AWS-Chef Garman: Sorgen um KI-Bedrohung für Software-Industrie übertrieben
Amazon Web Services sieht trotz Kurseinbrüchen keine fundamentale Bedrohung durch künstliche Intelligenz für etablierte Softwareunternehmen.

Matt Garman, CEO von Amazon Web Services (AWS), hat die wachsenden Sorgen von Investoren über eine mögliche Disruption der Softwareindustrie durch künstliche Intelligenz als überzogen bezeichnet. Seine Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Technologieaktien unter erheblichem Druck stehen.
Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF ist im laufenden Jahr 2026 bereits um 24 Prozent gefallen – der stärkste Rückgang seit 2022. Analysten sprechen mittlerweile von einer "SaaS-Apokalypse", da neue KI-Modelle von Anthropic und OpenAI etablierte Software-as-a-Service-Anbieter unter Druck setzen. Die Verunsicherung wird zusätzlich durch Inflation und steigende Zinsen verstärkt, die Unternehmen zu Kürzungen ihrer IT-Budgets zwingen.
Starkes Wachstum bei AWS trotz Marktturbulenzen
Die Zahlen von Amazon untermauern Garmans optimistische Einschätzung. AWS steigerte seinen Umsatz im vierten Quartal um 24 Prozent auf 35,6 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen. Die operative Marge der Cloud-Sparte verbesserte sich leicht auf 35 Prozent. AWS profitiert dabei sowohl von etablierten Softwareunternehmen wie Adobe, Intuit und Zillow als auch von neuen KI-Entwicklern.
Ein besonders lukrativer Deal unterstreicht die Position von AWS im KI-Markt: Im November sicherte sich die Cloud-Sparte eine Ausgabenzusage von 38 Milliarden US-Dollar von OpenAI, dem Entwickler von ChatGPT. OpenAI nutzt die AWS-Infrastruktur nicht nur für den Betrieb seines Chatbots, sondern auch für die Bereitstellung von Modellen an andere Softwareentwickler.
Traditionelle Softwareanbieter zeigen Resilienz
Führungskräfte aus der Softwarebranche wehren sich gegen die pessimistische Marktstimmung. Ali Ghodsi, CEO des Datenanalyse-Unternehmens Databricks, bezeichnete die Kurskorrektur als Überreaktion. Die Kerngeschäftszahlen hätten sich nicht verschlechtert, betonen Branchenvertreter.
Dennoch zeigen die Zahlen eine gewisse Verlangsamung. ServiceNow, ein AWS-Kunde, meldete für das vierte Quartal ein Umsatzwachstum von 20,7 Prozent im Jahresvergleich – deutlich unter den fast 26 Prozent von vor zwei Jahren. Große Softwareunternehmen haben zwar KI-Funktionen in ihre Produkte integriert, die erhofften Wachstumsschübe blieben bisher jedoch aus.
KI-Disruption erreicht weitere Branchen
Die Auswirkungen von KI beschränken sich nicht auf die Softwareindustrie. Das Unternehmen Algorhythm Holdings aus Florida stellte kürzlich ein KI-Produkt vor, das Logistikunternehmen ermöglicht, ihr Frachtvolumen zu vervierfachen, ohne zusätzliches Personal einzustellen. Die Aktien des Logistikdienstleisters C. H. Robinson Worldwide brachen daraufhin um 23 Prozent ein – ein deutliches Signal, dass KI auch in traditionellen Branchen disruptives Potenzial besitzt.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob Garmans optimistische Einschätzung gerechtfertigt ist oder ob die Sorgen der Investoren eine fundamentale Verschiebung in der Softwareindustrie vorwegnehmen.
