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Cloud House in Camden: Wenn Architektur zur Freude wird

Ein bonbonrosa Haus in Nordlondon vereint Art-déco-Inspiration, Bögen und Streifen zu einem außergewöhnlichen Wohnprojekt.

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Cloud House in Camden: Wenn Architektur zur Freude wird

Im Londoner Stadtteil Kentish Town, im Bezirk Camden, hat ein ungewöhnliches Gebäude für Aufsehen gesorgt: das sogenannte Cloud House, entworfen vom Architekten Peter Morris und seiner Frau, der TV-Produzentin Emily Kennedy. Das Haus wurde kürzlich fertiggestellt und ist ein architektonisches Zeugnis für Extravaganz – bonbonrosa geschwungen, mit mehr als zwei Dutzend Bögen an der Fassade und 28 Bogenfenstern mit türkisfarbenen Rahmen.

Wer das Gebäude betritt, fühlt sich laut dem FT-Bericht in eine andere Welt versetzt. Der Betonboden im Erdgeschoss ist himmelblau, Schränke und Wände sind rosa-weiß und grün-weiß gestreift, die gesamte Kücheninsel leuchtet in kräftigem Rosa. Kugelgesimse von British Mouldings, einem Hersteller dekorativen Stucks im georgianischen und viktorianischen Stil, sind großzügig über den Raum verteilt. Der Effekt erinnert an einen Film von Wes Anderson – ein Vergleich, der im Artikel explizit gezogen wird.

„Es ist eine Art visueller Scherz", erklärt Kennedy über die Streifen und Stuckkugeln, „wie ein Baldachin, ein gestreiftes Handtuch mit Bommelrand oder ein Liegestuhl aus den 1970er-Jahren." Morris ergänzt: „Eisdielen, Süßwarengeschäfte – Dinge, die Freude bereiten, wissen Sie, Glück."

Die Details

Das Projekt hat eine persönliche Geschichte. Morris und Kennedy lernten sich vor 11 Jahren über eine Dating-Website kennen. Kennedys Vater ist Künstler, sie wuchs in farbenfrohen Häusern auf und strich in jedem ihrer eigenen Heime die Böden rosa. Ihre gemeinsame Leidenschaft für Farbe, so Kennedy, „befreite" die gestalterische Ader von Morris.

Das Paar erwarb ein abgewohntes zweistöckiges viktorianisches Haus und plante, an dessen Stelle zwei Doppelhaushälften zu errichten. Die Baukosten für ihr Eigenheim beliefen sich auf 700.000 Britische Pfund. Diese Summe finanzierten sie durch den Verkauf der Hälfte des Grundstücks, auf dem das zweite Haus entstehen sollte – ein cleveres Finanzierungsmodell, das das Projekt ohne externe Investoren ermöglichte.

Die gestalterische Inspiration kam während der Flitterwochen in Miami im Jahr 2017. Die Art-déco-Formen und die überschwänglichen Farben der Stadt hinterließen bleibenden Eindruck. „Alles ist eine Muschelform, ein Kreis oder ein Bogen", sagt Kennedy, die den Bau auch mitverwaltete. Dieses Motiv zieht sich konsequent durch das gesamte Gebäude: Auf Türen sind Halbkreise gemalt, an Wänden Bögen; halbkugelförmige Schrankgriffe sind gegenüberliegend angebracht, um einen Kreis zu bilden. Schiebetüren leiten Licht von zwei Seiten durch das Haus und ermöglichen die Ausrichtung von Türbögen an kreisförmigen Fenstern an Vorder- und Rückseite.

Technisch ist das Projekt anspruchsvoller als es auf den ersten Blick wirkt. Die mehr als zwei Dutzend Bögen an der Fassade wurden aus computergefrästem hochdichtem Polystyrol gefertigt, das am Porenbeton des Gebäudes befestigt ist – ein Steinimitat, das die charakteristischen Rundformen ermöglicht. Andere Gestaltungselemente sind dagegen bewusst einfach gehalten: gemalte Muster statt baulicher Eingriffe, angepasste oder umgestrichene Ikea-Ausstattungen.

