Citi stuft Pershing Square auf „Sell" – Bewertung zu hoch
Die US-Großbank sieht nach der Kursrallye kaum noch Aufwärtspotenzial und warnt vor einem Abwärtsrisiko von 17,3 Prozent.

Citi hat die Aktie von Pershing Square Inc (NYSE: PS), der Investmentgesellschaft des Milliardärs Bill Ackman, von „Neutral/High Risk" auf „Sell/High Risk" herabgestuft. Die Herabstufung datiert auf den 9. Oktober und begründet sich damit, dass die jüngste Kursrallye die Gewinnprognosen deutlich überholt habe. Das Kursziel von 45 Dollar ließ die Bank unverändert.
Die Aktie von Pershing Square schloss am 8. Oktober bei 54,44 Dollar. Gegenüber dem Kursziel der Citi ergibt sich daraus ein potenzielles Abwärtspotenzial von 17,3 Prozent. Für Anleger, die zuletzt in die Aktie eingestiegen sind, ist das eine deutliche Warnung: Die Bank sieht den aktuellen Kurs kurzfristig als schwer zu rechtfertigen an.
Citi betonte dabei ausdrücklich, dass man mit den langfristigen strategischen und finanziellen Aussichten von Pershing Square weiterhin zufrieden sei. Das Problem liege nicht im Geschäftsmodell, sondern in der aktuellen Bewertung.
Die Details
Im Kern der Herabstufung steht die Diskrepanz zwischen Kursentwicklung und fundamentaler Ertragslage. Citi erklärte, dass die Gewinnschätzungen seit dem Börsengang von Pershing Square im April weitgehend unverändert geblieben seien – zurückzuführen auf bescheidene Portfoliorenditen. Der Kurs hingegen legte deutlich zu, was die Bewertungslücke vergrößerte.
Die Bank erkennt das Geschäftsmodell von Pershing Square durchaus als attraktiv an. Als positive Merkmale nennt Citi das permanente Kapital, hohe wiederkehrende Gebührensätze sowie starke inkrementelle Margen. Diese Vorteile seien jedoch bereits vollständig in der aktuellen Aktienbewertung eingepreist, so die Analysten.
Citi bewertet die bestehenden Fonds von Pershing Square mit etwa 41 Dollar pro Aktie. Zusätzliche 9 Dollar pro Aktie entfallen auf potenzielle künftige Fondseinführungen. Um weiteres Aufwärtspotenzial in naher Zukunft zu rechtfertigen, sei jedoch eine stärkere Anlageperformance oder eine über den Erwartungen liegende Mittelbeschaffung erforderlich.
Gleichzeitig revidierte Citi ihre Gewinnprognosen, um die Marktentwicklung im dritten Quartal und deren Auswirkungen auf das verwaltete Vermögen sowie die damit verbundenen Gebühren abzubilden. Die Schätzung für den Gewinn je Aktie für das Jahr 2027 wurde von 1,01 Dollar auf 0,89 Dollar gesenkt. Die Prognose für 2028 wurde hingegen von 0,91 Dollar auf 0,96 Dollar angehoben – ein Hinweis auf Verschiebungen im Zeitplan für die Rückgewinnung von Performance-Gebühren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Herabstufung durch Citi reiht sich in eine längere Reihe von Schwierigkeiten rund um Pershing Square ein. Bereits am 30. April 2026 berichtete aktien.news, dass Bill Ackmans neu börsennotierter Hedgefonds Pershing Square USA (PSUS) seinen ersten Handelstag mit einem Minus von 18 Prozent beendete. Die Aktie schloss bei 40,93 Dollar – deutlich unter dem Emissionspreis von 50 Dollar. Parallel dazu notiert die Asset-Management-Sparte des Unternehmens unter dem Kürzel PS.
Am 14. August 2026 berichtete aktien.news, dass Ackman selbst den sinkenden Aktienkurs seines neu aufgelegten Fonds Pershing Square USA als „schlichtweg absurd" bezeichnet hatte. Er äußerte sich auf seiner ersten Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen seit dem doppelten Börsengang.
Nur zwei Tage später, am 16. August 2026, verdeutlichte aktien.news das Ausmaß der Performance-Schwäche: Während der S&P 500 im laufenden Jahr eine Gesamtrendite von 13,7 Prozent erzielte, verzeichnete der in London gelistete Fonds Pershing Square Holdings einen Rückgang von über 4 Prozent. Auch der US-Fonds PSUS konnte seit seinem Debüt Ende April bis zum damaligen Dienstag lediglich ein Plus von 0,6 Prozent erwirtschaften. Ebenfalls am 15. August 2026 berichtete aktien.news über einen Abschlag von 22 Prozent auf den Nettoinventarwert (NAV) der im Fonds enthaltenen Vermögenswerte – laut Halbjahresbericht einer der größten Abschläge unter allen US-amerikanischen Closed-End-Fonds.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in Pershing Square investiert sind oder einen Einstieg erwägen, liefert die Citi-Analyse wichtige Orientierungspunkte. Die Bank sieht das Unternehmen strukturell solide aufgestellt, warnt aber klar vor dem aktuellen Bewertungsniveau. Ein potenzielles Abwärtspotenzial von 17,3 Prozent gegenüber dem Kursziel ist ein erhebliches Signal.
Besonders relevant ist die Einschätzung, dass die Gewinnschätzungen seit dem Börsengang im April kaum gestiegen sind, während der Kurs zugelegt hat. Diese Schere zwischen Kurs und Ertragsentwicklung ist ein klassisches Warnsignal für eine Überbewertung. Anleger sollten zudem beachten, dass Citi das Rating mit dem Zusatz „High Risk" versieht – ein Hinweis auf erhöhte Kursschwankungen.
Die gesenkten Gewinnschätzungen für 2027 und die verschobenen Erwartungen bei Performance-Gebühren zeigen zudem, dass die Erholung der Ertragslage mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte als ursprünglich erwartet. Das schränkt das kurzfristige Kurspotenzial weiter ein.
Ausblick
Als mögliche Kurstreiber nach oben nennt Citi zwei konkrete Szenarien: Zum einen die geplante Umwandlung von Howard Hughes Holdings in ein versicherungsorientiertes Unternehmen. Zum anderen stärkere Renditen aus den bestehenden Investitionen von Pershing Square oder den Beteiligungen an staatlich geförderten Unternehmen (GSE).
Ob und wann diese Katalysatoren eintreten, lässt Citi offen. Klar ist: Ohne eine deutliche Verbesserung der Anlageperformance oder eine über den Erwartungen liegende Mittelbeschaffung sieht die Bank kurzfristig keinen Spielraum für eine Neubewertung nach oben.
Kurz erklärt
- Closed-End-Fonds: Ein börsennotierter Investmentfonds mit einer festen Anzahl an Anteilen, dessen Kurs unabhängig vom Nettoinventarwert schwanken kann.
- Nettoinventarwert (NAV): Der rechnerische Wert aller Vermögenswerte eines Fonds abzüglich der Verbindlichkeiten, aufgeteilt auf die Anzahl der Anteile.
- Performance-Gebühren: Erfolgsabhängige Vergütungen, die ein Fondsmanager nur dann erhält, wenn bestimmte Renditeziele übertroffen werden.
