Bessent rudert zurück: Zölle doch nicht inflationär
US-Finanzminister korrigiert frühere Warnung vor Preissteigerungen durch Trumps Handelspolitik

US-Finanzminister Scott Bessent hat eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen. In einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses räumte er am Mittwoch ein, dass seine frühere Einschätzung zu den inflationären Auswirkungen von Zöllen falsch gewesen sei. Noch im Januar 2024 hatte er als Chef seiner Investmentfirma Key Square gewarnt, dass "Zölle inflationär wirken".
Die Aussage stammt aus einer Zeit, bevor Donald Trump die Präsidentschaftswahlen gewann. Doch nun, konfrontiert mit dem entsprechenden Dokument, korrigierte Bessent seine Position deutlich: "Wenn ich mich geirrt habe, möchte ich das korrigieren. Und ich habe mich auch geirrt, als ich sagte, die Zölle könnten inflationär wirken."
Wirtschaftsdaten als Argument
Zur Begründung seiner geänderten Einschätzung verwies der Finanzminister auf die aktuelle Wirtschaftslage. Die US-Wirtschaft wachse weiterhin, während gleichzeitig die Inflation sinke – und das trotz der zahlreichen Zölle, die Trump seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr verhängt habe. "Die Zoll-Inflation war somit der Hund, der nicht gebellt hat", erklärte Bessent den Gesetzgebern mit einem bildlichen Vergleich.
Allerdings zeigen aktuelle Wirtschaftsdaten ein differenzierteres Bild. Der Erzeugerpreisindex stieg im Dezember stärker als von Ökonomen erwartet. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Inflation in den kommenden Monaten wieder anziehen könnte – eine Entwicklung, die Bessents optimistische Einschätzung in Frage stellen würde.
Politische Brisanz der Kehrtwende
Die öffentliche Korrektur seiner früheren Position ist für Bessent politisch heikel. Als Finanzminister muss er die Wirtschaftspolitik der Trump-Administration verteidigen, zu der auch aggressive Zollmaßnahmen gehören. Seine frühere Warnung vor inflationären Effekten steht im Widerspruch zur aktuellen Regierungslinie.
Für deutsche Anleger und Unternehmen bleibt die US-Zollpolitik ein wichtiger Faktor. Viele deutsche Exporteure sind von den amerikanischen Handelsbarrieren betroffen. Die Frage, ob und wie stark Zölle die Preise in den USA treiben, hat direkte Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Margen deutscher Firmen mit US-Geschäft.