Der Bezirksrat von Camden zog sein Architektengremium hinzu, um den Bauantrag zu beurteilen. Morris und Kennedy argumentierten mit dem Stilmix ihres Viertels. Die Bögen und Rundfenster seien teilweise von der gegenüberliegenden viktorianisch-gotischen St. Martin's Church inspiriert worden, die der Architekturhistoriker Nikolaus Pevsner als „die verrückteste der viktorianischen Kirchen Londons" bezeichnet hatte. Neben dem Grundstück steht zudem ein denkmalgeschütztes Gebäude (Grade II) aus dem späten 19. Jahrhundert mit imposanten Holztüren und massiver Steinfassade. Das Paar argumentierte: „Man befindet sich in dieser Straße mit diesen zwei wirklich exzentrischen Gebäuden, und jedes andere Gebäude stammt aus einer anderen Ära. Wir sagten uns, wir können den Geist dieser Gebäude aufgreifen und etwas wirklich Besonderes schaffen."

Hintergrund: Was bisher geschah

Das Cloud House ist nicht das erste Mal, dass die FT unter Chefredakteurin Roula Khalaf architektonisch außergewöhnliche Projekte ins Rampenlicht rückt. Bereits am 04.04.2026 berichtete aktien.news über eine FT-Zusammenstellung der 20 spektakulärsten Hütten-Refugien der Welt – darunter ein Baumhaus in Devon, das ebenfalls mit dem Namen Wes Anderson in Verbindung gebracht wurde. Der Vergleich mit dem amerikanischen Regisseur, bekannt für seine symmetrischen, farbenfrohen Bildkompositionen, scheint in der FT-Berichterstattung zu einem wiederkehrenden Referenzpunkt für unkonventionelle Architektur geworden zu sein.

Was das für Anleger bedeutet

Das Cloud House ist kein börsennotiertes Projekt und bietet keine direkte Anlagemöglichkeit. Dennoch liefert es interessante Einblicke in den Londoner Immobilienmarkt und in kreative Finanzierungsmodelle für private Bauprojekte. Das Modell, Baukosten durch den Verkauf eines Grundstücksteils zu decken, ist ein Ansatz, der auch für deutsche Privatanleger und Bauherren relevant sein kann – insbesondere in urbanen Lagen mit hohen Grundstückswerten.

Darüber hinaus zeigt das Projekt, dass unkonventionelle Architektur nicht zwingend auf Ablehnung stößt: Der Bezirksrat Camden genehmigte das Vorhaben trotz seiner Außergewöhnlichkeit. Für Investoren im Bereich Immobilien und Stadtentwicklung ist das ein Signal, dass Behörden in bestimmten Kontexten bereit sind, gestalterische Vielfalt zu unterstützen.

Ausblick

Konkrete Pläne für eine öffentliche Nutzung oder einen Verkauf des Cloud House sind dem Quelltext nicht zu entnehmen. Das Paar hat das Haus als Eigenheim fertiggestellt. Ob das zweite Haus auf dem verkauften Grundstücksteil bereits realisiert wurde oder noch in Planung ist, geht aus dem Artikel nicht hervor.

Kurz erklärt

  • Art déco: Kunstströmung des frühen 20. Jahrhunderts, bekannt für geometrische Formen, Symmetrie und dekorativen Reichtum in Architektur und Design.
  • Grade II (Denkmalschutz): Britische Klassifizierung für Gebäude von besonderem nationalen Interesse, die besonderen Schutzauflagen unterliegen.
  • Porenbeton: Leichter, mineralischer Baustoff mit hoher Wärmedämmung, der durch Aufschäumen des Betons hergestellt wird.
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