Citi setzt auf Datenbesitzer statt KI-Ebene: Scout24 und Trustpilot Top-Picks
Die US-Bank Citi bevorzugt Plattformen mit eigenen Daten gegenüber der KI-Schicht und nennt zwei europäische Werte als sicherste Wetten.

Die US-Investmentbank Citigroup richtet ihren Blick im Plattformsektor neu aus: Nicht die KI-Ebene, sondern die Eigentümer der zugrunde liegenden Daten stehen im Fokus. Wie aus einer aktuellen Analyse hervorgeht, argumentiert der Broker, dass führende Plattformen von ihrem Besitz an Inventar-, Transaktions- und Reputationsdaten profitieren – insbesondere in hochwertigen Kategorien, in denen die Genauigkeit von Empfehlungen am wichtigsten ist.
Zu den Top-Picks des Hauses zählen Scout24 und Trustpilot, beide mit dem Rating „Kaufen". Damit setzt Citi auf zwei europäische Unternehmen, die über eigene Datensätze verfügen und diese in ihre jeweiligen Kategoriemärkte einbetten. Die These des Brokers ist klar: Der Wert fällt eher dem Eigentümer der Daten zu als der darauf aufbauenden KI-Schicht.
Zwar räumt Citi ein, dass KI-Agenten langfristig zur primären Entdeckungsschnittstelle werden könnten. Nach Ansicht der Analysten sei es jedoch noch zu früh, dies abschließend zu beurteilen. Diese Zurückhaltung ist bemerkenswert, da der Markt derzeit intensiv über die Verdrängung klassischer Such- und Plattformmodelle durch KI-Assistenten diskutiert.
Die Details
Citi stuft Online-Immobilienportale als den risikominimierenden Bereich des Sektors ein und hebt Scout24 als herausragenden Akteur hervor. Der Broker führt die frühe Optimierung des Unternehmens für KI-Agenten als einen zentralen Grund für seine Zuversicht an. Scout24 betreibt in Deutschland unter anderem ImmobilienScout24 und ist damit in einem Markt tätig, in dem strukturierte Immobiliendaten und Transaktionsinformationen eine zentrale Rolle spielen.
Das Argument von Citi für Trustpilot stützt sich auf dessen Bewertungsdatensatz. Die Bank erachtet diesen zunehmend wichtig für die Qualität von LLM-Empfehlungen. Trustpilot betreibt eine Plattform für Verbraucherbewertungen und verfügt damit über einen umfangreichen Bestand an Reputationsdaten, der für die Bewertung von Unternehmen und Dienstleistungen genutzt wird.
Die breiteren Erkenntnisse von Citi stützen diese These. Nutzer bevorzugen weiterhin spezialisierte KI-Tools, die in Kategorie-Führer eingebettet sind. Gleichzeitig nimmt die Interaktion mit plattforminternen KI-Funktionen zu, während der Traffic von führenden Large Language Models (LLMs) vernachlässigbar bleibt. Diese Beobachtung ist zentral für die Argumentation: Wenn Nutzer weiterhin direkt auf den Plattformen suchen und dort zunehmend KI-Funktionen verwenden, bleibt der Datenbesitz der entscheidende Wettbewerbsvorteil.
Citi untermauert damit seine zentrale These, dass Reputationsdaten eine wertvolle Ressource darstellen. Der Wert fällt demnach eher dem Eigentümer der Daten zu als der darauf aufbauenden KI-Schicht. Für Anleger bedeutet das eine Verschiebung der Aufmerksamkeit: weg von reinen KI-Anbietern, hin zu Plattformen mit proprietären Datensätzen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Analyse reiht sich in eine Serie von Citi-Berichten ein, die aktien.news in den vergangenen Monaten dokumentiert hat. Bereits am 10.02.2026 berichtete aktien.news, dass Citi nach dem jüngsten Ausverkauf bei Software-Aktien eine attraktive Einstiegsmöglichkeit für Anleger identifiziert hatte. Die Analysten um Drew Pettit filterten aus einem Universum von rund 90 Software-Unternehmen 22 Aktien heraus, bei denen die Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie in den letzten sechs Monaten nach oben korrigiert worden waren, während gleichzeitig die impliziten Terminal-Bewertungsmultiplikatoren gesunken waren.
