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EZB unter Druck: Überraschende Inflationsrückgänge in Europa

Rückläufige Teuerungsraten in Frankreich und Spanien beeinflussen Zinssenkungsdebatte

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EZB unter Druck: Überraschende Inflationsrückgänge in Europa

Die jüngsten Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien setzen die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck. Im September verzeichneten beide Länder einen deutlichen Rückgang der Teuerungsraten, was zu neuen Erwartungen hinsichtlich der geldpolitischen Entscheidungen der EZB führte. In Frankreich fiel die Inflationsrate von 2,2 Prozent auf 1,5 Prozent, und in Spanien ging sie von 2,4 Prozent auf 1,7 Prozent zurück. Diese Entwicklungen könnten nach Ansicht von Analysten dazu führen, dass die EZB ihre Leitzinsen bereits in wenigen Wochen weiter senkt. Die US-Bank Goldman Sachs zog bereits ihre Prognose für einen weiteren Zinsschritt von Dezember auf Oktober vor.

Auch der Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Bantleon, Daniel Hartmann, sieht eine Zinssenkung im Oktober als immer wahrscheinlicher an und bewertet die starken Rückgänge der Inflationsraten als „große Überraschung“. Obwohl Ökonomen allgemein erwartet hatten, dass die Inflation aufgrund sinkender Energiepreise zurückgehen würde, war die Stärke des Rückgangs unerwartet.

In Deutschland wird am Montag eine Schnellschätzung zur Inflation erwartet. Auch hier wird ein Absinken der Teuerung unter die von der EZB angepeilte Marke von zwei Prozent erwartet. Insbesondere der Rückgang der Energiepreise dämpft derzeit die Inflation, da diese oft stark schwanken. Die Entwicklungen in Frankreich und Spanien deuten zudem darauf hin, dass auch bei Dienstleistungen eine Verlangsamung des Preisauftriebs stattfindet. So steigen beispielsweise die Preise für Hotels und Freizeitangebote nicht mehr so stark wie zuvor.

Im August betrug die Inflation bei Dienstleistern in der Euro-Zone noch 4,1 Prozent. Dies hat im EZB-Rat zu einer kontroversen Diskussion über das richtige Timing für Zinssenkungen geführt, da einige Entscheidungsträger vor einer schnellen Lockerung warnen. Sollte der Wert bei der kommenden Veröffentlichung der Eurostat-Daten unter vier Prozent fallen, könnte dies die Debatte weiter beeinflussen. Gleichzeitig verlagert sich die Diskussion über die Geschwindigkeit der Zinssenkungen zunehmend von der Inflation zur Konjunktur. Verschiedene Indikatoren, wie das Ifo-Geschäftsklima, Umfragen unter Einkaufsmanagern und die Konjunkturerwartungen des ZEW, zeigen eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik an.

Die jüngsten Entwicklungen veranlassen daher Ökonomen großer Banken, eine schnellere Zinssenkung durch die EZB zu erwarten. Seit Juni hat die Zentralbank den Einlagesatz bereits von 4,0 auf 3,5 Prozent gesenkt. Auch die Deutsche Bank rechnet nun damit, dass die EZB bis Mitte 2025 den Satz auf 2,0 bis 2,5 Prozent absenken wird, wobei ein schneller Lockerungszyklus mit aufeinanderfolgenden Senkungen um 25 Basispunkte ab Dezember prognostiziert wird.

Der Europa-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Jari Stehn, geht davon aus, dass die schwachen Wirtschaftsdaten die EZB dazu bewegen werden, das Tempo ihrer Zinssenkungen zu erhöhen. Die Märkte reagieren bereits auf diese Aussicht: Am Freitag fielen die Renditen europäischer Staatsanleihen und der Euro verlor gegenüber dem Dollar an Wert, was als Reaktion auf die erwarteten sinkenden Zinsen interpretiert wird. Vor einer Woche galt eine Zinssenkung im Oktober noch als unwahrscheinlich, doch angesichts der jüngsten Daten wird sie nun als zunehmend wahrscheinlich eingeschätzt.

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