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Brasiliens Finanzminister: Lula entscheidet nach Auslandsreise über Fiskalmaßnahmen

Finanzminister Dario Durigan verweist auf Lulas Rückkehr Ende des Monats und warnt vor den Folgen des hohen Zinsniveaus.

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Brasiliens Finanzminister: Lula entscheidet nach Auslandsreise über Fiskalmaßnahmen

Der brasilianische Finanzminister Dario Durigan rechnet damit, dass der erneut gewählte Präsident Luiz Inacio Lula da Silva erst nach seiner Rückkehr von einer Auslandsreise über mögliche fiskalpolitische Maßnahmen entscheiden wird. Lula hält sich derzeit in der Türkei und auf den Philippinen auf und soll dort bis zum 15. November bleiben. „Wir werden weiter debattieren und Vorschläge vorlegen, aber wenn der Präsident von seiner Reise zurückkehrt, sollten wir mehr Informationen haben“, sagte Durigan am Donnerstag.

Am Donnerstagvormittag will Lula nach Angaben des Ministers ein Treffen einberufen, um die Wirtschaftsagenda zu erörtern. Durigan kündigte an, an dieser Runde teilzunehmen und dem Präsidenten „Szenarien und Vorschläge“ vorzustellen. Konkrete Beschlüsse werden von dem Termin jedoch nicht erwartet. Der genaue Zeitpunkt einer Entscheidung hängt damit vom weiteren Reiseverlauf des Präsidenten ab.

Märkte warten auf klare Signale der Fiskaldisziplin

Die Finanzmärkte bleiben abwartend, weil klare Zeichen für fiskalische Disziplin seitens der Regierung bislang ausstehen. Schnell steigende obligatorische Ausgaben schüren fiskalische Bedenken und zwingen Anleger dazu, höhere Risikoaufschläge für den Kauf brasilianischer Staatsanleihen zu verlangen. Unter diesem Druck ist die Bruttoverschuldung Brasiliens während der aktuellen Amtszeit von Lula um mehr als 10 Prozentpunkte gestiegen und liegt nun bei 82,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Brasilien ein anschauliches Beispiel dafür, wie stark die Fiskalpolitik die Risikoprämien von Schwellenländeranleihen beeinflusst. Steigende Schuldenquoten und fehlende Konsolidierungssignale erhöhen die Renditeanforderungen der Investoren – ein Mechanismus, der auch andere Emerging Markets betrifft. Brasilien zählt zu den größten Volkswirtschaften Lateinamerikas und ist für internationale Investoren ein wichtiger Referenzmarkt der Region.

Durigan kritisiert das hohe Zinsniveau

Durigan erklärte zudem, das aktuelle Zinsniveau schädige die Wirtschaft. Die Regierung müsse die notwendigen Schritte unternehmen, um Bedingungen zu schaffen, damit die Kreditkosten auf eine „nachhaltige und strukturelle“ Weise sinken könnten. „Die Zinsen sind sehr hoch und sehr schädlich für die Wirtschaft und alle Sektoren“, sagte er.

Die brasilianische Zentralbank hatte ihre geldpolitische Lockerungskurve am Mittwoch pausiert und den Leitzins Selic unverändert bei 13,75 Prozent belassen. Damit zählt Brasilien weiterhin zu den Ländern mit den höchsten Leitzinsen unter den großen Schwellenländern. Der hohe Zins verteuert Kredite für Unternehmen und Verbraucher und bremst Investitionen.

Die Entscheidung über fiskalische Maßnahmen dürfte damit auch für die Geldpolitik der kommenden Monate richtungweisend sein. Solange der Markt keine glaubwürdige Konsolidierung erkennt, dürfte der Druck auf Anleihekurse und Zinserwartungen hoch bleiben. Beobachter richten ihren Blick daher auf die Vorschläge, die Durigan dem Präsidenten nach dessen Rückkehr vorlegen will. Ob und wann konkrete Maßnahmen beschlossen werden, bleibt bis dahin offen.

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