City of London: 60 Jahre Dividendenwachstum und die britischen Einkommenssieger
Ian Cowie analysiert britische Dividendenfonds: City of London erhöht Ausschüttungen seit 60 Jahren, doch die Renditen unterscheiden sich deutlich.

Gute Nachrichten für den britischen Aktienmarkt könnten Anleger dazu bewegen, wieder stärker auf heimische Werte zu setzen. Das Office for National Statistics (ONS) meldete am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, dass die britische Wirtschaft im August um 0,1 Prozent gewachsen ist – und damit die Erwartungen übertraf, die einen Rückgang um denselben Betrag vorhergesagt hatten. Bereits am Vortag hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose vorgelegt, wonach das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr das zweitgrößte Wachstum innerhalb der G7-Gruppe der führenden Volkswirtschaften erreichen soll.
Der Kolumnist Ian Cowie von interactive investor sieht darin ein Signal, dass es für Anleger Zeit sein könnte, „britische Werte zu kaufen". Zugleich mahnt er zur Vorsicht: Die optimistische Aussage des IWF sei lediglich eine Prognose und keine Tatsache. Auch die ONS-Zahlen führten nur zu zurückhaltendem Lob – ein ehemaliger Gouverneur der Bank of England sprach davon, dass Großbritannien „das langsame Radrennen" unter den schwächelnden entwickelten Volkswirtschaften gewinne.
Noch bemerkenswerter als die Makroökonomie ist aus Cowies Sicht die Entwicklung eines einzelnen Fonds. Der größte Investment Trust im Sektor UK Equity Income der Association of Investment Companies (AIC) hat einen neuen Rekord aufgestellt, indem er seine Ausschüttungen an die Aktionäre in atemberaubenden 60 Jahren ohne Unterbrechung erhöht hat.
Die Details
Im Mittelpunkt steht der rund drei Milliarden Pfund große City of London Ord (LSE:CTY) Investment Trust. Kein anderes britisches gebündeltes Fondsvehikel – einschließlich Unit Trusts und börsengehandelter Indexfonds (ETFs) – hat die jährlichen Ausschüttungen an die Aktionäre so lange wie dieser kontinuierlich erhöht. Fondsmanager Job Curtis, der City seit 1991 leitet, sagte: „Mit diesem Meilenstein feiern wir nicht nur 60 Jahre aufeinanderfolgender jährlicher Dividendenerhöhungen, sondern auch die Widerstandsfähigkeit des britischen Marktes und die Vorteile, die uns durch die Struktur des Investment Trusts zuteilwerden."
Curtis ergänzte: „Unser Anlageansatz priorisiert Geduld, Bewertungsdisziplin und langfristiges Denken, was es uns ermöglicht hat, die unterschiedlichen Marktbedingungen der letzten sechs Jahrzehnte zu bewältigen." Und weiter: „Am wichtigsten ist, dass wir uns darauf konzentrieren, ein Portfolio aus hervorragenden, dividendenzahlenden Unternehmen zu erstellen, von denen es im Vereinigten Königreich viele gibt."
City of London weist derzeit eine Ertragsrendite von 3,9 Prozent auf, die sich in den letzten fünf Jahren durchschnittlich jährlich um 3 Prozent erhöht hat. Dieses steigende Ertragsniveau basiert auf einem Portfolio, das von großen Banken angeführt wird – mit HSBC Holdings (LSE:HSBA), NatWest Group (LSE:NWG) und Lloyds Banking Group (LSE:LLOY) in den Top-10-Positionen – sowie dem Ölriesen Shell (LSE:SHEL) und der Verteidigungsgruppe BAE Systems (LSE:BA). Weniger erfreulich ist aus Sicht des ehemaligen Rauchers Cowie, dass die Top 10 von City auch British American Tobacco (LSE:BATS) umfasst. Er ziehe seine Grenze beim Investieren in Unternehmen, die ihre Kunden töten, schreibt er.
Demgegenüber könnte argumentiert werden, dass das steigende Einkommen des Trusts über sechs Jahrzehnte leicht durch eine Verringerung der Gesamtrenditen ausgeglichen wurde, da dieser Fonds in keiner der üblichen Zeiträume der Branchenführer ist. City of London erzielte Gesamtrenditen von 17 Prozent, 88 Prozent und 123 Prozent über die Perioden des letzten Jahres, der letzten fünf Jahre und der letzten zehn Jahre. Im Gegensatz dazu ist Law Debenture Corporation Ord (LSE:LWDB) der langfristige Führer im Sektor UK Equity Income mit Gesamtrenditen von 17 Prozent, 93 Prozent und 242 Prozent über dieselben drei Zeiträume. Mittelfristig ist Temple Bar Ord (LSE:TMPL) der Branchenführer mit Renditen von 18 Prozent, 137 Prozent und 176 Prozent. Im letzten Jahr war Lowland Ord (LSE:LWI), der über dasselbe Investmentteam wie Law Debenture verfügt, der Führer mit 27 Prozent, 80 Prozent und 121 Prozent.
