Collins warnt vor deutlich höherer Inflation und unterstützt Zinserhöhung
Boston-Fed-Chefin warnt vor verharrender Inflation und begründet Zinserhöhung

Die Präsidentin der Federal Reserve Bank von Boston, Susan Collins, hat die Wahrscheinlichkeit einer deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der US-Notenbank verharrenden Inflation als gestiegen bezeichnet. In einem LinkedIn-Artikel begründete sie ihre Unterstützung für die vierteljährige Zinserhöhung der Fed in der vergangenen Woche. Eine „etwas restriktivere Geldpolitik des Bundesfonds-Satzes werde dazu beitragen, sicherzustellen, dass die Inflation nachhaltig zum Ziel zurückkehrt", schrieb Collins.
Die Boston-Fed-Chefin nimmt an den Sitzungen des Federal Open Market Committee (FOMC) teil und prägt die Diskussionen, ist jedoch derzeit kein stimmberechtigtes Mitglied. Ihre Äußerungen fallen in eine Phase wachsender Besorgnis innerhalb der US-Notenbank über die Inflationsentwicklung. Mehrere Fed-Vertreter haben sich in den vergangenen Monaten für die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen ausgesprochen, falls die Teuerung nicht nachhaltig zurückgeht.
Collins’ Warnung kommt nicht isoliert. Auch Philip R. Lane, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), äußerte sich am Dienstag ähnlich besorgt. Lane sagte, dass eine „zweite Welle steigender Energiepreise" wahrscheinlich dafür sorgen werde, dass die Inflation „länger hoch bleibe". Gegenüber der französischsprachigen Schweizer Tageszeitung Le Temps erklärte das EZB-Direktoriumsmitglied, die Notenbank erwarte „Aufwärtsdruck auf Lebensmittelpreise, Energie – einschließlich Strom – und allgemein auf Waren".
Die Details
Susan Collins ist Präsidentin der Federal Reserve Bank of Boston und nimmt an den Sitzungen des Federal Open Market Committee (FOMC) teil. Derzeit besitzt sie jedoch kein Stimmrecht im geldpolitischen Entscheidungsgremium. Im Jahr 2025 – als die Fed von Boston im jährlichen Wechsel über Stimmrechte verfügte – stimmte Collins bei allen acht FOMC-Sitzungen mit der Mehrheit. Sie sprach sich im Juli 2025 für eine Zinspause aus und unterstützte anschließend vierteljährige Zinssenkungen im September, Oktober und Dezember 2025.
Ihre jüngste Positionierung markiert eine deutliche Kehrtwende: Nachdem sie 2025 noch für Zinssenkungen gestimmt hatte, unterstützte Collins in der vergangenen Woche eine vierteljährige Zinserhöhung. In ihrem LinkedIn-Artikel legte sie die Argumentation für diesen Schritt dar. Eine „etwas restriktivere Geldpolitik" sei notwendig, um die Inflation nachhaltig zum 2-Prozent-Ziel der Fed zurückzuführen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation „deutlich" über diesem Ziel bleibe, sei gestiegen.
Parallel dazu warnte EZB-Direktoriumsmitglied Philip R. Lane am Dienstag vor einer „zweiten Welle steigender Energiepreise". Diese werde die Inflation voraussichtlich „länger hoch" halten. Lane erwartet nach eigenen Angaben „Aufwärtsdruck auf Lebensmittelpreise, Energie – einschließlich Strom – und allgemein auf Waren". Die Aussagen der beiden Notenbanker aus den USA und der Eurozone deuten auf eine synchron verlaufende Inflationssorge auf beiden Seiten des Atlantiks hin.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 12. August 2026 berichtete aktien.news, dass sich Susan Collins offen für eine Zinserhöhung im September gezeigt habe. In einem Interview mit der Financial Times hatte die Boston-Fed-Chefin damals erklärt: „Ich sehe durchaus die Möglichkeit, dass die wirtschaftlichen Bedingungen in den kommenden Monaten eine straffere Geldpolitik erfordern werden, und ich wäre bereit, die Zinsen in diesem Zusammenhang anzuheben." Voraussetzung sei, dass die Datenlage eine solche Entscheidung stütze.
