Bank of England: Zinssenkungen bis Mitte 2026 erwartet
Der britische Notenbanker Alan Taylor rechnet mit weiteren Zinssenkungen, da die Inflation früher als erwartet das Ziel von 2 Prozent erreichen soll. Bereits Mitte 2026 könnte es soweit sein.

Der geldpolitische Entscheidungsträger der Bank of England (BoE), Alan Taylor, hat sich optimistisch zur weiteren Zinsentwicklung in Großbritannien geäußert. In einer Rede an der National University of Singapore erklärte er, dass die Zinssätze weiter sinken sollten, da die Inflation das mittelfristige Ziel der Zentralbank von 2 Prozent früher als gedacht erreichen werde.
Inflationsziel rückt näher
Laut Taylor wird die Inflation bereits Mitte 2026 auf dem Zielniveau liegen – ein halbes Jahr früher als in bisherigen Projektionen angenommen. Diese positive Entwicklung führt er auf eine spürbare Abkühlung des Lohnwachstums zurück. "Die Zinssätze sollten weiter auf einem Abwärtspfad bleiben, vorausgesetzt, mein Ausblick stimmt weiterhin mit den Daten überein", so der Notenbanker.
Taylor erwartet, dass sich die Geldpolitik "früher als später" normalisieren und zu einem neutralen Niveau zurückkehren werde. Diese Aussagen deuten darauf hin, dass der Zinssenkungszyklus der britischen Notenbank fortgesetzt werden könnte.
Aktuelle Zinsentwicklung
Im Dezember hatte sich Taylor bereits für eine Zinssenkung ausgesprochen. Er gehörte zur Fünfermehrheit im geldpolitischen Ausschuss, die eine Senkung des Leitzinses von 4,0 auf 3,75 Prozent befürwortete. Vier weitere Mitglieder stimmten dagegen für eine Beibehaltung der Kreditkosten.
BoE-Gouverneur Andrew Bailey hatte zuvor angedeutet, dass die Inflation – die zuletzt bei 3,2 Prozent lag – bereits im April oder Mai 2026 auf etwa 2 Prozent fallen könnte. Die Finanzmärkte preisen derzeit zwei weitere Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte durch die Bank of England im Jahr 2026 ein.
Globaler Handel als Hoffnungsträger
In seiner Rede ging Taylor auch auf die Aussichten für den globalen Handel ein. Er erwartet eine langfristige Erholung von jüngsten Schocks, einschließlich der Importzölle unter der damaligen Präsidentschaft von Donald Trump. Einen reibungsloseren internationalen Handel sieht der Notenbanker als positiven angebotsseitigen Schock, der zur Dämpfung der Inflation beitragen könnte.
Sorge um Notenbank-Unabhängigkeit
Unabhängig von Taylors Ausführungen äußerte sich der Gouverneur der Finnischen Zentralbank, Olli Rehn, am selben Tag in Frankfurt besorgt über die Unabhängigkeit anderer Zentralbanken. Rehn, der sich um die Position des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank bewirbt, erklärte seine "volle Solidarität" mit Fed-Chef Jerome Powell.
Er warnte eindringlich, dass jeder Verlust der Unabhängigkeit der US-Notenbank zu einem strukturellen Anstieg der Inflation führen und möglicherweise sogar die Finanzstabilität gefährden könnte. Solche Drohungen untergrüben die Glaubwürdigkeit der Finanz- und Anleihemärkte, weshalb die geldpolitische Unabhängigkeit für die Stabilität der Märkte entscheidend sei.
