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Binance verliert nach 6,3-Milliarden-Hack deutlich an finanziellen Sicherheitspuffern

Die weltgrößte Kryptobörse muss den größten Raubzug der Kryptogeschichte verkraften und büßt einen Großteil ihres Sicherheitspolsters ein.

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Binance verliert nach 6,3-Milliarden-Hack deutlich an finanziellen Sicherheitspuffern

Die weltgrößte Kryptobörse Binance ist Opfer des größten Raubzugs der Kryptogeschichte geworden. Innerhalb von nur 20 Minuten erbeuteten Angreifer am 1. November um 7.53 Uhr deutscher Zeit Kryptowerte im Wert von 6,3 Milliarden Dollar. Damit übertrifft der Vorfall alle bislang bekannten Hackerangriffe auf Handelsplätze für digitale Währungen deutlich.

Als Einfallstor diente nach Angaben der Börse der kompromittierte Laptop eines Softwareentwicklers. Hinter dem Angriff steht eine nordkoreanische Hackergruppe, was das FBI bestätigt hat. Binance stoppte unmittelbar nach Bekanntwerden alle Auszahlungen und nahm den Betrieb erst bis Sonntag wieder vollständig auf.

Binance kauft 95 Prozent der gestohlenen Kryptowerte zurück

Bemerkenswert ist der Umgang mit dem erbeuteten Vermögen. Binance kaufte 95 Prozent der gestohlenen Kryptowerte zurück. Bei den verbleibenden fünf Prozent handelt es sich um weniger liquide Token, die sich offenbar nicht ohne Weiteres am Markt beschaffen ließen. Unterstützung kam dabei von zentraler Stelle: Die Stablecoin-Anbieter Tether und Circle froren erbeutete Coins ein. Dadurch sank der offene Betrag, den Binance selbst ausgleichen muss, auf 3,3 Milliarden Dollar.

Ein befürchteter Bankrun blieb aus. Kunden zogen 3,64 Milliarden Dollar ab, was 2,1 Prozent der verwalteten Vermögenswerte entspricht. Insgesamt verwahrt Binance Kundenvermögen von 167 Milliarden Dollar. Von den abgezogenen Mitteln entfielen rund drei Milliarden Dollar auf Stablecoins. Die Kurse von Bitcoin und BNB gaben dennoch um etwa fünf Prozent nach.

Der Sicherheitsfonds der Börse schrumpft um mehr als die Hälfte

Deutlich sichtbar werden die Folgen in der Bilanz der Börse. Der Sicherheitsfonds, der Anfang Oktober noch 1,27 Milliarden Dollar in Bitcoin umfasste, ist auf etwa 585 Millionen Dollar geschrumpft – ein Minus von gut 54 Prozent. Der Versicherungsfonds sank von 1,3 Milliarden auf 857 Millionen Dollar. Auch die Unternehmenskasse verringerte sich um zwei Milliarden Dollar.

Marktbeobachter hatten nicht mit einer Rückzahlung in diesem Umfang gerechnet. Caroline Mauron, Mitgründerin von Orbit Markets, wertet die Reaktion des Marktes als positives Signal: "Dass Bitcoin das Wochenende über standgehalten hat, ist im Grunde ein Vertrauensbeweis für die Aussagen von Binance." Und weiter: "Der Markt ist offensichtlich überzeugt, dass Binance genug Mittel hat, um die Verluste auszugleichen."

Marktbeobachter sehen im stabilen Bitcoin-Kurs einen Vertrauensbeweis

Deutlich skeptischer äußerte sich Sean McNulty, Derivatehändler bei AQC Tech: "Wenn Binance, die weltgrößte Börse, gehackt werden kann, ist niemand mehr sicher." Seine Einschätzung verweist auf ein grundsätzliches Problem der Branche: Kryptowährungen waren als Bollwerk gegen das etablierte Finanzsystem gedacht, doch zentrale Absicherungsmechanismen fehlen weitgehend. Im konkreten Fall von Binance verhinderten zentrale Instanzen Schlimmeres – etwa durch das Einfrieren erbeuteter Coins.

Experten rechnen mit weiteren Angriffen auf Kryptobörsen

Binance gilt als Gewinnmaschine: Die Börse verdient an jeder Transaktion und erhebt üppige Gebühren für das Listing neuer Kryptowährungen. Diese Erträge dürften helfen, die offenen Verluste zu stemmen. Dennoch erwarten Experten weitere Krypto-Hacks. Daten von DefiLlama zufolge gab es bislang 322 Hackerattacken mit einem Gesamtschaden von 8,73 Milliarden Dollar.

Für Privatanleger zeigt der Fall vor allem eines: Die Sicherheitspolster großer Handelsplätze sind endlich. Wer Kryptowerte hält, sollte darauf achten, wie transparent eine Börse über ihre Reserven und Notfallfonds berichtet und wie schnell sie im Ernstfall reagiert. Die Tatsache, dass Binance Auszahlungen zeitweise komplett aussetzte, macht zudem deutlich, dass Kunden im Krisenfall nicht jederzeit frei über ihre Bestände verfügen können. Eine breite Streuung über mehrere Verwahrstellen und der Verzicht auf unnötig hohe Bestände auf Handelsplätzen bleiben die naheliegenden Konsequenzen aus dem Vorfall.

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