Cloudflare wächst um 39 Prozent, doch die Bruttomarge sinkt
Cloudflare steigert den Umsatz im dritten Quartal um 39 Prozent auf 782,5 Millionen US-Dollar, während die Bruttomarge um rund drei Prozentpunkte nachgibt.

Cloudflare hat im dritten Quartal deutlich schneller zugelegt als im Vorjahr: Der Umsatz des US-amerikanischen Cloud- und Sicherheitsanbieters stieg um 39 Prozent auf 782,5 Millionen US-Dollar, nach 562,0 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Die Aktie kletterte im After-Hours-Handel um etwa 15 Prozent. Der CEO des Unternehmens bezeichnete das Quartal als das beste in der Geschichte von Cloudflare, wobei der annualisierte Umsatz die Marke von 3 Milliarden US-Dollar überschreitet.
Doch der Eindruck eines rundum starken Quartals bekommt Risse, sobald man die Margen betrachtet. Die GAAP-Bruttomarge sank auf 71,2 Prozent, nach 74 Prozent vor einem Jahr – ein Rückgang um rund 3 Prozentpunkte. Der GAAP-operative Verlust weitete sich auf 67,9 Millionen US-Dollar aus, nach 37,5 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Auch der Free Cashflow wuchs langsamer als das Geschäft selbst. Er lag bei 82,1 Millionen US-Dollar und damit nur leicht über den 75,0 Millionen US-Dollar des Vorjahres. Die Free-Cashflow-Marge rutschte von 13 Prozent auf 10 Prozent. Für Anleger heißt das: Jeder zusätzliche Dollar Umsatzerlös hinterlässt derzeit weniger Gewinnspanne als noch vor einem Jahr.
Die Umsatzkosten legen um 54 Prozent zu und erklären die niedrigere Bruttomarge
Der Hauptgrund für die Margin-Entwicklung liegt in der Kostenstruktur: Die Umsatzkosten stiegen um 54 Prozent und damit deutlich schneller als der Umsatz. Allein dieser Effekt erklärt die niedrigere Bruttomarge. Warum die Kosten derart stark zulegten, nennt die Pressemitteilung des Unternehmens allerdings nicht.
Ein struktureller Faktor lässt sich dennoch benennen: Cloudflare betreibt sein eigenes globales Netzwerk. Zusätzlicher Kapazitätsausbau belastet deshalb die Umsatzkosten und die Investitionsausgaben, bevor die entsprechenden Umsätze überhaupt generiert werden. Das Unternehmen wächst also mit eigener Infrastruktur, was Kapital bindet und die Kosten vor der Erlösseite anfallen lässt.
Auf der Investitionsseite zeigt sich derselbe Effekt: Die Anschaffungskosten für Ausrüstung stiegen um 44 Prozent und damit schneller als der operative Cashflow. Genau deshalb legte der Free Cashflow deutlich weniger zu als der Umsatz – die Schere zwischen Wachstum und Cashflow-Erzeugung öffnet sich.
Die Non-GAAP-Marge verbessert sich, während GAAP einen größeren Verlust ausweist
Ein zweiter Punkt verdient Aufmerksamkeit: Die Non-GAAP-operative Marge verbesserte sich, während GAAP einen größeren operativen Verlust ausweist. Diese Diskrepanz resultiert hauptsächlich aus aktienbasierten Vergütungen und den daraus resultierenden Lohnsteuerabzügen. Diese Positionen stiegen um 45 Prozent – ebenfalls schneller als der Umsatz.
Wer Cloudflare anhand der bereinigten Kennzahlen beurteilt, sollte diesen Unterschied im Blick behalten. Die GAAP-Zahlen zeigen die Belastung, die aus der Bezahlung der Belegschaft mit Aktien entsteht; die Non-GAAP-Zahlen blenden sie aus. Beide Perspektiven zusammen ergeben ein vollständigeres Bild der tatsächlichen Kostenstruktur.
Zusätzlich erwähnt die Pressemitteilung einen Plan zur Reduzierung der Belegschaft. Weder die Zahl der betroffenen Mitarbeiter noch die damit verbundenen Kosten werden jedoch genannt. Beide Angaben fehlen in der Mitteilung, was die Einschätzung erschwert, wie stark der Plan die Kosten künftiger Quartale entlastet.
Cloudflare hatte in den Monaten zuvor mehrfach die Markterwartungen übertroffen
Der Blick zurück zeigt, wie schnell sich das Bild drehen kann. Bereits am 11.02.2026 berichtete aktien.news, dass Cloudflare mit seiner Umsatzprognose für 2026 die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen hat: Das Management stellte einen Jahresumsatz zwischen 2,79 und 2,80 Milliarden US-Dollar in Aussicht, während Analysten lediglich mit 2,74 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel um fast 12 Prozent zu.
