Berlin nennt Unicredit-Angebot für Commerzbank „völlig unangebracht"
Die Bundesregierung lehnt eine feindliche Übernahme der systemrelevanten Commerzbank durch die italienische Unicredit klar ab.

Die Bundesregierung hat das Übernahmeangebot der italienischen Unicredit für die Commerzbank mit deutlichen Worten zurückgewiesen. Stellvertretender Regierungssprecher Sebastian Hille bezeichnete das Vorgehen der Unicredit in Berlin gegenüber Journalisten als „völlig unangebracht und unfair". Die Kritik aus dem Regierungslager fällt damit ungewöhnlich scharf aus.
Auch das Bundesfinanzministerium positionierte sich klar: Ein Sprecher betonte, die Regierung unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank. „Eine feindliche, aggressive Übernahme, insbesondere mit Blick darauf, dass es sich um eine systemrelevante Bank handelt", sei nicht akzeptabel. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank werden das Angebot nun prüfen und anschließend eine Empfehlung an die Aktionäre abgeben.
Die Bedeutung der Commerzbank für den deutschen Wirtschaftsstandort unterstrich der Ministeriumssprecher ausdrücklich: „Die Commerzbank spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands. Sie ist außerdem bedeutender Arbeitgeber und zentral für den Finanzstandort Frankfurt." Beides gelte es auch künftig zu sichern.
Bund hält 12 Prozent – und schweigt zu Aufstockung
Ob der Bund seine Beteiligung an der Commerzbank möglicherweise ausbauen könnte, um eine Übernahme zu erschweren, ließ die Regierung offen. Zu hypothetischen Fragen wolle man sich nicht äußern, hieß es. Der Bund hält derzeit noch rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile – ein Restbestand aus der staatlichen Rettung der Bank während der Finanzkrise.
Die Unicredit hatte den Druck auf die Commerzbank am Dienstag mit einem offiziellen Übernahmeangebot deutlich erhöht. Die Mailänder Bank kontrolliert bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile und will sich bis zum 16. Juni weitere Anteile sichern. Das Ziel ist klar: eine vollständige Übernahme des deutschen Geldhauses.
Synergien mit HVB – Gewerkschaften warnen vor Stellenabbau
Für die Unicredit wäre die Commerzbank ein strategisch wertvoller Zukauf. Im Privat- und Mittelstandskundengeschäft in Deutschland erhofft sich die italienische Großbank erhebliche Vorteile. Da die Unicredit hierzulande bereits mit ihrer Tochtergesellschaft Hypovereinsbank (HVB) präsent ist, ließen sich durch eine Fusion erhebliche Einsparungen erzielen.
Genau das bereitet den Gewerkschaften Sorgen. Sie befürchten einen „Kahlschlag" bei der Commerzbank – ähnlich wie einst bei der HVB nach deren Übernahme durch die Unicredit. Damals wurden tausende Stellen gestrichen und das Filialnetz massiv ausgedünnt. Für Commerzbank-Aktionäre bleibt die Lage spannend: Das offizielle Angebot der Unicredit und die Empfehlung von Vorstand und Aufsichtsrat dürften die nächsten entscheidenden Weichenstellungen sein.
