Binance ersetzt 90 Prozent der gestohlenen Krypto-Assets nach Rekordhack
Die Krypto-Börse hat nach dem 6,3-Milliarden-Dollar-Diebstahl den Großteil der Bestände wieder gedeckt und will Auszahlungen am Sonntag fortsetzen.

Die weltweit größte Kryptowährungsbörse Binance hat nach eigenen Angaben die Deckung für 90 Prozent der bei dem bislang größten Kryptodiebstahl der Geschichte entwendeten Vermögenswerte wiederhergestellt. Betroffen waren nach Unternehmensangaben 6,3 Milliarden US-Dollar. Die Börse hatte nach dem Vorfall sämtliche Auszahlungen ausgesetzt und will den Dienst am Sonntag wieder aufnehmen, sofern die abschließenden Sicherheitsprüfungen erfolgreich verlaufen.
Binance reagiert damit auf einen Angriff, der das Vertrauen in die größte Handelsplattform der Branche auf eine harte Probe stellt. Nach Angaben des Unternehmens, über die unter anderem CNBC und NBC News berichteten, wird der finanzielle Schaden vollständig von der Firma getragen. Einzelne Nutzer sollen keine Verluste erleiden.
Binance stützt die Deckung auf drei eigene Finanztöpfe
Um die gestohlenen Token zu ersetzen, kombiniert Binance nach eigenen Angaben mehrere Quellen: den Secure Asset Fund for Users (SAFU), Teile des Futures-Versicherungsfonds sowie die eigene Unternehmenskasse. Co-CEO Richard Teng betonte, die finanzielle Last des Diebstahls liege vollständig beim Unternehmen.
Von den entwendeten Beständen sind inzwischen 90 Prozent ersetzt. Die verbleibenden 10 Prozent bestehen aus weniger liquiden Token, die am Markt schwerer zu beschaffen sind. Binance erklärte, diese Vermögenswerte über außerbörsliche Geschäfte (OTC) und über Marktkanäle kaufen zu wollen, bis eine vollständige Deckung von 100 Prozent für alle betroffenen Token erreicht ist.
Zehn große Token sind wieder vollständig gedeckt
Zur Transparenz veröffentlichte die Börse eine Liste von zehn großen Token, die nun zu 100 Prozent gedeckt sind: BTC, ETH, USDT, BNB, SOL, USDC, XRP, USD1, RLUSD und ZEC. Zusätzlich hat Binance ein neues Proof-of-Reserves-Verfahren gestartet. Dabei wurde eine Momentaufnahme der Bestände zum Zeitpunkt 0000 GMT am Samstag erstellt. Nutzer sollen damit überprüfen können, dass ihre Guthaben mindestens im Verhältnis 1:1 gedeckt sind.
Das FBI schreibt den Angriff nordkoreanischen Staatsakteuren zu
Die Ermittlungen haben inzwischen an Kontur gewonnen. Das FBI rechnet den Angriff offiziell nordkoreanischen, staatlich gesteuerten Akteuren zu. Konkret identifizierte die Behörde die Einheit namens „TraderTraitor“ als verantwortlich für den Diebstahl.
Die Strafverfolgungsbehörden beobachteten, wie die Täter die gestohlenen Gelder aktiv wuschen, indem sie sie in Ethereum umwandelten. Das FBI warnte, es rechne mit weiteren Waschaktivitäten, da die Angreifer versuchten, die Herkunft der Vermögenswerte zu verschleiern. Gestützt wird diese Zuschreibung durch das Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs. Dessen Analyse ergab, dass die Methodik des Angriffs starke Ähnlichkeiten mit früheren nordkoreanisch verknüpften Raubzügen aufweist, darunter die Hacks von Bybit und KelpDAO aus dem April 2026. Als zentrale Indikatoren nannte TRM Labs die Nutzung kleiner Tornado-Cash-Abhebungen zur Finanzierung von Betreiber-Wallets, eine langfristige Vorbereitung sowie die Ausführung von Signaturen in einem einzigen, koordinierten Schub.
Binance revidiert seine Darstellung zum Ablauf des Angriffs
Die ersten Berichte über die Mechanik des Hacks haben sich im Zuge der Ermittlungen weiterentwickelt. Zunächst hatte Binance angedeutet, der Vorfall könnte auf den kompromittierten Laptop eines einzelnen DevOps-Ingenieurs zurückgehen. Co-CEO Richard Teng stellte später klar, dass es sich um eine deutlich komplexere Operation handelte.
