Bundesregierung sieht keine wirtschaftliche Erholung
US-Zölle, schwacher Außenhandel und Unsicherheit belasten Konjunkturprognose

Die neue Bundesregierung erwartet angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keinen nachhaltigen Aufschwung in Deutschland. In ihrem ersten Monatsbericht weist das Bundeswirtschaftsministerium unter der neuen Ressortchefin Katherina Reiche (CDU) auf eine mögliche weitere Abschwächung der Konjunktur hin. Sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor zeigen aktuelle Umfragen eine Eintrübung der Geschäftserwartungen. Der Bericht hält fest, dass eine erneute konjunkturelle Abschwächung im Verlauf des Jahres nicht ausgeschlossen sei.
Im ersten Quartal 2025 verzeichnete die deutsche Wirtschaft ein leichtes Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nachdem es im letzten Quartal 2024 um 0,2 Prozent gesunken war. Damit wurde eine technische Rezession abgewendet. Unterstützt wurden die Exporte vermutlich durch vorgezogene Bestellungen, die im Vorfeld der angekündigten US-Zollerhöhungen getätigt wurden. Das Ministerium sieht jedoch Anzeichen für eine rückläufige Weltkonjunktur und eine abnehmende Auslandsnachfrage, was sich negativ auf den deutschen Außenhandel auswirken dürfte. Auch eine Abkühlung der Industriekonjunktur wird als möglich angesehen.
Als potenzielle Stütze für die Wirtschaft nennt das Ministerium den privaten Konsum. Eine bessere Konsumstimmung in Verbindung mit steigenden Realeinkommen könnte den Konsum im weiteren Jahresverlauf beleben. Dennoch bleibt die Lage am Arbeitsmarkt laut Bericht angesichts der Unsicherheiten im internationalen Handel angespannt. Eine deutliche Verbesserung sei derzeit nicht erkennbar.
Die frühere Bundesregierung hatte ihre Konjunkturprognose bereits deutlich nach unten korrigiert. In der im April vorgestellten Frühjahrsprojektion rechnete sie mit einer Stagnation der Wirtschaft für das Jahr 2025. Bereits in den Jahren 2023 und 2024 war das Bruttoinlandsprodukt geschrumpft. Ursprünglich war man noch von einem Wachstum von 1,1 Prozent ausgegangen, diese Einschätzung wurde jedoch zunächst auf 0,3 Prozent und später auf null revidiert. Die deutsche Wirtschaft befindet sich laut der damaligen Analyse in schwierigem Fahrwasser. Neben den Folgen der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine wird insbesondere die unberechenbare Handelspolitik der Vereinigten Staaten als Unsicherheitsfaktor genannt.
Trotz der Belastungen durch die höheren US-Zölle hatte sich das Geschäftsklima im April geringfügig verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg leicht auf 86,9 Punkte.