Am 15.02.2026 folgte ein weiterer Bericht: Führende Investmentbanken sahen im aktuellen Kursrückgang bei KI- und Software-Aktien fundamentale Kaufgelegenheiten. Citi hatte in einer Analyse 22 Titel identifiziert, bei denen trotz Kursverlusten von mindestens 10 Prozent im vergangenen Monat die Gewinnerwartungen weiter steigen. Die US-Großbank filterte gezielt nach Unternehmen, deren Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie in den Jahren 2025 bis 2027 in den vergangenen sechs Monaten nach oben korrigiert wurden.
Am 08.04.2026 stellte die Citigroup ihre Bewertungen im Bereich europäischer Medienwerte neu auf. Das Brokerhaus stufte RELX und Rightmove herauf, während Autotrader eine Herabstufung erhielt. Zusätzlich versah Citi Research den Werbekonzern WPP mit einer sogenannten High-Risk-Kennzeichnung. Als Hauptgründe nannte Citi Research ein anhaltendes, KI-getriebenes De-Rating im Mediensektor sowie die steigende makroökonomische Unsicherheit, die durch den Nahostkonflikt zusätzlich befeuert wurde.
Am 18.07.2026 identifizierten die Analysten der Citigroup ihre Top-Favoriten im US-Sektor für Kommunikationsausrüstung. Im Mittelpunkt stand die durch künstliche Intelligenz vorangetriebene Expansion der Netzwerkinfrastruktur, die ihren mehrjährigen Wachstumskurs fortsetzt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der frühzeitigen Einführung sogenannter Scale-up-Optiktechnologien. Die Prognosen für die aggregierten Investitionsausgaben der fünf größten Cloud-Rechenzentrumsbetreiber für das Geschäftsjahr 2026 wurden im Vergleich zu den Erwartungen vom April um 16 Prozent nach oben korrigiert.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die aktuelle Analyse insofern relevant, als mit Scout24 ein hierzulande bekanntes Unternehmen zu den Top-Picks zählt. Der Betreiber von ImmobilienScout24 ist im deutschen Markt stark verankert und verfügt über umfangreiche Immobiliendaten. Citi sieht in der frühen Optimierung des Unternehmens für KI-Agenten einen zentralen Grund für seine Zuversicht.
Die Argumentation des Brokers lenkt den Blick auf eine grundsätzliche Frage: Wem gehört der Wert in einer zunehmend KI-getriebenen Welt? Citi positioniert sich klar auf der Seite der Datenbesitzer. Plattformen mit proprietären Inventar-, Transaktions- und Reputationsdaten könnten demnach langfristig profitieren, während die reine KI-Schicht weniger Wert abschöpft.
Gleichzeitig bleibt die Einschätzung von Citi zu KI-Agenten zurückhaltend. Die Bank hält es für zu früh, abschließend zu beurteilen, ob KI-Agenten zur primären Entdeckungsschnittstelle werden. Diese Unsicherheit sollten Anleger bei ihren Überlegungen berücksichtigen. Die Bewertung „Kaufen" für Scout24 und Trustpilot spiegelt die Zuversicht von Citi wider, ist aber keine Garantie für künftige Kursentwicklungen.
Ausblick
Citi erwartet, dass Nutzer weiterhin spezialisierte KI-Tools bevorzugen, die in Kategorie-Führer eingebettet sind. Die Interaktion mit plattforminternen KI-Funktionen dürfte nach Einschätzung des Brokers zunehmen, während der Traffic von führenden Large Language Models vernachlässigbar bleibt. Ob KI-Agenten langfristig zur primären Entdeckungsschnittstelle werden, lässt Citi offen und verweist auf die noch unzureichende Datenlage.
Kurz erklärt
- Large Language Model (LLM): Ein KI-Sprachmodell, das große Textmengen verarbeitet und daraus Antworten oder Empfehlungen generiert.
- KI-Agent: Ein KI-System, das eigenständig Aufgaben ausführt und als Schnittstelle für die Informationssuche dienen kann.
- Reputationsdaten: Bewertungen und Erfahrungsberichte von Nutzern, die die Qualität von Unternehmen und Dienstleistungen abbilden.
- De-Rating: Eine Neubewertung, bei der der Markt bereit ist, für die Gewinne eines Unternehmens einen niedrigeren Bewertungsmultiplikator zu zahlen.
