Cadence bestätigt Heißstart der Erzverarbeitungsanlage Azteca in Brasilien
Der AIM-notierte Bergbauinvestor meldet den Beginn des Heißtests im Eisensteinprojekt Amapá – die kommerzielle Produktion hängt von Genehmigungen ab.

Der an der Londoner AIM notierte Frühphasen-Bergbauinvestor Cadence Minerals hat den Beginn des Heißtests am Aufbereitungswerk Azteca bestätigt. Die Anlage ist Teil des Eisensteinprojekts Amapá in Brasilien. Mit dem Heißtest startet die letzte Erprobungsphase vor einer möglichen kommerziellen Inbetriebnahme des Werks.
Cadence Minerals hält einen Anteil von 36.2 Prozent an der Pedra Branca Alliance. Diese Gesellschaft besitzt 100 Prozent der Eigentümer- und Betriebsgesellschaft von Amapá, der DEV Mineração. Der an der AIM notierte Investor ist damit mittelbar an dem brasilianischen Eisensteinprojekt beteiligt, ohne selbst Betreiber zu sein.
Nach dem Abschluss der Kalt- und Nasstests hat DEV Mineração mit der Verarbeitung des vorhandenen Zuschlagstoffs begonnen. Bewertet werden dabei der Durchsatz, die Konzentratqualität und die Rücklaufquote. Die Erprobung läuft bei Kapazitätsauslastungen zwischen 25 und 50 Prozent. Damit wird geprüft, wie sich die Anlage unter Teillast verhält, bevor über einen Regelbetrieb entschieden wird.
Das Amapá-Projekt ist keine Neuentwicklung auf der grünen Wiese. Das Management betont ausdrücklich, dass bestehendes Material und bestehende Infrastruktur wieder in Betrieb genommen werden. Nach Unternehmensangaben ist die Sanierung des Azteca-Werks abgeschlossen – sie war die Voraussetzung dafür, dass die Betreibergesellschaft nun in die heiße Phase übergehen konnte.
Die Details
Das Azteca-Werk nutzt Magnetabscheider und Spiralscheiden, um Eisen aus bereits abgebautem, zerkleinertem, gemahlenem und teilweise aufkonzentriertem Material zurückzugewinnen. Der eingesetzte Zuschlagstoff stammt aus historischen Halden, die im Testplan identifiziert wurden. Es handelt sich also nicht um frisch gefördertes Erz, sondern um Material, das aus früheren Betriebsphasen bereits vorliegt.
Kalt- und Nasstests dienen in der Verfahrenstechnik dazu, Mechanik und Dichtigkeit einer Anlage ohne vollständige Materialbelastung zu prüfen. Beim Heißtest wird die Anlage anschließend unter realen Betriebsbedingungen mit Material gefahren. Genau diesen Schritt hat DEV Mineração nach eigenen Angaben nun eingeleitet.
Die kommerzielle Inbetriebnahme des Werks bleibt an zwei Bedingungen geknüpft: an den erfolgreichen Abschluss der Tests und an den Erhalt einer Betriebserlaubnis. DEV Mineração erwartet, den Behörden noch diese Woche unterstützende Unterlagen zur Instandhaltung und zur Umweltüberwachung vorzulegen. Ohne diese Genehmigung ist ein Übergang in die kommerzielle Produktion nicht möglich.
Sobald das Werk in die kommerzielle Produktion geht, will DEV Mineração jährlich 380 000 Tonnen mit einem Eisengehalt von 65 Prozent herstellen. Parallel führt das Unternehmen Reparaturen an einer nahegelegenen Brücke durch. Deren Fertigstellung ist vor dem ersten Versand von Eisen aus dem Werk geplant. Der Transportweg ist damit ein eigener Meilenstein im Zeitplan.