Zur Balance merkt Cowie an, dass es selbst im „steady Eddie"-Sektor der britischen Aktienerträge eine breite Streuung der Renditen gibt. Der schlechteste Performer unter 16 vergleichbaren Fonds im letzten Jahr ist beispielsweise Finsbury Growth & Income Ord (LSE:FGT), der das Vermögen der Aktionäre über ein Jahr um 2,4 Prozent schrumpfen ließ – nach einer schwachen, aber positiven Rendite von 3,2 Prozent über fünf Jahre und 54 Prozent über das Jahrzehnt. Finsburys Chef Nick Train blieb bezüglich der Zahlen des dritten Quartals optimistisch und sagte: „Im September lag die NAV auf Basis der Gesamtrendite bei minus 7,9 Prozent und der Kurs bei minus 7,8 Prozent, während der Index bei minus 1,9 Prozent lag." Trotz eines herausfordernden Monats hätten die NAV und der Kurs des Unternehmens den Index im dritten Quartal übertroffen und seien um jeweils 3,7 Prozent und 4,2 Prozent gestiegen, verglichen mit dem FTSE All-Share, der um 2,4 Prozent fiel.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass City of London seine Dividende zum 60. Mal in Folge erhöht hat. Wie aus dem am 16. September 2026 veröffentlichten Jahresergebnis hervorging, hob der Fonds die Dividende um vier Prozent an. Der Anstieg lag damit über der aktuellen Inflationsrate und wurde vollständig durch die von den Basisinvestments ausgeschütteten Dividenden gedeckt. Der Fonds mit einem verwalteten Vermögen von rund drei Milliarden Pfund konzentriert sich vor allem auf zuverlässige Dividendenzahler unter den Unternehmen des FTSE 100.
Am 05.10.2026 berichtete aktien.news zudem über Ian Cowies Quartalsbilanz: Das dritte Quartal 2026 erwies sich für die meisten Investmenttrusts trotz zahlreicher Risikofaktoren als profitabel. Nicht weniger als 16 der 24 Investmenttrusts in seinem „Forever Fund" erzielten zwischen Juli und September Gewinne – darunter drei mit zweistelligen Zuwächsen. Zu den belastenden Faktoren zählten steigende Staatsanleiherenditen, die aktuell auf ihrem höchsten Niveau seit der globalen Finanzkrise 2008 liegen, sowie die Zölle von US-Präsident Donald Trump.
Ebenfalls am 05.10.2026 berichtete aktien.news in der Reihe „Rabattgräber" über die zehn günstigsten Trusts am 2. Oktober 2026. Investmenttrusts bieten dank ihrer geschlossenen Struktur ein potenzielles Schnäppchen, wenn der Kurs einer Trust-Aktie unter dem Wert ihrer zugrunde liegenden Anlagen – dem Nettoinventarwert (NAV) – liegt. Ein Trust, der mit einem Abschlag zum NAV handelt, ist jedoch nicht zwangsläufig eine Kaufgelegenheit.
Am 01.10.2026 berichtete aktien.news über zwei starke britische Aktien: die Bäckereikette Greggs (LSE:GRG) und den Vermögensverwalter Liontrust Asset Management (LSE:LIO). Bei Greggs setzte sich der Gegenangriff gegen die Short-Seller fort, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, dass stabiles Wetter und das neue Steak-and-Stilton-Bake zu einer Anhebung der Gewinnprognose geführt haben.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Blick auf den britischen Markt zweierlei. Erstens: Einzelne Fonds können über Jahrzehnte hinweg eine beeindruckende Ausschüttungskontinuität aufweisen, wie City of London mit 60 Jahren ohne Unterbrechung belegt. Zweitens: Diese Kontinuität geht nicht zwangsläufig mit der besten Gesamtrendite einher. Cowie weist ausdrücklich darauf hin, dass City of London in keiner der üblichen Zeiträume der Branchenführer ist – die Spitzenpositionen wechseln je nach Betrachtungszeitraum zwischen Law Debenture, Temple Bar und Lowland.
Zudem lohnt sich laut Cowie ein Blick über Sektorgrenzen hinaus. Der in London notierte Seraphim Space Investment Trust Ord (LSE:SSIT) hat zwei Drittel seiner NAV in Europa investiert, einschließlich des Vereinigten Königreichs, und führt den AIC Growth Capital Sektor über das letzte Jahr und die letzten fünf Jahre mit Gesamtrenditen von 134 Prozent beziehungsweise 70 Prozent. Potenzielle Anleger sollten daher prüfen, woher Einnahmen und Gewinne stammen.
Cowie selbst hält keine UK Equity Income-Investment Trusts, da er seit Langem direkte Anteile an britischen Unternehmen besitzt – von BAE Systems (LSE:BA) und Fevertree Drinks (LSE:FEVR) bis hin zu Greencoat UK Wind (LSE:UKW) und Unilever (LSE:ULVR). Er ist Aktionär bei BAE, Fevertree Drinks, Greencoat UK Wind, Seraphim Space Investment Trust und Unilever als Teil eines global diversifizierten Portfolios. Seine Ausführungen sind ausdrücklich als Information und nicht als persönliche Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen.
Ausblick
Der IWF erwartet, dass das britische BIP in diesem Jahr das zweitgrößte Wachstum in der G7 erreicht – eine Prognose, die sich noch bestätigen muss. Die ONS-Zahlen für August mit einem Wachstum von 0,1 Prozent lieferten bereits ein erstes positives Signal. Wie sich die britischen Einkommensfonds in den kommenden Monaten entwickeln, hängt auch vom Umfeld ab, das Cowie in seinem Quartalsbericht beschrieben hat: steigende Staatsanleiherenditen und die Zollpolitik der USA bleiben bestimmende Faktoren.
Kurz erklärt
- Investment Trust: Eine in Großbritannien börsennotierte geschlossene Fondsgesellschaft, deren Aktien wie andere Wertpapiere gehandelt werden.
- Ertragsrendite: Das Verhältnis der ausgeschütteten Dividenden zum aktuellen Kurs einer Aktie oder eines Fonds.
- Nettoinventarwert (NAV): Der Wert aller Vermögenswerte eines Fonds abzüglich seiner Verbindlichkeiten, umgerechnet auf eine Anteilseinheit.