Am 6. August 2026 hatte sich Fed-Gouverneurin Lisa Cook klar positioniert. Beim „2026 Economic Luncheon" der Anchorage Economic Development Corporation in Anchorage, Alaska, erklärte sie: „Ich bin bereit, falls erforderlich, durch Zinserhöhungen zu handeln." Cook betonte, dass die Risiken auf der Inflationsseite des Fed-Mandats derzeit höher seien als die Risiken für das Arbeitsmarktziel.
Bereits am 20. Mai 2026 hatte Anna Paulson, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Philadelphia, auf der Financial Markets Conference 2026 in Amelia Island, Florida, klare Worte gefunden. Sie bezeichnete es als „gesund", wenn Marktteilnehmer Szenarien einkalkulieren, in denen die US-Notenbank die Zinsen erneut anheben müsse. Gleichzeitig betonte sie, die aktuelle Geldpolitik sei ausreichend restriktiv.
Am 30. Mai 2026 berichtete aktien.news, dass immer mehr Fed-Vertreter angesichts steigender Inflationsrisiken eine Zinserhöhung in Betracht ziehen – darunter auch Mitglieder, die bislang als eher taubenhaft galten. Auslöser war der Iran-Krieg, der massive Lieferkettenstörungen und einen deutlichen Anstieg der Energiepreise verursacht hatte. Besonders bemerkenswert war die Positionsverschiebung von Fed-Vizechefin Michelle Bowman, die für Bankenaufsicht zuständig ist und als eines der taubenhaftesten Mitglieder der Notenbank galt. Auf einer Konferenz in Island erklärte sie, dass der Krieg und der daraus resultierende Energieschock ihre Einschätzung verändert hätten.
Was das für Anleger bedeutet
Die jüngsten Äußerungen von Susan Collins sind ein weiteres Signal, dass die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs verschärfen könnte. Für deutsche Privatanleger, die in US-Anleihen, den Dollar oder US-Aktien investiert sind, ist die Entwicklung von unmittelbarer Bedeutung. Höhere Leitzinsen in den USA machen US-Staatsanleihen attraktiver, belasten aber gleichzeitig die Bewertungen von Wachstumsaktien, da höhere Diskontierungssätze die Barwerte künftiger Gewinne schmälern.
Die synchronen Inflationswarnungen aus den USA und der Eurozone deuten darauf hin, dass der Preisdruck kein vorübergehendes Phänomen ist. Die EZB könnte ebenfalls gezwungen sein, ihren geldpolitischen Kurs anzupassen. Anleger sollten die Inflationsdaten und die Kommunikation der Notenbanken in den kommenden Wochen genau verfolgen. Eine anhaltend hohe Inflation schmälert die reale Rendite von festverzinslichen Wertpapieren und kann die Kaufkraft von Bargeldbeständen reduzieren.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um eine Einordnung der aktuellen Lage handelt und nicht um eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Jeder Anleger sollte seine individuelle Risikotoleranz und Anlagestrategie berücksichtigen.
Ausblick
Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von den eingehenden Konjunktur- und Inflationsdaten ab. Susan Collins hatte bereits im August 2026 klargestellt, dass eine Zinserhöhung im September möglich sei, sofern die Datenlage eine solche Entscheidung stütze. Die Fed-Vertreter werden die Inflationsentwicklung, die Energiepreise und die Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf die Lieferketten genau beobachten. Die nächsten FOMC-Sitzungen werden zeigen, ob sich die Mehrheit der Notenbanker der Einschätzung von Collins anschließt und weitere Zinserhöhungen beschließt.
Kurz erklärt
- Federal Open Market Committee (FOMC): Das geldpolitische Entscheidungsgremium der US-Notenbank Federal Reserve, das über den Leitzins und andere geldpolitische Maßnahmen beschließt.
- Leitzins (Bundesfonds-Satz): Der Zinssatz, zu dem sich Banken in den USA untereinander kurzfristig Geld leihen. Er beeinflusst maßgeblich die Zinslandschaft für Kredite und Anlagen.
- Restriktive Geldpolitik: Eine geldpolitische Ausrichtung, bei der die Notenbank die Zinsen erhöht oder die Geldmenge verknappt, um die Inflation zu bekämpfen und die Konjunktur abzukühlen.
