Casio G-Shock für 80.000 Euro: 20 Exemplare zum MR-G-Jubiläum
Casio bringt die MRG-D5000-BDR mit Saphirglas-Lünette auf den Markt – 20 Exemplare, 80.000 Euro pro Uhr, 30 Jahre MR-G.

Casio hat mit der MRG-D5000-BDR eine digitale Quarzuhr vorgestellt, die in einer Auflage von nur 20 Exemplaren erscheint. Der Preis liegt bei 80.000 Euro pro Uhr. Vorgestellt wurde das Modell Anfang Oktober, Anlass ist der 30. Geburtstag der MR-G-Linie.
Die Besonderheit steckt in der Außenhülle: Die Lünette besteht aus blauem Saphirglas und wird schraubenlos zusammengesetzt. Saphirglas gilt als extrem hart, ist aber zugleich spröde wie Porzellan. In der Uhrenwelt ist das Material bislang vor allem bei Hublot und Richard Mille zu finden – Häuser, die ebenfalls auf aufwendige Gehäusekonstruktionen setzen.
Damit schlägt Casio ein neues Kapitel in der Geschichte der G-Shock auf. Seit 1983 die erste DW-5000C erschien – eckig, schwarz, aus Kunststoff –, hat sich die Marke vom robusten Werkzeug zum Sammlerobjekt entwickelt. Die Urform aber blieb über die Jahrzehnte erhalten.
Die Details
Die MRG-D5000-BDR ist Teil der Blue-Rose-Kollektion, mit der Casio das 30-jährige Bestehen der MR-G feiert. Die Linie geht auf das Jahr 1996 zurück, als mit der MRG-100 die erste G-Shock komplett aus Metall auf den Markt kam. Zum Jubiläum gehören auch die Modelle MRG-B2100HR für 7500 Euro und MRG-B2100HS für 15.000 Euro, deren Gehäuse handvergoldet ist. Die Lünette der MRG-B2100 besteht aus 27 einzeln polierten Teilen, das Armband aus der hochfesten Titanlegierung DAT55G.
Wer weniger ausgeben möchte, findet in der Kollektion günstigere Varianten. Die GMW-B5000SB-1A2ER aus Stahl mit vier kleinen blauen Saphiren ist ab 779 Euro erhältlich. Die MRG-B5000SA-2DR mit zwei Karat blauem Saphir kostet 6600 Euro und erscheint in 500 Exemplaren. Das verbaute Quarzmodul steckt dabei auch in einer G-Shock für 150 Euro – der Unterschied liegt vor allem in der Außenhülle, während die Technik ein Quarzwerk mit Solarzelle bleibt.
Hinter der G-Shock steht der Ingenieur Kikuo Ibe, der die ultimative stoßfeste Armbanduhr entwickeln wollte. Die Idee vom schwebend gelagerten Uhrwerk kam ihm nach eigener Darstellung durch einen Gummiball im Park. Seine Prototypen warf er aus dem Fenster – rund zehn Meter Fallhöhe. Über 200 Exemplare zerbrachen dabei. Die DIN-Norm für Stoßsicherheit verlangt lediglich einen Sturz aus einem Meter auf Holzfußboden; die DW-5000C von 1983 überstand dagegen Stürze aus zehn Metern, hielt 20 bar Wasserdruck stand und bot zehn Jahre Batterielaufzeit.
