Carnival trotzt 36 Prozent höheren Treibstoffkosten mit Rekordgewinn
Der Kreuzfahrtriese steigert Umsatz und Nettoertrag auf neue Höchstwerte und hebt die Jahresprognose trotz explodierender Kraftstoffkosten an.

Der Kreuzfahrtkonzern Carnival hat im dritten Quartal neue Rekordwerte bei mehreren Kennzahlen erzielt – und das, obwohl die Treibstoffkosten im Jahresvergleich um 36 Prozent auf 615 Millionen US-Dollar in die Höhe schossen. Die Aktie reagierte auf die am Dienstagmorgen veröffentlichten Zahlen mit einem Kursgewinn von mehr als 13 Prozent. Damit liefert das Unternehmen ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie stark die Nachfrage nach Kreuzfahrten derzeit ist.
Der Umsatz erreichte mit knapp unter 8,44 Milliarden US-Dollar einen neuen Quartalsrekord und lag damit 3 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Jahres 2025. Auch der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn stieg um fast 4 Prozent auf 1,92 Milliarden US-Dollar. Auf bereinigter Basis (non-GAAP) fiel der Nettogewinn zwar leicht auf 1,96 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 1,43 US-Dollar je Aktie, übertraf damit aber die durchschnittlichen Analystenschätzungen von 8,39 Milliarden US-Dollar Umsatz und 1,35 US-Dollar Gewinn je Aktie.
Nachfrage und Kostendisziplin als Treiber
Carnival-CEO Josh Weinstein bezeichnete das Quartal in der Ergebnismitteilung als geprägt von „beschleunigender Nachfrage und noch strengerer Disziplin bei den Kosten“, was die Ergebnisse über die Erwartungen getrieben habe. Tatsächlich blieben die übrigen Ausgabenkategorien des Konzerns auffallend stabil: Der größte Anstieg unter den fünf weiteren ausgewiesenen Kostenpositionen betrug lediglich 3,5 Prozent und entfiel auf die gemischten „sonstigen Betriebskosten“. Alle anderen Posten außer Treibstoff lagen unter 2,2 Prozent.
Bemerkenswert ist die Relation: Trotz des Sprungs von 36 Prozent rangierten die Treibstoffkosten unter den insgesamt sechs Ausgabenposten nur auf Platz fünf. Mit 615 Millionen US-Dollar machten sie lediglich 13 Prozent der gesamten operativen Kreuzfahrt- und Tourausgaben des Quartals aus. Der Kostenfaktor ist also spürbar, aber nicht dominant.
Für deutsche Anleger ist der Blick auf die Prognose besonders relevant. Carnival aktualisierte sowohl die Guidance für das laufende vierte Quartal als auch für das gesamte Geschäftsjahr 2026. Fast alle Positionen blieben unverändert oder stiegen leicht an – mit Ausnahme der Treibstoffkosten. Für das vierte Quartal rechnet das Unternehmen mit einem Anstieg um 51 Prozent auf 640 Millionen US-Dollar. Als Grund für die Verteuerung nennt der Konzern den Krieg mit dem Iran.
Angehobene Jahresprognose sendet starkes Signal
Trotz dieser Belastung hob Carnival die Prognose für den bereinigten Jahresnettogewinn an – von zuvor 3,07 Milliarden US-Dollar auf rund 3,08 Milliarden US-Dollar. Die Erhöhung fällt zwar moderat aus, doch für Anleger, die angesichts der Treibstoffsituation das Schlimmste befürchteten, ist sie ein deutliches Signal. Die anhaltende Aufwärtsbewegung der Kraftstoffpreise bleibt dennoch ein warnender Faktor.
Der Motley Fool sieht in dem Quartal einen Beleg dafür, wie profitabel ein effizient arbeitendes Unternehmen in der „Erlebniswirtschaft“ sein kann. Viele Menschen verfügten heute über mehr verfügbares Einkommen und sehnten sich angesichts eines zunehmend virtuellen, bildschirmbasierten Alltags nach realen Erlebnissen. Zugleich könnten jüngste diplomatische Annäherungen im Iran-Konflikt zu einer Einigung und damit zu niedrigeren Treibstoffpreisen führen, was die Rentabilität stärken würde.
Herausforderungen bleiben jedoch bestehen: die hohe Verschuldung aus den pandemiebedingten Betriebsschließungen sowie ein möglicher Rückgang der Konsumentenausgaben angesichts anhaltender Inflation. Der grundlegende Trend, die Welt erkunden zu wollen, dürfte laut dem Autor der Analyse jedoch beständig bleiben – mit entsprechendem Rückenwind für die Carnival-Aktie.
