Cochilco senkt Chiles Kupferprognose und hebt den Preisausblick deutlich an
Die chilenische Kupferkommission Cochilco rechnet mit deutlich weniger Förderung, hebt aber ihre Preisprognose für 2027 um 17 Prozent an.

Die chilenische Kupferkommission Cochilco hat ihre Produktionsprognosen für den weltweit größten Kupferproduzenten gesenkt und gleichzeitig ihre Preisprognose für 2027 um 17 Prozent angehoben. Hintergrund ist, dass die Minen des Landes mit der Wiederherstellung des ausgefallenen Ausstoßes kämpfen. Die am Freitag veröffentlichten Zahlen markieren eine deutliche Verschlechterung des Angebotsausblicks für den wichtigsten Industriemetalllieferanten der Welt.
Konkret erwartet Cochilco nun, dass die chilenische Förderung in diesem Jahr um 8,4 Prozent zurückgehen wird. Im August hatte die Behörde noch eine Abnahme von 2,6 Prozent prognostiziert. Die Preiserwartung für das kommende Jahr hob Cochilco dagegen auf 5,95 US-Dollar pro Pfund an, nach zuvor 5,10 US-Dollar.
„Die [globalen] Überschüsse, die wir projizieren, sind gering und können sich durch operative Verzögerungen oder einen höher als erwarteten Verbrauch ändern“, sagte Executive Vice President Claudia Rodríguez bei einer Preismeldung am Freitag. Der prognostizierte Überschuss an raffiniertem Metall lässt damit wenig Spielraum für weitere Versorgungsunterbrechungen.
Der prognostizierte Überschuss würde bei nur einem Prozent Mehrverbrauch verschwinden
Eine Nachfrage, die nur 1 Prozent über der Prognose für das nächste Jahr liegt, würde den Überschuss aufheben und bei unveränderter Versorgung ein Defizit von etwa 65.000 Tonnen verursachen. Das geht aus Berechnungen auf Basis der Cochilco-Zahlen hervor. Die Analysten von BMO Capital Markets, Helen Amos und George Heppel, sagten voraus, dass die Herabstufung Chile mit seiner schwächsten jährlichen Kupferproduktion seit mehr als zwei Jahrzehnten konfrontieren könnte.
Cochilco hebt auch die Preiserwartung für das laufende Jahr an
Cochilco hob seine durchschnittliche Preisprognose für dieses Jahr auf 6,18 US-Dollar pro Pfund von 5,95 US-Dollar an. Die Behörde erwartet weiterhin, dass die Preise im nächsten Jahr um 3,7 Prozent sinken werden, während sich das Angebot erholt. Dieser Rückgang hängt jedoch davon ab, ob die Minen ihre Produktionspläne einhalten und das Metall die Verbraucher erreicht.
Für Chile wird eine Produktion von 4,94 Millionen Tonnen des roten Metalls in diesem Jahr und 5,08 Millionen Tonnen im nächsten Jahr erwartet. Das entspricht einem Rückgang gegenüber den Prognosen der Agentur vom August von 5,27 Millionen beziehungsweise 5,55 Millionen Tonnen.
BHP-Anlagen und Codelco verantworten den Großteil des Rückgangs
Im ersten Quartal des laufenden Jahres produzierte das Land 3,63 Millionen Tonnen, ein Rückgang von 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Anlagen Escondida und Spence von BHP sowie das staatliche Unternehmen Codelco waren für 77 Prozent des netto nationalen Rückgangs verantwortlich.
Cochilco führt dies auf niedrigere Erzgrade, Wartungsarbeiten und Unterbrechungen zurück, die sowohl die verarbeitete Materialmenge als auch das gewonnene Kupfer beeinträchtigen. Selbst die Erreichung der reduzierten Jahresprognose erfordert eine monatliche Produktion von rund 434.000 Tonnen im vierten Quartal. Das liegt 7,6 Prozent über dem Durchschnitt bis September.
