J.P. Morgan: Bitcoin soll Aktien mit 10% Rendite schlagen
Die US-Bank erwartet für Bitcoin über zehn Jahre 10% Rendite pro Jahr – mehr als für große US-Aktien, aber bei deutlich höherem Risiko.

Die US-Investmentbank J. P. Morgan hat in ihrem im Oktober 2026 veröffentlichten Bericht „Long-Term Capital Market Assumptions 2027" eine langfristige Renditeprognose für Bitcoin abgegeben. Demnach soll die größte Kryptowährung der Welt in den kommenden zehn Jahren eine jährliche Rendite von 10% erzielen. Für große US-Aktien erwartet die Bank im selben Zeitraum lediglich 7,5% pro Jahr.
Damit fällt die Einschätzung ambivalent aus. Gemessen an der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 43,9%, die Bitcoin in den vergangenen vier Jahren erzielte, wirkt die Schätzung ausgesprochen pessimistisch. Zugleich lässt sie sich als bullisch interpretieren: Sie impliziert, dass Bitcoin über einen relativ langen Zeitraum jede wichtige Assetklasse übertreffen würde, die die Bank modelliert.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung. Laut J. P. Morgan ist es das erste Mal, dass diese Berichtsreihe überhaupt eine Renditeprognose für Bitcoin enthält. Eine konkrete Allokationsempfehlung spricht die Bank dennoch nicht aus.
J. P. Morgan erwartet für Bitcoin eine deutlich höhere Schwankungsbreite
Die höhere erwartete Rendite kommt nicht ohne Preis. J. P. Morgan rechnet für Bitcoin mit einer jährlichen Volatilität von 55%, während große US-Aktien auf lediglich 18% kommen. Beide Werte liegen laut der Bank grob im Einklang mit den historischen Daten.
Setzt man die geschätzten künftigen Renditen ins Verhältnis zur Schwankungsbreite, relativiert sich der Vorsprung der Kryptowährung. Beide Anlagen erzielen pro Volatilitätspunkt denselben Ertrag von 0,32 Punkten über dem Halten von Bargeld. Das deutet darauf hin, dass die Bank nicht wirklich davon ausgeht, dass Bitcoin eine höhere, volatilitätsbereinigte Rendite als Aktien bietet. Die höhere erwartete Rendite ist vielmehr mit einem proportional höheren Risiko verbunden.
Der Unterton dieser Analyse ist eindeutig: Wer nicht damit umgehen kann, dass der Wert der eigenen Investition stark schwankt, für den wird das Halten von Bitcoin unangenehm sein – selbst wenn es am Ende eine höhere Rendite abwirft.
Der zentrale Treiber der Prognose ist das begrenzte Angebot der Münze
Im Mittelpunkt der Projektion steht die schrumpfende Rate der neu geschürften Bitcoin-Angebote im Laufe der Zeit – im Gegensatz zur allgemein expandierenden globalen Geldmenge. J. P. Morgan bezeichnete die Münze in diesem Zusammenhang als „spekulatives Anlagegut und Absicherung gegen geldpolitische Lockerungen". Das bedeutet: Es handelt sich um ein risikobehaftetes Anlagegut, das tendenziell gut abschneidet, wenn die Zentralbanken die Geldmenge ausweiten.
Nach Einschätzung der Bank trifft diese Charakterisierung im Wesentlichen zu. Zwar hat sich die Münze nicht als effektiver Inflationsschutz erwiesen. Ihre streng begrenzte Angebotsmenge und die Unmöglichkeit, mehr davon durch Fiat-Geld zu drucken, sollten jedoch dafür sorgen, dass ihre Kaufkraft im Laufe der Zeit erhalten bleibt.
BlackRock und Morgan Stanley liefern Orientierungswerte für die Bitcoin-Allokation
Obwohl J. P. Morgan davon ausgeht, dass Bitcoin im kommenden Jahrzehnt die Aktienmärkte schlagen wird, gibt die Bank keine konkrete Allokationsempfehlung. Sinnvoll erscheint es dennoch, zumindest einen kleinen Anteil zu halten, sobald das traditionelle Portfolio ausreichend diversifiziert ist.
Zur Frage der Höhe liefert der Quelltext zwei Orientierungspunkte. BlackRock stellte im Dezember 2024 fest, dass eine Bitcoin-Allokation von 2% in einem traditionellen 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen 5% des Gesamtrisikos ausmachte. Eine Allokation von 4% verursachte dagegen bereits 14% des Risikos. Morgan Stanley schlug Ende 2025 vor, dass die aggressivsten Portfolios höchstens 4% in diesem Anlagegut halten sollten.
Das spricht für eine Allokation von weniger als 5% für die meisten Anleger. Wer von der inhärenten Volatilität der Münze schlecht schläft, sollte seine Allokation eher im niedrigeren Bereich dieses Spektrums ansiedeln.
