China Rare Earth Group will Shenghe Resources und MP-Anteil übernehmen
Staatskonzern will Shenghe Resources übernehmen – und damit Anteil an US-Firma MP Materials

Die staatliche China Rare Earth Group führt fortgeschrittene Gespräche über den Erwerb von Shenghe Resources. Das berichten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Ein solcher Schritt würde Pekings Kontrolle über die strategisch wichtige Seltenerdmetall-Branche weiter festigen und dem Staatskonzern zugleich eine Beteiligung an einem US-amerikanischen Unternehmen sichern.
Konkret geht es um den 3-Prozent-Anteil, den Shenghe Resources am US-Seltenerdmetallunternehmen MP Materials hält. MP Materials zählt nach einer Investition im vergangenen Jahr das US-Verteidigungsministerium als größten Aktionär. Sollte die Übernahme gelingen, würde die China Rare Earth Group die Kontrolle über Shenghes Beteiligungen an ausländischen Firmen übernehmen – mit potenziell weitreichenden geopolitischen Implikationen.
Gespräche seit Jahresbeginn
Die Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen laufen bereits seit Anfang dieses Jahres, so die Quellen, die unter der Bedingung der Anonymität sprachen, da die Angelegenheit sensibel ist. Die China Rare Earth Group beabsichtige, eine beherrschende Beteiligung an Shenghe Resources zu erlangen, sagte eine der Personen. Wann die Übernahme angekündigt oder abgeschlossen werden könnte, ist bislang unklar.
Eine Übernahme würde der China Rare Earth Group die Kontrolle über eines der letzten führenden chinesischen Unternehmen im Bereich des Abbaus und der Raffination von Seltenerdmetallen mit privater Beteiligung sichern. Damit würde eine jahrzehntelange Bemühung um die Konsolidierung der Branche unter staatlicher Kontrolle abgeschlossen werden.
Strategische Bedeutung für Peking
Peking würde durch einen solchen Deal zudem eine strengere Kontrolle über Elemente erhalten, die für Elektrofahrzeuge, Windturbinen, Elektronik und den Verteidigungssektor von entscheidender Bedeutung sind. Diese Kontrolle hat China in seinem Handelskrieg mit den USA bereits wirksam genutzt. Seltenerdmetalle gelten als kritische Rohstoffe, bei denen China eine dominante Marktstellung innehat.
Die China Rare Earth Group wurde 2021 nach der Reorganisation von fünf staatlichen, mit Seltenerdmetallen verbundenen Unternehmen gegründet. Sie ist heute der größte Lieferant schwerer Seltenerdmetalle in China. Ein Deal würde Shenghe zudem besseren Zugang zu den staatlichen Quoten gewähren, die Peking typischerweise zur Steuerung der Angebotssituation nutzt, so eine der Quellen. Diese Quoten für Bergbau, Schmelzen und Trennung werden als Barometer für das globale Angebot an Seltenerdmetallen eng überwacht.
Ungewisse Zukunft für Überseeaktivitäten
Es ist unklar, wie sich die Aussicht auf eine große chinesische staatliche Seltenerdmetallfirma, die denselben Aktionärsregister wie das US-Verteidigungsministerium führt, auf den Deal auswirken könnte. Die Quellen wussten nicht, was mit Shenghes Überseeaktivitäten und -beteiligungen geschehen würde. Im vergangenen Jahr hatte Shenghe das australische Unternehmen Peak Rare Earths übernommen.
MP Materials hat wiederholt erklärt, dass weder Shenghe noch die chinesische Regierung irgendeine Kontrolle über seine Operationen haben. Die China Rare Earth Group, Shenghe Resources und das chinesische Handelsministerium reagierten nicht auf Anfragen nach Stellungnahmen.
Blick auf die Rohstoffmärkte
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung von besonderem Interesse, da Seltenerdmetalle eine Schlüsselrolle in der Energiewende und der Elektromobilität spielen. Europäische Automobilhersteller und Industrieunternehmen sind in hohem Maße auf Importe dieser kritischen Rohstoffe angewiesen. Eine weitere Konsolidierung der Branche unter staatlicher chinesischer Kontrolle könnte die Abhängigkeit Europas von Peking weiter verstärken und die Diskussionen über eine Diversifizierung der Lieferketten neu entfachen.