Am 12.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktie des Cloud-Sicherheitsanbieters um 5 Prozent zulegte, nachdem das Unternehmen starke Quartalszahlen vorgelegt hatte. Für das vierte Quartal meldete Cloudflare einen bereinigten Gewinn von 28 Cent pro Aktie bei einem Umsatz von 615 Millionen Dollar; Analysten hatten mit 27 Cent pro Aktie und 591 Millionen Dollar gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der Umsatz um 34 Prozent, CEO Matthew Prince führte die Entwicklung auf den Boom bei künstlicher Intelligenz zurück.
Am 03.08.2026 berichtete aktien.news, dass die Cloudflare-Aktie im vorbörslichen Handel um 1,9 Prozent auf 284,40 US-Dollar zulegte und im Tagesverlauf ein neues 52-Wochen-Hoch von 293,80 US-Dollar erreichte. Die Wall Street erwartete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von rund 666 Millionen US-Dollar, ein Wachstum von 30 Prozent, sowie einen Gewinn je Aktie von 0,27 US-Dollar.
Am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktie im September um 13,8 Prozent zulegte, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum 0,5 Prozent verlor. Für deutsche Anleger war dabei besonders eine Nachricht von Interesse: die neue Partnerschaft mit der Deutschen Telekom, die Cloudflare Mitte September ankündigte.
Für Anleger verschiebt sich der Fokus vom Umsatzwachstum zu Margen und Kosten
Die aktuellen Quartalszahlen verändern die Perspektive auf das Unternehmen. Das Umsatzwachstum von 39 Prozent bleibt hoch, doch die Bruttomarge ist gesunken, der GAAP-Verlust hat sich ausgeweitet und der Free Cashflow ist langsamer gewachsen als das Geschäft. Wer Cloudflare bislang vor allem als Wachstumsstory betrachtet hat, muss nun auch die Kostenentwicklung verfolgen.
Konkret lohnen zwei Prüfpunkte. Erstens, ob sich die Bruttomarge stabilisiert, wenn der Umsatz die vierteljährliche Guidance von 845 Millionen bis 846 Millionen US-Dollar erreicht. Zweitens, die Kosten und die Personalzahl des in den vorausschauenden Aussagen der Pressemitteilung erwähnten Plans zur Reduzierung der Belegschaft. Eine Anlageempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten, die Zahlen liefern aber die Maßstäbe für die kommenden Berichte. Auffällig bleibt, dass die Aktie im After-Hours-Handel um etwa 15 Prozent zulegte – der Markt bewertete das Quartal also trotz der Margenentwicklung positiv.
Cloudflare stellt für das vierte Quartal 845 bis 846 Millionen US-Dollar in Aussicht
Für das laufende vierte Quartal nennt das Unternehmen eine Umsatz-Guidance von 845 Millionen bis 846 Millionen US-Dollar. Die entscheidende Frage wird sein, ob dieses Volumen mit einer stabileren Bruttomarge einhergeht oder ob die Umsatzkosten erneut schneller wachsen als der Umsatz. Die Aktie von Cloudflare notiert an der NYSE unter dem Ticker NET.
Offen bleibt bis zur nächsten Veröffentlichung auch die Personalentwicklung. Der Plan zur Reduzierung der Belegschaft ist erwähnt, aber nicht quantifiziert. Erst wenn die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter und die damit verbundenen Kosten bekannt werden, lässt sich beurteilen, wie der Plan auf die GAAP-Kosten und den Free Cashflow der kommenden Quartale wirkt. Bis dahin bleibt die wichtigste Kennzahl für die Bewertung der operativen Fortschritte die Bruttomarge – zusammen mit der Frage, ob der Free Cashflow wieder stärker im Takt des Umsatzwachstums zulegt.
Die folgenden drei Begriffe erleichtern die Einordnung der Cloudflare-Zahlen
- GAAP: GAAP steht für Generally Accepted Accounting Principles, die in den USA geltenden Rechnungslegungsstandards, nach denen Unternehmen ihre Abschlüsse aufstellen.
- Bruttomarge: Die Bruttomarge gibt an, welcher Anteil des Umsatzes nach Abzug der Umsatzkosten übrig bleibt.
- Free Cashflow: Der Free Cashflow ist der Cashflow aus dem operativen Geschäft abzüglich der Ausgaben für Investitionen wie Ausrüstung.
