Bank of England prüft Barclays wegen falsch dargestellter Kreditrisiken
Die PRA untersucht, ob Händler von Barclays illiquide Privatkreditdarlehen falsch dargestellt haben, um das Risiko zu unterschätzen.

Die Bank of England (BoE) prüft Vorwürfe gegen Barclays. Nach Informationen der Financial Times untersucht die britische Notenbank, ob Händler der Großbank illiquide private Kreditdarlehen falsch dargestellt haben, um das Risiko des Instituts zu unterschätzen. Auslöser ist eine Beschwerde, die bei der Prudential Regulation Authority (PRA) eingegangen ist.
Die PRA, die Aufsichtsbehörde der BoE, habe im Laufe dieses Jahres eine Beschwerde darüber erhalten, wie die Bank Derivate verbucht, die zur Finanzierung privater Kredite verwendet werden. Das berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Es wurde behauptet, dass die Art und Weise, wie Barclays mit den Geschäften umging, gegen die Vorschriften der PRA verstoßen habe.
Die Recherche stammt von den FT-Reportern Ortenca Aliaj und Martin Arnold, die exklusiv über den Vorgang berichten. Der Fall berührt das private Kreditgeschäft, in dem Banken der Branche zuletzt hunderte Milliarden US-Dollar an Finanzmitteln bereitstellten.
Die Details
Im Zentrum der Beschwerde steht die Zuweisung von Total-Return-Swaps, die sich auf illiquide private Kreditdarlehen beziehen, durch Barclays an sein Trading-Book. Mit der Angelegenheit vertraute Personen beschreiben genau diesen Punkt als Schwerpunkt des Vorgangs. Der Vorwurf lautet, die Bank habe durch die Verbuchung ihr Engagement im privaten Kreditgeschäft zu niedrig dargestellt.
Ausgelöst wurde die Prüfung durch einen Insider, der Bedenken äußerte. Die Beschwerde ging im Laufe dieses Jahres bei der PRA ein. Geprüft wird, ob die Behandlung der Geschäfte gegen die Vorschriften der Aufsichtsbehörde verstößt.
Der Kontext ist bedeutsam: Banken haben zum Aufstieg des Sektors für privates Kreditgeschäft beigetragen, der heute einen Großteil der Vergabe an risikoreichere Unternehmen übernimmt. Sie stellten der Branche dafür hunderte Milliarden US-Dollar an Finanzmitteln bereit. Je größer dieses Engagement, desto wichtiger wird die Frage, wie es in den Büchern bewertet und ausgewiesen wird.
Hintergrund: Was bisher geschah
Barclays stand in den vergangenen Wochen mehrfach im Fokus. Bereits am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass Tausende Mitarbeiter einen offenen Brief der Gewerkschaft Unite unterstützten, um die verschärften Regeln zur Rückkehr ins Büro abzumildern. Die Bank verlangte mindestens drei Bürotage pro Woche, für führende Führungskräfte sogar mindestens vier; bislang waren Tausende Vollzeitkräfte lediglich zwei Tage pro Woche im Büro.
Am 30.09.2026 folgte die Kehrtwende: Barclays milderte das umstrittene Mandat ab und räumte den Beschäftigten im Vereinigten Königreich eine Übergangsphase bis zum Beginn des Jahres 2027 ein. Eigentlich hätte die neue Hybridarbeitsrichtlinie bereits am darauffolgenden Montag in Kraft treten sollen.
Am 07.10.2026 berichtete aktien.news über eine Kehrtwende im Filialgeschäft: Nach Jahrzehnten des Schließens eröffnen Institute wie Barclays und JPMorgan wieder Standorte. In Großbritannien gab es zuletzt kaum noch 4.000 Filialen.