Den Berichten zufolge setzten die Angreifer Schadsoftware ein, die gezielt darauf ausgelegt war, Spuren ihrer Aktivität zu löschen. Das erschwerte die forensische Untersuchung erheblich. Dieser ausgefeilte Ansatz ermöglichte es den Hackern, Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen und unbefugte Auszahlungstransaktionen einzureichen. Weitere Detailangaben zur Untersuchung verweigerte Binance unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen. Der Wechsel von der Theorie eines einzelnen Schwachpunkts hin zu einem komplexen Angriff unterstreicht jedoch die Schwere des Sicherheitsvorfalls.
aktien.news berichtete seit dem 30.10.2026 mehrfach über den Rekorddiebstahl
Bereits am 30.10.2026 berichtete aktien.news, dass die weltweit größte Kryptobörse Binance Ziel einer milliardenschweren Cyberattacke geworden war. Betroffen waren nach damaligen Schätzungen Werte von rund 6,3 Milliarden Dollar. Als unmittelbare Reaktion stoppte Binance vorübergehend sämtliche Ein- und Auszahlungen. Rund drei Milliarden Dollar an Digitalwährungen konnten eingefroren werden.
Am 31.10.2026 meldete aktien.news, dass Binance nach eigenen Angaben rund die Hälfte der bei dem „komplexen“ Hack gestohlenen Mittel eingefroren hatte. Das Unternehmen erklärte damals, 6,3 Milliarden Dollar seiner gestohlenen digitalen Vermögenswerte seien gesichert worden, befänden sich jedoch noch immer in den Händen nicht identifizierter Hacker. Anfangs ging Binance davon aus, dass der Laptop eines Ingenieurs kompromittiert worden war, was unbefugte Abhebungen ermöglichte.
Ebenfalls am 31.10.2026 berichtete aktien.news, dass Binance zugesagt hatte, sämtliche Verluste ihrer Nutzer zu ersetzen. Um die offenen Positionen zu decken, legte das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als sechs Milliarden Dollar eigener Mittel zurück und stellte zusätzlich rund 6,34 Milliarden Dollar aus eigenen Beständen bereit. Woher diese Gelder stammen, teilte Binance nicht mit.
Der Fall zeigt deutschen Privatanlegern die Risiken der Verwahrung
Für Anleger hierzulande macht der Vorfall vor allem eines deutlich: Wer digitale Token einer Börse anvertraut, geht ein Risiko ein, das sich nicht allein über den Kursverlauf steuern lässt. Der Rekorddiebstahl erinnert eindringlich daran, welche Gefahren entstehen, wenn eine Firma die Verwahrung digitaler Vermögenswerte übernimmt.
Positiv zu vermerken ist, dass Binance die Verluste nach eigener Darstellung vollständig selbst trägt und die Deckung bereits weitgehend wiederhergestellt hat. Offen bleibt nach früheren Berichten allerdings, aus welchen Quellen die bereitgestellten Mittel stammen. Für Anleger ist damit weiterhin nicht vollständig transparent, ob die Gelder aus dem operativen Geschäft oder aus anderen Töpfen kommen. Das neue Proof-of-Reserves-Verfahren soll zumindest die 1:1-Deckung der Bestände nachvollziehbar machen.
Binance will die Auszahlungen am Sonntag wieder aufnehmen
Die Nachricht von dem Diebstahl in Höhe von 6,3 Milliarden Dollar hatte am Freitag einen breiteren Kursrückgang bei Kryptowährungen ausgelöst, da Investoren auf die Unsicherheit rund um die weltweit größte Börse reagierten. Die schnelle Reaktion von Binance – die Wiederauffüllung von 90 Prozent der Mittel und die klare Kommunikation zur Wiederaufnahme der Auszahlungen – zielte darauf ab, die Stimmung am Markt zu stabilisieren.
Für Sonntag bereitet die Börse die Wiedereröffnung des Auszahlungsdienstes vor, sofern die abschließenden Sicherheitsprüfungen erfolgreich abgeschlossen werden. Die Branche richtet ihren Blick nun auf das Ergebnis dieser Sicherheitsmaßnahmen und auf die laufenden Bemühungen des FBI, die verbleibenden gestohlenen Vermögenswerte aufzuspüren. Binances Zusage, die finanziellen Folgen selbst zu tragen, gilt damit als kritischer Test für die Widerstandsfähigkeit der Börse und ihre Fähigkeit, Vertrauen im globalen Krypto-Ökosystem zu erhalten.
Drei Fachbegriffe ordnen die Vorgänge rund um den Binance-Hack ein
- SAFU: Der Secure Asset Fund for Users ist ein von Binance eingerichteter Notfallfonds, aus dem Verluste von Nutzern ausgeglichen werden sollen.
- Proof-of-Reserves: Mit diesem Verfahren weist eine Börse nach, dass die von ihr verwahrten Kundenguthaben tatsächlich vorhanden und gedeckt sind.
- OTC: Außerbörsliche Geschäfte sind Transaktionen, die nicht über eine öffentliche Handelsplattform, sondern direkt zwischen zwei Parteien abgewickelt werden.
