Carney fordert Respekt für kanadische Souveränität nach US-Treffen mit Alberta-Separatisten
Kanadischer Premier reagiert auf Berichte über Kontakte zwischen Washington und Unabhängigkeitsbefürwortern der Provinz Alberta.

Der kanadische Premierminister Mark Carney hat die US-Regierung aufgefordert, die Souveränität Kanadas zu respektieren. Hintergrund sind Berichte über Treffen zwischen US-Beamten und Separatisten aus der Provinz Alberta. Die Financial Times berichtete, dass das Außenministerium bereits drei Gespräche mit dem Alberta Prosperity Project (APP) geführt habe, einer Gruppe, die ein Referendum über die Abspaltung der energiereichen Westprovinz anstrebt.
"Wir erwarten von der US-Regierung, dass sie die kanadische Souveränität respektiert. Das mache ich in meinen Gesprächen mit Präsident Trump immer deutlich", erklärte Carney auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Ottawa. Trump selbst habe die Frage des Separatismus in Alberta ihm gegenüber allerdings nie angesprochen.
Das APP bezeichnet die Politik der Bundesregierung in Ottawa als lähmend für Alberta und plant nach Angaben der Financial Times ein weiteres Treffen im kommenden Monat. Dabei soll eine Kreditfazilität in Höhe von 500 Milliarden US-Dollar beantragt werden. Die Gespräche sollen mit Vertretern des Außen- und Finanzministeriums stattfinden.
Albertas Premierministerin für Verbleib in Kanada
Danielle Smith, Premierministerin von Alberta, betonte, dass sie Teil Kanadas bleiben wolle. Gleichzeitig verwies sie auf Umfragen, wonach 30 Prozent der Bevölkerung die aus ihrer Sicht übermäßige Einmischung Ottawas ablehnen. Alberta ist eine Binnenprovinz ohne direkten Zugang zum Meer. Smith drängt auf den Bau einer weiteren Ölpipeline zur Pazifikküste, die durch die Nachbarprovinz British Columbia führen müsste.
David Eby, Premierminister von British Columbia, lehnt das Pipeline-Projekt jedoch ab. Er bezeichnete es als "Verrat", "in ein fremdes Land zu gehen und um Unterstützung bei der Zerschlagung Kanadas zu bitten". Die Beziehungen zwischen Smith und Eby gelten als angespannt.
US-Finanzminister äußert sich zu Alberta
US-Finanzminister Scott Bessent hatte vergangene Woche in einem Radiointerview erklärt: "Ich denke, wir sollten sie in die USA kommen lassen." Auf die Frage nach einem möglichen Referendum in Alberta fügte er hinzu: "Die Menschen wollen Souveränität. Sie wollen das, was die USA haben."
Carney und Trump haben in den vergangenen Wochen wiederholt öffentlich Sticheleien ausgetauscht. Der kanadische Premier, der Trump als geschickten Verhandlungsführer bezeichnet, vermutet hinter einigen Äußerungen des US-Präsidenten einen Zusammenhang mit der anstehenden Überprüfung des Handelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada, die noch in diesem Jahr beginnen soll.