Am 17.10.2026 schließlich warnte Barclays-Analyst Emmanuel Cau, Leiter der europäischen Aktienstrategie, dass die Ära der Künstlichen Intelligenz als verlässlicher "Einbahnstraßen-Trade" im Jahr 2026 vermutlich zu Ende ist. Zugleich verwies er auf die sich vertiefenden strukturellen Probleme des französischen Aktienmarkts.
Was das für Anleger bedeutet
Für Aktionäre steht zunächst ein aufsichtsrechtliches Risiko im Raum. Die PRA prüft, ob die Vorschriften verletzt wurden; der Ausgang ist offen. Eine Bewertung des Vorgangs ist auf Basis der vorliegenden Informationen nicht möglich.
Zweitens geht es um die Frage, wie transparent Banken ihre Engagements im privaten Kreditgeschäft ausweisen. Dieser Markt ist für Investoren attraktiv, weil er höhere Renditen verspricht als klassische Kredite. Zugleich sind die zugrunde liegenden Darlehen illiquide, also schwer handelbar, was die Risikomessung erschwert.
Drittens lohnt der Blick auf das Umfeld. Im FirstFT-Newsletter der FT finden sich weitere Themen, die die Märkte bewegen: Steigende Zinsen drohen die fragile Erholung im globalen Markt für gewerbliche Immobilien zu torpedieren, weil Deals in diesem Sektor hastig neu bewertet oder beiseitegelegt werden, während Käufer und Verkäufer ihre Bewertungen überdenken. In China beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal, getragen von schnell expandierenden Exporten, die vom KI-Boom angetrieben wurden und schwache Einzelhandelsausgaben sowie Investitionen ausglichen.
Auch politisch bleibt die Lage angespannt. In Frankreich sehen sich Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Sébastien Lecornu sechs Monate vor den Wahlen mit einer Reihe von Krisen konfrontiert, nachdem die schlimmsten Straßendemonstrationen seit Jahren zu Anschuldigungen geführt haben, die Regierung habe ihren Polizeieinsatz schlecht koordiniert. Bei Protesten gegen die Lebenshaltungskosten wurden Geschäfte geplündert, Rathäuser angegriffen und Demonstranten gingen in Städten im ganzen Land mit den Behörden zusammen.
Ausblick
Einen Zeitplan für den Abschluss der PRA-Prüfung nennt der Bericht nicht. Der Vorgang wird von den FT-Reportern Ortenca Aliaj und Martin Arnold exklusiv verfolgt, weitere Entwicklungen sind zu erwarten.
Weitere Termine aus dem Umfeld: In Deutschland nimmt Kanzler Friedrich Merz an einem Investitionsgipfel in Berlin teil. In Kanada steht eine Abstimmung in Alberta über die Unabhängigkeit der westlichen Provinz an, die die Bemühungen von Premierminister Mark Carney bedroht, das Land gegen einen feindseligen US-Kurs zu positionieren. Anthropic will fünf Prozent seiner Aktien einem neuen "Public Benefit Fund" zuführen, um öffentlicher Kritik an der künstlichen Intelligenz zuvorzukommen, bevor der geplante große Börsengang stattfindet. Und der US-Botschafter bei der EU warnte europäische Unternehmen vor "verheerenden" Vergeltungsmaßnahmen aus Washington, falls Brüssel amerikanische Konkurrenten wie Elon Musks SpaceX von Teilen des europäischen Marktes ausschließt.
Kurz erklärt
- Total-Return-Swap: Ein derivatives Geschäft, bei dem zwei Parteien die Wertentwicklung eines Basiswerts gegen eine andere Zahlungsströmung tauschen.
- Prudential Regulation Authority: Die Aufsichtsbehörde der Bank of England, die die Stabilität und die Geschäftspraktiken großer Banken überwacht.
- Illiquide: Ein Vermögenswert gilt als illiquide, wenn er sich nicht kurzfristig und ohne größeren Preisabschlag verkaufen lässt.
- Trading-Book: Der Handelsbestand einer Bank, in dem Positionen für den Eigenhandel gebucht werden.
