Bank of Japan: Zinspause erwartet – Schwacher Yen sorgt für Spannung
Die Bank of Japan dürfte am 23. Januar ihre Zinsen bei 0,75% belassen. Analysten rechnen jedoch mit restriktiven Signalen, da der Yen auf Zweieinhalbjahrestief fällt und fiskalische Lockerungen drohen.

Die Bank of Japan (BoJ) wird ihre zweitägige Zinssitzung voraussichtlich am 23. Januar mit einer Zinspause abschließen. Nach der Anhebung um 25 Basispunkte im Dezember erwarten Analysten eine abwartende Haltung der Notenbank. Der Leitzins soll bei 0,75% verharren, während die Zentralbank auf klarere Wirtschaftssignale wartet.
Frühjahrs-Lohnrunden im Fokus
Entscheidend für den weiteren geldpolitischen Kurs sind die anstehenden Lohnverhandlungen im Frühjahr. In den vergangenen zwei Jahren führten diese zu deutlichen Gehaltserhöhungen. "Jede entschiedenere Rhetorik der BoJ bezüglich ihrer Erwartung solider Lohnerhöhungen könnte eine frühere geldpolitische Maßnahme bedeuten", erklärt Frances Cheung, Head of FX and Rates Strategy bei OCBC. Eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte bereits im März sei möglich.
Yen unter Druck durch Fiskalwende
Der japanische Yen hat sich im Januar dramatisch abgeschwächt. Das USD/JPY-Paar kletterte Anfang des Monats auf bis zu 159 Yen – der höchste Stand seit zweieinhalb Jahren. Auslöser ist die angekündigte fiskalische Lockerung unter Premierministerin Sanae Takaichi, die für Anfang Februar vorgezogene Neuwahlen angesetzt hat. Die Märkte zweifeln an der Finanzierung ihrer expansiven Ausgabenpläne, was zu einem massiven Ausverkauf japanischer Staatsanleihen führte.
Inflation bleibt über Zielmarke
Die am Freitag vor der BoJ-Entscheidung erwarteten Verbraucherpreisdaten dürften eine Abkühlung der Inflation im Dezember zeigen. Analysten von ING gehen jedoch davon aus, dass "starkes Lohnwachstum und staatliche Hilfen die Kerninflation über 2% halten" werden. Sobald die BoJ bestätigt sehe, dass die Kerninflation nachhaltig über der Zielmarke bleibe, könnte die nächste Zinserhöhung in der zweiten Hälfte 2026 erfolgen.
Restriktive Signale wahrscheinlich
Trotz der erwarteten Zinspause rechnen Experten mit einem restriktiveren Ton der Notenbank. "BoJ-Vertreter könnten dem Einfluss eines schwachen Yen auf die Inflation mehr Gewicht beimessen", so OCBC-Strategin Cheung. Explizite Kommentare zur Währungsschwäche würden als restriktiv interpretiert und könnten dem Yen kurzfristige Unterstützung bieten.
Aktienmärkte ignorieren Zinssorgen
Die japanischen Aktienmärkte zeigen sich unbeeindruckt von Zinserhöhungsängsten. Nikkei 225 und TOPIX erreichten im Januar mehrfach Rekordhöhen und notieren weiterhin nahe diesen Levels. Anleger setzen auf die fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen Takaichis. Bankaktien dürften von höheren Zinsen profitieren, während exportorientierte Unternehmen bei einer Yen-Aufwertung unter Druck geraten könnten.