Geschäftsführer Kiran Morzaria kommentierte den Schritt: „Mit dem Abschluss der Sanierung des Azteca-Werks müssen die Unternehmen nun die Leistungsfähigkeit der Anlage unter Beweis stellen. Unser Team bringt bestehendes Material und Infrastruktur wieder in Betrieb, wobei der Fokus auf konsistenten Ergebnissen liegt, während wir auf die kommerziellen Operationen hinarbeiten.“
„Glaubwürdigkeit entsteht durch Lieferung“, so Morzaria weiter. „Die Herstellung eines gleichbleibenden Produkts und dessen Auslieferung an Kunden würde eine Betriebsbilanz in Amapá etablieren, die von Aktionären, potenziellen Partnern und Finanzierern bewertet werden kann.“ Ein erfolgreicher Anlagenbetrieb könnte nach seinen Worten Cashflows generieren, sobald die Betriebsbedürfnisse und Finanzierungspflichten gedeckt sind. Diese Mittel könnten die umfassendere Entwicklungsstrategie von Cadence und DEV für Amapá vorantreiben.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Zwischenschritt, kein Ergebnis. Der Heißtest zeigt, dass die Anlage technisch angelaufen ist, doch die kommerzielle Inbetriebnahme hängt weiterhin von zwei Faktoren ab: dem Testergebnis und der Betriebserlaubnis. Beide liegen außerhalb des direkten Einflussbereichs der Aktionäre.
Bemerkenswert ist die Ausgangsbasis des Projekts. Verarbeitet wird Material aus historischen Halden, das bereits abgebaut, zerkleinert, gemahlen und teilweise aufkonzentriert wurde. Das unterscheidet Amapá von einem klassischen Neuaufbau, bei dem zunächst Erz gefördert werden müsste. Allerdings bleibt das Risiko, dass Durchsatz, Konzentratqualität und Rücklaufquote die Erwartungen nicht erfüllen.
Die Beteiligungsstruktur sollten Anleger ebenfalls beachten. Cadence hält 36.2 Prozent an der Pedra Branca Alliance, die wiederum 100 Prozent an DEV Mineração hält. Erträge erreichen den Investor also nicht direkt, sondern über diese Kette. Hinzu kommt die Brücke: Ohne fertiggestellten Transportweg kann das Werk sein Produkt nicht versenden, selbst wenn die Aufbereitung läuft.
Konkrete Angaben zu Kosten, Finanzierungsbedarf oder zum Zeitpunkt der ersten Auslieferung enthält die Mitteilung nicht. Wer die Aktie bewertet, sollte deshalb den weiteren Meldungen des Unternehmens folgen. Dieser Artikel ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
In den kommenden Tagen steht die Vorlage der Unterlagen zur Instandhaltung und Umweltüberwachung bei den Behörden an. DEV Mineração hat angekündigt, diese Papiere noch in dieser Woche einzureichen. Danach entscheidet sich, ob die Betriebserlaubnis erteilt wird und die kommerzielle Inbetriebnahme folgen kann.
Kurzfristig entscheidend sind damit drei Punkte: die Ergebnisse des Heißtests, die behördliche Genehmigung und die Fertigstellung der Brückenreparatur. Erst wenn diese Schritte abgeschlossen sind, kann das Werk nach dem Willen des Unternehmens in die kommerzielle Produktion übergehen. Das mittelfristige Ziel bleibt die jährliche Herstellung von 380 000 Tonnen mit einem Eisengehalt von 65 Prozent.
Kurz erklärt
- Heißtest: Erprobung einer Aufbereitungsanlage mit Material unter realen Betriebsbedingungen vor dem Start der kommerziellen Produktion.
- Magnetabscheider: Technische Vorrichtung, die eisenhaltige Partikel mithilfe von Magnetkraft aus zerkleinertem Gestein abscheidet.
- Spiralscheide: Aufbereitungsgerät, das Mineralpartikel nach ihrer Dichte in einem spiralförmigen Rinnensystem trennt.
- Rücklaufquote: Anteil des im Ausgangsmaterial enthaltenen Zielmetalls, der im Aufbereitungsprozess tatsächlich zurückgewonnen wird.
- Halde: Lagerplatz für bereits abgebautes Material, das noch nicht vollständig aufbereitet wurde.
