Chinas Teapot-Raffinerien kaufen irakisches Öl nach US-Blockade
Nach dem Stopp iranischer Lieferungen durch US-Sanktionen weichen Chinas unabhängige Raffinerien auf teureres irakisches Rohöl aus.

Chinas unabhängige Raffinerien stehen unter massivem Versorgungsdruck. Eine US-Blockade hat die Lieferungen aus dem Iran, ihrer wichtigsten Rohölquelle, weitgehend unterbrochen. Als Reaktion darauf kaufen private Verarbeiter – darunter die sogenannten „Teapot"-Raffinerien in der chinesischen Provinz Shandong – nun irakisches Rohöl der Sorten Basrah Heavy und Basrah Medium für Novemberlieferungen. Die Aufschläge dafür liegen bei bis zu 18 US-Dollar pro Barrel über dem ICE-Brent-Referenzpreis, wie Bloomberg berichtete.
Die Transaktionen spiegeln laut Analysten keinen allgemeinen Nachfrageanstieg wider. Vielmehr handelt es sich um einen dringenden Bedarf an sofortigen Ersatzlieferungen, da die bisherigen Versorgungskanäle blockiert sind. Mindestens 50 Tanker mit vorwiegend iranischem Rohöl an Bord liegen weiterhin vor der chinesischen Küste fest – ein direktes Ergebnis der US-Druckpolitik gegenüber Teheran.
Staatliche Konkurrenz treibt Preise für unabhängige Raffinerien hoch
Erschwerend kommt hinzu, dass staatliche chinesische Raffinerien den Großteil des verfügbaren russischen Rohöls für sich sichern. Damit wird russisches Öl für unabhängige Verarbeiter sowohl knapp als auch teuer. ESPO-Rohöl aus dem russischen Fernen Osten, das bei Teapot-Raffinerien wegen seines hohen Dieselanteils besonders beliebt ist, wird laut dem Bericht derzeit mit einem Aufschlag von fast 30 US-Dollar pro Barrel über dem Brent-Preis gehandelt.
Muyu Xu, Senior Crude Analyst beim Datenanbieter Kpler, warnt vor einer drohenden Versorgungslücke: Einige Teapot-Raffinerien in Shandong könnten ihre Lagerbestände noch bis Ende des laufenden Monats aufgebraucht haben. Peking hat zwar neue Rohöl-Importquoten ausgegeben, doch die verfügbaren Alternativen sind begrenzt. „Um eine Stilllegung oder eine deutliche Reduzierung der Auslastung zu vermeiden, müssen sich die Raffinerien so schnell wie möglich alternative Lieferungen sichern", zitiert Bloomberg den Analysten.
Der Versorgungsengpass zwingt die unabhängigen Verarbeiter damit zu einem Rohöl, das sie unter normalen Umständen meiden: Basrah-Rohöl ist schwefelreich und gilt als weniger attraktiv als die bisher bevorzugten iranischen Barrel oder das dieselreiche ESPO aus Russland. Vor der US-Blockade lieferte der Iran täglich mehr als eine Million Barrel an Chinas unabhängige Raffinerien. Private Verarbeiter profitierten dabei von hohen Preisnachlässen auf die sanktionierten Barrel, was ihre Raffineriemargen deutlich verbesserte.
Naher Osten rückt als Lieferant in den Fokus
Irakisches Rohöl wird für chinesische Käufer nun zugänglicher, da erhöhte Ölströme aus dem Nahen Osten durch die Straße von Hormus fließen. Golfproduzenten bieten zudem größere Preisnachlässe an, um ihre Marktanteile zu verteidigen – auch nachdem Saudi Aramco die offiziellen Verkaufspreise für seine wichtigste Sorte für asiatische Abnehmer gesenkt hat.
Zu den Vermarktungspartnern für irakisches Rohöl zählen namhafte internationale Handelshäuser wie die Vitol Group, die Trafigura Group und die Mercuria Energy Group sowie der französische Energiekonzern TotalEnergies SE. Käufer sind sowohl private Verarbeiter in Shandong als auch einige große unabhängige Raffinerien in China. Die Entwicklung zeigt, wie stark geopolitische Spannungen und Sanktionspolitik die globalen Rohstoffmärkte und Lieferketten beeinflussen können – mit direkten Auswirkungen auf die Betriebskosten und Margen der betroffenen Unternehmen.