Bereits am 24.10.2026 berichtete aktien.news über dieselbe Prognose
Der langfristige Ausblick von J. P. Morgan ist kein isoliertes Ereignis. Bereits am 24.10.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Investmentbank J.P. Morgan Asset Management eine langfristige Prognose vorgelegt hatte, wonach Bitcoin über das nächste Jahrzehnt jährliche Renditen von 10% verbuchen könnte. Der Bericht ordnete damals auch die trübe Gegenwart ein: Bitcoin lag im Jahresverlauf 7% unter dem Vorjahresniveau und 35% von seinem Allzeithoch von 126.000 Dollar entfernt, das im vergangenen Oktober erreicht worden war. Eine spektakuläre Rallye im August hatte sich erledigt, und die Wahrscheinlichkeit galt als relativ hoch, dass Bitcoin in diesem Jahr nicht einmal die Marke von 100.000 Dollar erreichen würde.
Am 31.10.2026 berichtete aktien.news unter dem Titel „Prognose: So viel ist eine 1.000-Dollar-Investition in Bitcoin 2030 wert" über die Einordnung der Zehn-Jahres-Prognose von JPMorgan Chase. Der Bericht erinnerte daran, dass Analysten noch im vergangenen Jahr mit großem Selbstbewusstsein vorausgesagt hatten, Bitcoin werde bis 2030 die Marke von einer Million Dollar erreichen. Diese Zeiten seien vorbei. Sogar Michael Saylor von Strategy – der wohl größte Bitcoin-Bulle – habe kürzlich zugegeben, dass die Kryptowährung möglicherweise Schwierigkeiten haben werde, nächstes Jahr wieder das Preisniveau von 100.000 Dollar zu erreichen.
Auch die relative Attraktivität gegenüber Gold war bereits Thema. Am 05.02.2026 berichtete aktien.news, dass JPMorgan Bitcoin trotz der jüngsten Kursschwäche langfristig besser positioniert sieht als Gold. Nach Einschätzung von Nikolaos Panigirtzoglou, dem quantitativen Strategen der Bank, hatte sich die relative Attraktivität der Kryptowährung gegenüber dem Edelmetall deutlich verbessert. Grund sei die starke Outperformance von Gold seit Oktober und die gestiegene Goldvolatilität gewesen. Die Kryptomärkte standen damals unter erheblichem Druck, auch wegen eines Hacks bei Solanas Step Finance im Volumen von 26 Millionen US-Dollar.
Die Prognose liefert deutschen Anlegern vor allem eine Orientierung zur Risikogewichtung
Für Anleger in Deutschland liefert die Prognose vor allem eine Orientierungshilfe zur Risikogewichtung, nicht zur Timing-Frage. Die zentrale Botschaft lautet: Die erwartete Mehrrendite von Bitcoin gegenüber Aktien ist real, aber sie wird mit einer deutlich höheren Schwankungsbreite erkauft. Wer Bitcoin beimischt, tauscht also nicht Risiko gegen Rendite, sondern skaliert beides gemeinsam.
Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen. Erstens sollte die Position so klein bleiben, dass ein zwischenzeitlicher Kurseinbruch die eigene Anlagestrategie nicht infrage stellt. Zweitens sollte die Allokation an der persönlichen Risikotragfähigkeit ausgerichtet werden – nicht an der Renditeprognose einer einzelnen Bank.
Zu beachten ist außerdem, dass die Prognose ausdrücklich als langfristige Annahme für ein ganzes Jahrzehnt formuliert ist. Kurzfristige Kursschwankungen, wie sie der Bericht vom 24.10.2026 beschrieb, sind mit einer solchen Zehn-Jahres-Sicht ausdrücklich vereinbar.
Der Ausblick bleibt an die Geldpolitik und das Angebotswachstum gekoppelt
J. P. Morgan erwartet, dass Bitcoin im kommenden Jahrzehnt die Aktienmärkte schlagen wird. Diese Erwartung hängt maßgeblich an zwei Faktoren, die die Bank selbst benennt: der schrumpfenden Rate neu geschürfter Bitcoin und der allgemein expandierenden globalen Geldmenge. Solange die Zentralbanken die Geldmenge ausweiten, dürfte die Münze nach Einschätzung der Bank als Absicherung gegen geldpolitische Lockerungen profitieren.
Konkrete Termine oder Kursziele nennt der Bericht nicht. Die einzigen belastbaren Eckdaten bleiben die Zehn-Jahres-Prognose von 10% jährlicher Rendite, die erwartete Volatilität von 55% sowie der Vergleichswert von 7,5% für große US-Aktien.
Drei Fachbegriffe erläutern die Prognose von J. P. Morgan
- CAGR: Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate gibt an, wie stark ein Wert über einen mehrjährigen Zeitraum pro Jahr im Mittel gewachsen ist.
- Volatilität: Sie beschreibt, wie stark der Kurs eines Anlageguts um seinen Durchschnitt schwankt, und gilt als Maß für das Risiko.
- Volatilitätsbereinigte Rendite: Sie setzt die erzielte Rendite ins Verhältnis zur eingegangenen Schwankungsbreite und macht Anlagen mit unterschiedlichem Risiko vergleichbar.
