Berichtssaison startet: Banken und Chips im Härtetest
Jim Cramer erwartet von der kommenden Berichtssaison Klarheit über Unternehmensleistung, KI-Stärke und Inflationsentwicklung.

Jim Cramer, Moderator der CNBC-Sendung „Mad Money", hat Anleger auf eine wegweisende Börsenwoche eingestimmt. Die Berichtssaison startet mit einem dichten Kalender: Großbanken, Halbleiterhersteller und wichtige Makrodaten treffen gleichzeitig auf einen Markt, der von steigenden Anleiherenditen und Ölpreisen belastet wird. „Schluss mit der Raterei", sagte Cramer am Freitag. „Wir stehen kurz vor dem Eintritt in die weite Welt der Berichtssaison, sodass wir nicht mehr an jedem kleinen Datenpunkt hängen müssen, um herauszufinden, wo wir Geld am Markt investieren sollen."
Die Aktien stiegen am Freitag, angeführt vom Technologiesektor, da sich die Händler von einer volatilen Woche erholten. Diese war geprägt von erhöhten Renditen für Staatsanleihen und Ölpreisen sowie Rückgängen bei KI-Aktien. Vor diesem Hintergrund richtet Cramer den Blick auf die kommende Woche, in der Großbanken die Berichtssaison zusammen mit wichtigen Halbleiterberichten und Inflationsdaten einläuten.
Die Details
Am Dienstag stehen die Ergebnisse von Goldman Sachs, Wells Fargo, JPMorgan Chase und Citigroup an. Cramer sagte, die jüngste Schwäche bei Bankaktien könnte die Grundlage für eine Rallye bilden, falls die Ergebnisse die Erwartungen übertreffen. Er bleibt optimistisch für die Bestände des Charitable Trust an Goldman Sachs und Wells Fargo. Die Stärke von Goldman bei Anleiheemissionen und im Handel könnte das langsamere Transaktionsgeschäft ausgleichen, während die attraktive Bewertung von Wells Fargo und das Potenzial für sich verbessernde Kennzahlen das Unternehmen besonders ansprechend machen.
Vorsichtiger äußerte sich Cramer zu JPMorgan, wo seiner Meinung nach eine nahezu perfekte Umsetzung bereits eingepreist sei. Bei Citigroup wolle er sehen, ob sich das Unternehmen erholen könne. Ebenfalls am Dienstag berichtet die Club-Beteiligung Johnson & Johnson. Cramer sagte, dass die Aktie während der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen oft abverkauft werde, trotz starker zugrunde liegender Ergebnisse – was eine potenzielle Kaufgelegenheit schaffe. „Mit 18 potenziellen Blockbuster-Medikamenten in der Pipeline und einer der besten Kardiologie- und Onkologie-Sparten muss J&J gekauft werden, wenn der Kurs massiv unter Druck gerät", so Cramer.
Am Mittwoch wird der Verbraucherpreisindex (CPI) veröffentlicht. Cramer achtet dabei auf Anzeichen, dass sich die Inflation außerhalb des Energiesektors abschwächt. Ebenfalls am Mittwoch berichtet der Halbleiterausrüster ASML. „Wenn ASML die Prognosen anhebt und von einer soliden Nachfrage spricht, dann müssen Sie bereit sein zu kaufen und einige Aktien von Lam Research oder Applied Materials zu erwerben, meine beiden bevorzugten Halbleiterausrüster-Aktien", sagte Cramer. Bank of America, Morgan Stanley und BlackRock runden die Finanzergebnisse am Mittwoch ab. Cramer schätzt besonders das wachsende Wealth-Management-Geschäft von Morgan Stanley, das einen wichtigen Wachstumsmotor jenseits des Investmentbankings darstellt.