Die globale Minenproduktion soll erst im nächsten Jahr wieder steigen
Cochilco prognostiziert, dass die globale Minenproduktion im nächsten Jahr nach einem Rückgang von 0,6 Prozent in diesem Jahr um 3,4 Prozent auf 24,08 Millionen Tonnen wieder ansteigen wird. Chile und die Demokratische Republik Kongo würden etwa 37 Prozent dieses Anstiegs liefern, wodurch ihre Erholung zentral für die Marktprognose von Cochilco ist. Chile würde dennoch 5,7 Prozent weniger Kupfer produzieren als im Jahr 2025.
Cochilco prognostiziert einen Überschuss an raffiniertem Kupfer von 144.000 Tonnen in diesem Jahr, was 0,5 Prozent des Verbrauchs entspricht, und einen Anstieg auf 215.000 Tonnen im nächsten Jahr, beziehungsweise 0,8 Prozent. Höhere Raffinerieausbeuten, die teilweise durch Zwischenlagerbestände und recyceltes Material gestützt werden, könnten gleichzeitig mit sinkender Minenproduktion bestehen, wies die Behörde darauf hin.
Die ungleiche Verteilung der Lagerbestände belastet den Markt
Der Standort des verfügbaren Metalls trägt zur Belastung bei. In ihrem separaten wöchentlichen Marktbericht, der ebenfalls am Freitag veröffentlicht wurde, verzeichnete Cochilco 1,05 Millionen Tonnen an den drei wichtigsten Börsen. Die US-Börse COMEX hielt fast 70 Prozent der Gesamtmenge, während die Bestände an der Shanghai Futures Exchange während der Woche um 18 Prozent auf 44.612 Tonnen sanken.
Chinas Yangshan-Importprämie erreichte 205 US-Dollar pro Tonne, während Cash-Kupfer an der London Metal Exchange am Donnerstag 210 US-Dollar pro Tonne über dem Dreimonatskontrakt notierte. Diese Prämien spiegeln die höheren Kosten wider, Metall für die sofortige Lieferung zu beschaffen.
Cochilco warnte, dass weniger Ankünfte, Versandverzögerungen und vertragliche Lieferbeschränkungen dazu beigetragen haben, die chinesischen Lagerbestände zu reduzieren. Der Rückgang begründet daher keine breite Beschleunigung des Verbrauchs.
Die Nachfrageseite bietet Anlegern wenig Beruhigung
Die Nachfrage bietet weniger Beruhigung. Die Analysten von BMO warnten, dass Investitionen in KI einer der wenigen Motoren des industriellen Wachstums sind, während Bauwirtschaft und Automobilsektor schlaff bleiben. Ein deutlicher Rückgang der Ausgaben für Rechenzentren würde wenige Alternativen übrig lassen, um die Auswirkungen auf die Nachfrage abzufedern, hieß es.
Bereits am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von Antofagasta um mehr als 6 Prozent gefallen sind. Auslöser war eine schwächere Produktionsprognose für 2027 und eine Anhebung der Kostenschätzung. Der chilenische Kupferbergbaukonzern rechnete im kommenden Jahr mit einer Kupferproduktion zwischen 630.000 und 690.000 Tonnen, was unter der ursprünglichen Prognose von 650.000 bis 700.000 Tonnen lag. Auch die Einschätzung von BMO Capital Markets von 703.000 Tonnen wurde verfehlt.
Am 16.07.2026 berichtete aktien.news, dass der chilenische Staatskonzern Codelco in den kommenden Jahren nicht mit einem deutlichen Anstieg seiner Fördermengen rechnet. Verwaltungsratsvorsitzender Bernardo Fontaine erklärte vor einem chilenischen Kongressausschuss, dass die Produktionsrate voraussichtlich auf einem ähnlichen Niveau wie heute verharren werde. Damit rückte das offiziell angestrebte Ziel von 1,7 Millionen Tonnen Kupfer pro Jahr bis 2030 in weite Ferne. Im vergangenen Jahr förderte Codelco in seinen eigenen Minen insgesamt 1,33 Millionen Tonnen Kupfer.
