Bank of Korea bewertet Inflation und Wachstum für weitere Zinserhöhungen
Die südkoreanische Zentralbank will Tempo und Zeitpunkt weiterer Zinserhöhungen anhand von Inflation, Wachstum und Finanzstabilität festlegen.

SEOUL – Die Bank of Korea (BOK) wird den Zeitpunkt und das Tempo weiterer Zinserhöhungen durch eine genaue Prüfung von Inflation, Wirtschaftswachstum und Finanzstabilität bestimmen. Das erklärte Vorstandsmitglied Chang Yong-sung am Dienstag in einer Stellungnahme, die zusammen mit dem Finanzstabilitätsbericht der Zentralbank veröffentlicht wurde.
Chang betonte dabei die wachsende Bedeutung finanzieller Ungleichgewichte für die künftige Geldpolitik. „In Zukunft werden Faktoren wie sich anhäufende finanzielle Ungleichgewichte, sektorspezifische Einkommensverbesserungen, globale Markttrends und geopolitische Risiken die Finanzstabilität wahrscheinlich prägen“, sagte das Vorstandsmitglied der südkoreanischen Notenbank.
Geldpolitik und makroprudenzielle Maßnahmen im Zusammenspiel
Um zu verhindern, dass sich finanzielle Ungleichgewichte weiter vertiefen, unterstrich Chang die Notwendigkeit, Geldpolitik und makroprudenzielle Maßnahmen komplementär einzusetzen. Zugleich warb er für eine politische Koordinierung mit fiskalischen und finanziellen Behörden, um die Schwierigkeiten vulnerabler Gruppen im Detail zu bewältigen. Diese Aussagen signalisieren, dass die BOK nicht nur die reine Inflationsbekämpfung im Blick hat, sondern auch die Stabilität des gesamten Finanzsystems.
Die Bank of Korea hatte erst am 27. August ihren Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf 3,00 Prozent angehoben. Es war bereits die zweite Erhöhung in Folge. Als Begründung nannte die Notenbank die weiterhin über dem Zielwert liegende Inflation sowie bestehende Risiken für die Finanzstabilität.
Herausforderungen für die südkoreanische Konjunktur
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Südkorea von besonderem Interesse, da das Land als exportorientierte Volkswirtschaft eng mit der globalen Konjunktur verzahnt ist. Die Kombination aus anhaltendem Inflationsdruck und steigenden Zinsen stellt die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens vor erhebliche Herausforderungen. Private Haushalte in Südkorea weisen traditionell hohe Verschuldungsquoten auf, was die Zinswende der BOK zu einem Balanceakt zwischen Preisstabilität und Wachstumssicherung macht.
Die Aussagen von Chang Yong-sung deuten darauf hin, dass die Notenbank ihren restriktiven Kurs beibehalten dürfte, dabei aber differenziert vorgehen will. Die genaue Abwägung zwischen Inflationsbekämpfung, Konjunkturunterstützung und Finanzstabilität wird in den kommenden Monaten entscheidend dafür sein, wie schnell und wie stark die Bank of Korea die Zinsen weiter anhebt. Marktbeobachter rechnen angesichts der jüngsten Aussagen mit einer Fortsetzung des Straffungszyklus, wenngleich das Tempo von der Datenlage abhängen dürfte.