Donnerstag könnte laut Cramer der wichtigste Tag für Halbleiteraktien werden, wenn der Chiphersteller Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) seine Ergebnisse vorlegt. „Wenn diese stark ausfallen, könnten wir eine Rallye von immensem Ausmaß erleben", so Cramer. Ebenfalls am Donnerstag werden der Erzeugerpreisindex (PPI) und die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht, die neue Hinweise auf Inflation und Konsumausgaben liefern sollen. Das Brokerhaus Charles Schwab berichtet und hält am Donnerstag zudem eine Analystenkonferenz ab – Ereignisse, die laut Cramer Aufschluss über den wachsenden Einfluss von Privatanlegern am Markt geben könnten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14.07.2026 berichtete aktien.news über einen ähnlich bedeutsamen Berichtstag, als JPMorgan Chase, Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs gleichzeitig ihre Quartalsergebnisse vorlegten. Das Umfeld war damals von einem erneuten Krieg im Iran, steigenden Energiepreisen und hartnäckig hoher Inflation geprägt – Faktoren, die die Kommentare der Bankführungen maßgeblich beeinflussten.
Am 06.06.2026 warnte Cramer bereits eindringlich vor einem schwierigen Marktumfeld und nannte steigende Zinssätze, erhöhte Ölpreise sowie eine ungewöhnlich große Welle neuer Aktienemissionen als Hauptbelastungsfaktoren. „Wir sehen einen Markt, der eine Geisel der Zinssätze und des hohen Ölpreises ist", sagte er damals. Diese Warnung klingt auch in seiner aktuellen Einschätzung nach. Und bereits am 25.04.2026 stimmte Cramer Anleger auf eine außergewöhnlich bedeutsame Börsenwoche ein, in der Technologiewerte und KI-Infrastruktur im Mittelpunkt standen – ein Muster, das sich nun wiederholt.
Was das für Anleger bedeutet
Trotz des vollen Terminkalenders warnte Cramer, dass steigende Anleiherenditen ein erhebliches Risiko bleiben. „Wir haben die Quartalszahlen, wir müssen uns um das Öl sorgen, und wir müssen anfangen zu akzeptieren, dass wir aufgrund der Geldnachfrage sowohl seitens des Finanzministeriums als auch privater Unternehmen – vor allem für Investitionen in Rechenzentren – eine Rendite von plus 6% bei langlaufenden Anleihen haben werden", sagte Cramer.
Für deutsche Privatanleger ist diese Gemengelage besonders relevant: Steigende US-Anleiherenditen beeinflussen globale Kapitalströme und können Druck auf Aktienbewertungen ausüben – auch hierzulande. Die Ergebnisse von ASML, einem niederländischen Unternehmen mit starker Präsenz im deutschen Sprachraum, sind dabei von besonderem Interesse, da der Konzern als Schlüssellieferant für die gesamte Halbleiterindustrie gilt. Cramers Einschätzungen zu Lam Research und Applied Materials als bevorzugte Halbleiterausrüster-Aktien geben zudem Orientierung für jene, die im KI-Infrastrukturbereich investiert sind oder es werden wollen.
Ausblick
Die kommende Woche ist vollgepackt mit marktbewegenden Terminen. Dienstag: Goldman Sachs, Wells Fargo, JPMorgan Chase, Citigroup und Johnson & Johnson. Mittwoch: Verbraucherpreisindex, ASML, Bank of America, Morgan Stanley und BlackRock. Donnerstag: Taiwan Semiconductor Manufacturing, Erzeugerpreisindex, Einzelhandelsumsätze und Charles Schwab mit Analystenkonferenz. Cramer warnte abschließend: „Was Anleihen betrifft, gibt es momentan zu viel Angebot und nicht genug Nachfrage. Das färbt auf alles ab, und wir müssen respektieren, wie herausfordernd der Markt sein kann, wenn die Zinsen unaufhaltsam steigen."
Kurz erklärt
- Verbraucherpreisindex (CPI): Ein Maß für die Preisentwicklung eines repräsentativen Warenkorbs, das als wichtiger Indikator für die Inflationsrate gilt.
- Erzeugerpreisindex (PPI): Ein Indikator, der die Preisentwicklung auf der Herstellerebene misst und als Frühindikator für künftige Verbraucherpreise dient.
- Anleiherendite: Der effektive Zinssatz, den ein Anleger erhält, wenn er eine Anleihe bis zur Fälligkeit hält – steigende Renditen signalisieren oft sinkende Anleihekurse.
