Commerzbank: Eskalation mit UniCredit bleibt trotz Verhandlungen möglich
Seit Wochen sprechen beide Banken miteinander, doch Insider halten eine erneute Eskalation weiterhin für möglich.

Die Ruhe zwischen Commerzbank und UniCredit trügt womöglich. Seit wenigen Wochen verhandeln beide Institute miteinander, doch Details sind kaum bekannt. Insider und Kreise der Bundesregierung halten eine erneute Eskalation weiterhin für möglich. Ein Szenario steht dabei im Zentrum: UniCredit beruft eine außerordentliche Hauptversammlung ein.
Damit könnte der italienische Großaktionär den Austausch von Aufsichtsräten und sogar die Entlassung der Vorstände durchsetzen. Der Aufsichtsrat wählt die Vorstände aus – und könnte damit auch Vorstandschefin Bettina Orlopp ersetzen. UniCredit hält knapp 50 Prozent an der Commerzbank, verfügt aber über keine formelle Mehrheit. Aktionäre ab fünf Prozent der Anteile dürfen eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen.
Drohkulisse aus dem Sommer
Bereits im Sommer hatte UniCredit mit einer außerordentlichen Hauptversammlung gedroht. Der Aufsichtsrat der Commerzbank befasste sich mit diesem Szenario als Möglichkeit für die kommende Woche. Die Fronten sind verhärtet: Fast zwei Jahre lang waren die Verhandlungen blockiert, weil beide Seiten über die Strategie stritten. UniCredit will Auslandsbereiche schließen und die Mitarbeiterzahl stark reduzieren. Die Commerzbank wertet das als Angriff auf ihre Stärken.
Erst der Anteilsausbau von UniCredit auf knapp 50 Prozent im Frühsommer dieses Jahres zwang die Commerzbank an den Verhandlungstisch. Wie wahrscheinlich eine außerordentliche Hauptversammlung tatsächlich ist, wird unterschiedlich beurteilt. Ein Lager hält einen Verhandlungserfolg für wahrscheinlicher und das Szenario für hypothetisch. Eine Eskalation würde Mitarbeiter und Bundesregierung womöglich verärgern.
Kaum Zeitgewinn gegenüber Mai 2027
Für die Commerzbank wäre ein solches Treffen teuer: Ein Aktionärstreffen kostet einen niedrigen siebenstelligen Betrag. UniCredit-Chef Andrea Orcel könnte frühestens im Februar oder März des kommenden Jahres einberufen. Gegenüber dem regulären Aktionärstreffen im Mai 2027 wäre der Zeitgewinn damit gering. Zudem muss Orcel zunächst Genehmigungen für die Stimmrechte abwarten, die für Ende des Jahres erwartet werden. Das andere Lager betont dagegen den zentralen Zeitgewinn: Mit eigenen Aufsichtsräten könnte Orcel deutlich schneller Einfluss nehmen.
Die Unsicherheit ist bereits spürbar. Kunden und Mitarbeiter der Commerzbank sind verunsichert und könnten die Bank oder ihren Arbeitgeber wechseln. Der Commerzbank droht damit der Verlust ihrer besten Leute und Kunden. Andere Banken versuchen offenbar bereits, genau diese Kunden und Mitarbeiter abzuwerben.
Berlin rechnet mit Verlust von Weidmann
Bei einer Dreiviertel-Mehrheit könnte Orcel eine Verschmelzung beschließen. Dafür müsste UniCredit den Anteil auf rund 65 Prozent ausbauen. In Berliner Regierungskreisen wird erwartet, dass UniCredit zwei Vertreter des Bundes im Aufsichtsrat ersetzen würde. Ohne die Stimmen des Bundes hätte Orcel keine Mehrheit im Kontrollgremium. Die Bundesregierung hält zwölf Prozent an der Commerzbank und besitzt ein Vorschlagsrecht für Posten.
Berlin rechnet zudem mit dem Verlust von Aufsichtsratschef Jens Weidmann. Dessen Vertrag müsste auf der nächsten regulären Hauptversammlung verlängert werden. Orcel will Weidmann loswerden – das machte er bei einem Treffen mit Lars Klingbeil vor zwei Wochen klar.
Der Bund war in der Finanzkrise 2009 bei der Commerzbank eingestiegen, um die Bank zu retten. Die Bundes-Vertreter im Aufsichtsrat gehen auf diese Rettung zurück. Commerzbank und Aktionäre folgten den Vorschlägen des Bundes bisher immer. Der Einstieg von UniCredit bei der Commerzbank begann im September 2024. Weidmann war früher Bundesbank-Chef und Berater von Angela Merkel.
Was Anleger beachten sollten
Für Privatanleger bleibt die Lage schwer einzuschätzen. Die aktuellen Gespräche könnten eine Eskalation verhindern – oder nur eine Pause sein. Klarheit dürfte erst bringen, ob UniCredit tatsächlich eine außerordentliche Hauptversammlung einberuft. Fristen für eine Einberufung betragen mehrere Wochen, sodass eine Entscheidung nicht von heute auf morgen fällt. UniCredit und Commerzbank wollten sich zu den Vorgängen nicht äußern.
