CEO-Wechsel: Wann Aufsichtsräte die Nachfolge bewerten sollten
Ein neues Buch zur CEO-Nachfolge rät Kontrollgremien, den Erfolg einer Neubesetzung früher zu hinterfragen als üblich.

Es ist eine Frage, die sich viele Aufsichtsräte jetzt oder bald stellen sollten – und zwar früher, als sie es selbst vermuten würden. So formuliert es zumindest der Autor eines kürzlich veröffentlichten Buches über CEO-Nachfolgen. Im Zentrum steht dabei ein ebenso schlichter wie unbequemer Satz: „Wie wissen wir, dass wir es richtig gemacht haben?“
Diese Frage rückt die Bewertung einer Führungsspitze in ein neues Licht. Üblicherweise wird eine CEO-Nachfolge vor allem als Auswahlprozess verstanden – wer übernimmt, wann und unter welchen Bedingungen. Der Autor des Buches lenkt den Blick dagegen auf die Zeit nach der Übergabe: die Phase, in der sich zeigen muss, ob die Entscheidung des Kontrollgremiums tatsächlich die richtige war. Aufsichtsräte, so die Botschaft, sollten diesen Prüfpunkt nicht erst Jahre später ansetzen, sondern deutlich früher.
Konkreten Anlass für diese Debatte liefern gleich mehrere große Konzerne. Zu den Unternehmen, die in diesem Jahr geplante Übergaben an neue CEOs erlebt haben, zählen Walmart, Disney, Coca-Cola und Apple. Bei diesen Firmen ist der Stabwechsel also bereits vollzogen oder mindestens eingeleitet worden – und damit stellt sich für die jeweiligen Kontrollgremien die Frage, wie sie den Erfolg der neuen Führung bewerten wollen.
Weitere Wechsel stehen unmittelbar bevor
Der Druck, sich mit dem Thema zu befassen, dürfte in den kommenden Wochen sogar noch zunehmen. Denn bei Adobe und Best Buy übernehmen die neuen Chefs die Kontrolle erst in den kommenden Wochen. Diese beiden Fälle stehen also noch am Anfang der Übergangsphase – genau in jenem Zeitfenster, in dem der Buchautor zufolge die wichtigsten Weichen für die spätere Bewertung gestellt werden.
Für Anleger sind solche Personalentscheidungen von erheblicher Bedeutung. Der CEO prägt Strategie, Kapitalallokation und Risikobereitschaft eines Unternehmens – und damit auch die langfristige Aktienentwicklung. Ein Führungswechsel gilt an den Märkten deshalb traditionell als Moment erhöhter Unsicherheit. Umso relevanter ist die Frage, anhand welcher Maßstäbe ein Kontrollgremium beurteilt, ob ein neuer Vorstandsvorsitzender die Erwartungen erfüllt.
Interessant ist der Zeitpunkt der Debatte. Dass gleich mehrere Schwergewichte wie Walmart, Disney, Coca-Cola und Apple in ein und demselben Jahr neue CEOs erhalten haben, macht die Thematik für eine breite Öffentlichkeit sichtbar. Zugleich rückt sie ein Governance-Thema in den Vordergrund, das in der Praxis oft stiefmütterlich behandelt wird: die systematische Erfolgskontrolle einer Nachfolge. Wer erst dann bewertet, wenn sich Ergebnisse längst eingestellt haben, handelt reaktiv – nicht steuernd.
Was Aufsichtsräte daraus mitnehmen können
Die zentrale Lehre lässt sich in wenigen Punkten zusammenfassen. Erstens sollten Bewertungskriterien für einen neuen CEO schon zu Beginn der Amtszeit festgelegt werden. Zweitens geht es nicht nur um finanzielle Kennzahlen, sondern auch um die Umsetzung der verabredeten Strategie. Drittens sollte die Überprüfung früh genug erfolgen, um bei Bedarf noch gegensteuern zu können. Genau diese Reihenfolge macht aus einer Personalentscheidung einen fortlaufenden Kontrollprozess.
Für deutsche Beobachter ist der Blick auf die USA aufschlussreich, weil dort die CEO-Nachfolge besonders stark im Rampenlicht steht. Die vom Buchautor aufgeworfene Frage – „Wie wissen wir, dass wir es richtig gemacht haben?“ – dürfte daher auch hierzulande für Diskussionen in Kontrollgremien sorgen. Denn unabhängig vom Markt gilt: Die Qualität einer Nachfolge zeigt sich nicht am Tag der Bekanntgabe, sondern erst in der Amtsführung – und deren Bewertung beginnt früher, als viele annehmen.
