Badenoch will Großbritanniens Erbschaftsteuer abschaffen und Kinderbetreuung ausbauen
Die britische Oppositionsführerin Kemi Badenoch fordert auf der Conservative-Party-Konferenz das Ende der Erbschaftsteuer und mehr Kinderbetreuungsunterstützung.

Kemi Badenoch, Vorsitzende der britischen Conservative Party, nutzt die jährliche Parteikonferenz ihrer Partei, um die Abschaffung der Erbschaftsteuer sowie einen Ausbau der Kinderbetreuungsunterstützung für höherverdienende Bürger zu fordern. Zum Auftakt der Konferenz legte die Oppositionsführerin in einer Reihe von Medieninterviews ihr Konzept vor. Damit will sie die aufstrebenden Wähler der britischen Mittelschicht für ihre Partei gewinnen. Badenoch traf am 3. Oktober zur Konferenz der Conservative Party in der Birmingham ICC Arena ein.
Mit ihrem Vorstoß reagiert die Parteivorsitzende auf eine spürbar veränderte politische Lage in Großbritannien. Nigel Farages Reform UK hat an Einfluss gewonnen. Zugleich verzeichnet die Labour Party unter ihrem neuen Premierminister Andy Burnham in den Umfragen Aufwind. Für die Konservativen entsteht damit wachsender Druck, sich mit konkreten Angeboten an die Mitte der Gesellschaft zu positionieren und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Erbschaftsteuer und der Blick auf die Mittelschicht
Die Forderung nach Abschaffung der Erbschaftsteuer gehört zu den zentralen Punkten, die Badenoch zur Konferenz mitbringt. Die Steuer greift auf Vermögen zu, das Erben nach dem Tod einer Person erhalten. In vielen Ländern ist sie politisch umstritten, weil sie einerseits als Instrument der Umverteilung gilt und andererseits als Belastung für Familien, die Betriebe oder Immobilien weitergeben wollen. Badenoch positioniert sich mit ihrer Forderung klar auf der Seite der Steuergegner.
Eng damit verbunden ist ihr zweites Anliegen: der Ausbau der Kinderbetreuungsunterstützung für höherverdienende Bürger. In Großbritannien wird seit Jahren über den sogenannten „Cliff Edge“-Effekt diskutiert – also die Frage, wie abrupt staatliche Unterstützung wegfällt, sobald ein bestimmtes Einkommen überschritten wird. Badenoch will diese Schwelle für besser verdienende Haushalte abmildern und damit Familien entlasten, die trotz ordentlicher Einkommen hohe Betreuungskosten tragen. Der Begriff beschreibt eine Art Klippe: Statt einer schrittweisen Kürzung entfällt die Förderung an einem Punkt vollständig.
Was das für deutsche Anleger und Steuerzahler bedeutet
Für deutsche Leser sind beide Themen vertraut. Auch in Deutschland wird über die Erbschaftsteuer und über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie diskutiert. Während hierzulande die Betreuungsinfrastruktur und die steuerliche Behandlung von Familien im Zentrum stehen, setzt die britische Debatte stärker auf direkte finanzielle Entlastung und steuerliche Anreize. Wer in Großbritannien Vermögen hält, Betriebe besitzt oder dort investiert ist, sollte die politische Entwicklung daher aufmerksam verfolgen.
Mit ihrem Doppelangebot aus Steuerabschaffung und Betreuungsausbau versucht Badenoch, die Konservativen als Partei der arbeitenden Mitte zu profilieren. Die Parteikonferenz in Birmingham bietet ihr dafür die Bühne. Ob die Rechnung aufgeht, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich Reform UK und Labour in den kommenden Monaten entwickeln. Klar ist: Die Oppositionsführerin hat zum Auftakt der Konferenz ein deutliches Signal gesetzt und die Steuer- sowie Familienpolitik ins Zentrum ihrer Oppositionsarbeit gerückt.