Bereits am 15.08.2026 berichtete aktien.news, dass Antofagasta seine Kupferproduktionsprognose für das Gesamtjahr 2026 gesenkt hat. Auslöser war extremes Wetter, das zur vorübergehenden Schließung der Vorzeige-Mine Los Pelambres in Chile geführt hat. Der Konzern revidierte seinen Jahresausblick auf 625.000 bis 655.000 Tonnen Kupfer.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktie von Antofagasta um mehr als 6 Prozent eingebrochen ist. Auslöser war die erste Produktionsprognose für das Jahr 2027, die hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieb. Zusätzlich belastete ein Kostenfaktor die Stimmung: Steigende Dieselpreise trieben die Kostenprognose für das laufende Jahr nach oben.
Für deutsche Anleger rückt die Angebotsseite in den Fokus
Für deutsche Privatanleger ist der Bericht vor allem deshalb relevant, weil er die Angebotsseite des Kupfermarktes betrifft. Kupfer gilt als Schlüsselmetall für die Elektromobilität, den Netzausbau und die Rechenzentren der KI-Wirtschaft. Wenn der weltgrößte Produzent Chile seine Förderung so deutlich zurückfährt, wie Cochilco es nun erwartet, kann das die Preise stützen, auch wenn die Behörde für das kommende Jahr rechnerisch noch einen Überschuss sieht.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Lagerbestände, dass sich das verfügbare Metall ungleich verteilt. Fast 70 Prozent der Bestände an den drei wichtigsten Börsen liegen in den USA, während die chinesischen Lager zuletzt deutlich gesunken sind. Die hohen Prämien für sofort verfügbares Metall deuten darauf hin, dass kurzfristige Lieferungen teurer geworden sind. Anleger sollten daher zwischen dem kurzfristigen Angebotsbild und der längerfristigen Nachfrageentwicklung unterscheiden.
Die jüngsten Meldungen aus dem Archiv von aktien.news zeigen zudem, dass die chilenische Kupferbranche schon seit Monaten unter Druck steht. Sowohl Antofagasta als auch Codelco mussten ihre Erwartungen nach unten korrigieren. Diese Entwicklung ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern zieht sich durch das gesamte Jahr 2026.
Cochilco erwartet für 2027 einen Preisrückgang von 3,7 Prozent
Cochilco erwartet, dass die Preise im nächsten Jahr um 3,7 Prozent sinken, während sich das Angebot erholt. Diese Prognose steht und fällt damit, ob die Minen ihre Produktionspläne einhalten und das Metall die Verbraucher erreicht. Für Chile selbst rechnet die Behörde mit 5,08 Millionen Tonnen im nächsten Jahr, nach 4,94 Millionen Tonnen in diesem Jahr.
Die globale Minenproduktion soll im nächsten Jahr um 3,4 Prozent auf 24,08 Millionen Tonnen steigen, nach einem Rückgang von 0,6 Prozent in diesem Jahr. Chile und die Demokratische Republik Kongo würden etwa 37 Prozent dieses Anstiegs liefern. Ob dieser Anstieg gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob die beiden Länder ihre Erholung wie geplant umsetzen können.
Drei Begriffe helfen Anlegern beim Verständnis des Kupfermarkts
- Cochilco: Die chilenische Kupferkommission ist die staatliche Behörde, die den Kupfermarkt des Landes analysiert und Prognosen zu Produktion und Preisen veröffentlicht.
- Raffiniertes Kupfer: Als raffiniertes Kupfer wird Metall bezeichnet, das nach der Verarbeitung in Schmelzen und Raffinerien für die industrielle Weiterverwendung bereitsteht.
- Yangshan-Importprämie: Die Yangshan-Prämie ist ein Aufschlag, den Käufer in China zusätzlich zum Weltmarktpreis zahlen, um Kupfer kurzfristig importieren zu können.
