weiteren Einschnitt in seiner öffentlichen Auseinandersetzung mit der Berichterstattung über seine Person.