Ursprünglich war die G-Shock für Bauarbeiter gedacht, nicht als Lifestyle-Produkt. Ein US-Werbespot von 1984 zeigte einen Eishockeyspieler, der statt des Pucks eine G-Shock schlägt. Ibe fasst den Anspruch der Marke mit den Worten zusammen, sie sei "in ein Premium-Terrain gebracht hat, ohne die DNA zu verlieren". Von "premium of premium" spricht er mit Blick auf die Spitzenmodelle.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Entwicklung ist Teil eines breiteren Trends im Uhrenmarkt, den aktien.news mehrfach beleuchtet hat. Bereits am 06.07.2026 berichtete aktien.news über die Cartier Crash, die von einer verkannten Kuriosität zu einer der begehrtesten und teuersten Uhren der Welt wurde – mit einem Wert von bis zu zwei Millionen US-Dollar. Am 31.07.2026 folgte eine Analyse zu Garmin-Uhren, die trotz ihres wenig ansprechenden Äußeren zu einem Statussymbol unter Läufern geworden sind; der Umsatz der Fitness-Sparte stieg im ersten Quartal 2026 um 42 Prozent auf 547 Millionen US-Dollar. Am 14.04.2026 berichtete aktien.news über die IWC Pilot's Venturer Vertical Drive, eine eigens für die bemannte Raumfahrt entwickelte Fliegeruhr. Und am 26.06.2026 erschien ein Glossar der Uhrensammler-Sprache, das der britische Autor Ben Schott zusammengestellt hat.
Was das für Anleger bedeutet
Casio ist kein reiner Uhrenkonzern, doch die Sparte liefert wichtige Signale. Der Umsatz der Uhrensparte lag 1997 bei knapp 150 Milliarden Yen, damals rund 1,1 Milliarden Euro. 2001 waren es gut 60 Milliarden Yen, damals rund 550 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr bis März 2026 weist das Unternehmen rund 185 Milliarden Yen aus – gut ein Fünftel mehr als 1997 und rund eine Milliarde Euro. 1997 wurden rund sechs Millionen G-Shocks verkauft, 2017 waren es 100 Millionen ausgelieferte Exemplare.
Bemerkenswert ist die Preispolitik: Casio orientiert die Preise sukzessive am Zweitmarkt. Dort erzielen seltene Modelle teils hohe Summen. 2019 brachte Casio eine 18-Karat-Gold-G-Shock in 35 Stück zu je 7,7 Millionen Yen auf den Markt, damals rund 62.000 Euro. Eine BAPE-G-Shock erlöste 2022 bei einer Auktion des Hauses Joopiter 73.750 Dollar, damals rund 75.000 Euro. 2023 erzielte ein KI-Unikat bei Phillips in New York einen Zuschlag von 400.050 Dollar – damals rund 370.000 Euro und ein Weltrekord für Casio. 2024 wurden bei Phillips in Hongkong 1,143 Millionen Hongkong-Dollar erzielt, damals rund 132.000 Euro.
Für Anleger ist das ein Hinweis darauf, wie stark die Marke inzwischen als Sammlerobjekt wahrgenommen wird. Zugleich bleibt das Geschäft stark von der Außenhülle getrieben: Die Technik ist ein Quarzwerk mit Solarzelle, das auch in deutlich günstigeren Modellen steckt. Wer in Casio investiert, setzt also weniger auf technologische Alleinstellung als auf Markenführung und die Fähigkeit, limitierte Editionen zu inszenieren.
Einordnen lässt sich das auch historisch: Die Schweizer Uhrenindustrie erklärte lange nur die mechanische Uhr für wertvoll. Die japanischen Hersteller überrollten die Schweiz in der Quarzkrise der Siebziger. Casio hält seither an der Urform und dem Versprechen der Unzerstörbarkeit fest – und veredelt sie nun mit Materialien, die zuvor der Schweizer Luxuskonkurrenz vorbehalten waren.
Ausblick
Die MRG-D5000-BDR wurde Anfang Oktober vorgestellt und ist auf 20 Exemplare limitiert. Weitere Termine nennt die Quelle nicht. Beobachten lässt sich, ob Casio die Preise weiter am Zweitmarkt ausrichtet und ob das Jubiläum der MR-G weitere Sondermodelle nach sich zieht.
Kurz erklärt
- Saphirglas: Ein besonders kratzfestes, aber sprödes Material, das in hochwertigen Uhren für Glas und teils für Gehäuseteile verwendet wird.
- Quarzmodul: Das elektronische Uhrwerk, das die Zeit über einen Schwingquarz steuert und in vielen G-Shocks mit Solarzelle kombiniert wird.
- Stoßsicherheit: Die Eigenschaft einer Uhr, Stürze und Erschütterungen ohne Schaden zu überstehen; die DIN-Norm definiert dafür einen Standardtest.
