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Buffett befürwortet Erbschaftsteuer – zahlt sie aber nicht

Warren Buffett unterstützt die Erbschaftsteuer öffentlich, umgeht sie jedoch wie fast alle Milliardäre durch Philanthropie.

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Buffett befürwortet Erbschaftsteuer – zahlt sie aber nicht

Warren Buffett gilt als einer der reichsten Menschen der Welt und ist bekannt für seine ungewöhnlich offene Haltung zur Besteuerung von Vermögen. Der Starinvestor und Chef von Berkshire Hathaway spricht sich öffentlich für eine Erbschaftsteuer aus – doch wie nahezu alle Milliardäre seines Kalibers wird er sie selbst nicht zahlen. Diese Diskrepanz zwischen Wort und Tat rückt erneut in den Fokus der Öffentlichkeit.

Auslöser der aktuellen Debatte ist eine Sonderausgabe des CNBC-Newsletters „Warren Buffett Watch". Darin wurde Buffetts Entscheidung beleuchtet, seine jährlichen Spenden aus seinem rund 140 Milliarden US-Dollar schweren Berkshire-Hathaway-Aktienpaket an vier Familienstiftungen zu beschleunigen. Diese Ankündigung löste eine ungewöhnlich große Anzahl von Leserreaktionen aus – ein Zeichen dafür, wie polarisierend das Thema ist.

Lob und Kritik für Buffetts Großzügigkeit

Die Reaktionen der Leser fielen gespalten aus. Einige lobten Buffetts Großzügigkeit und sahen in der beschleunigten Spendenpraxis ein Zeichen echten Altruismus. Andere hingegen stellten grundsätzlich infrage, ob Gelder, die an private Stiftungen fließen, tatsächlich Menschen in Not zugutekommen – insbesondere älteren und verarmten Amerikanern, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

Ein weiterer Teil der Leser erhob einen schärferen Vorwurf: Buffett nutze die Philanthropie als Deckmantel, um sein Vermögen am Fiskus vorbeizuschleusen. Dieser Vorwurf ist nicht neu und betrifft nicht nur Buffett, sondern das gesamte System der milliardenschweren Privatstiftungen in den USA. Wer sein Vermögen in gemeinnützige Strukturen überführt, entzieht es faktisch der Erbschaftsteuer – ganz legal und mit staatlichem Segen.

Ein systemisches Phänomen unter Milliardären

Das Phänomen ist in der amerikanischen Oberschicht weit verbreitet. Milliardäre wie Bill Gates, Mark Zuckerberg oder eben Warren Buffett haben öffentlichkeitswirksam den „Giving Pledge" unterzeichnet – das Versprechen, den Großteil ihres Vermögens zu spenden. Doch die Kanäle, über die dieses Geld fließt, sind meist eigene oder familiäre Stiftungen, die erhebliche steuerliche Vorteile bieten und gleichzeitig den Spendern weitreichenden Einfluss auf die Verwendung der Mittel lassen.

Für deutsche Privatanleger und Beobachter ist diese Debatte besonders interessant, da sie grundlegende Fragen zur Vermögensverteilung und zur Rolle privater Philanthropie im Vergleich zu staatlicher Umverteilung aufwirft. In Deutschland existiert ebenfalls eine Erbschaftsteuer, die jedoch durch verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten – etwa bei der Übertragung von Betriebsvermögen – erheblich reduziert werden kann.

Die Diskussion rund um Buffetts Spendenpraxis zeigt: Selbst gut gemeinte Philanthropie bleibt nicht frei von Kritik, wenn sie strukturell dazu beiträgt, dass große Vermögen der regulären Besteuerung entgehen. Die Frage, wer letztlich über die Verwendung von Milliardenvermögen entscheiden sollte – der Staat oder der Vermögensinhaber selbst –, bleibt eine der zentralen gesellschaftspolitischen Debatten unserer Zeit.

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