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Australische Immobilienpreise fallen zum sechsten Mal in Folge

Der schlimmste Einbruch seit 30 Jahren droht – Zinsen auf 15-Jahres-Hoch belasten Käufer und Wirtschaft massiv.

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Australische Immobilienpreise fallen zum sechsten Mal in Folge

Die australischen Immobilienpreise sind im September zum sechsten Monat in Folge gesunken. Laut Daten des Immobilien-Datenunternehmens Cotality fielen die nationalen Wohnpreise im September gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent, nachdem sie im August bereits um ein nach unten revidiertes 1,2 Prozent nachgegeben hatten. Damit liegen die Preise nun 5,2 Prozent unter ihrem Höchststand und sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Die Reserve Bank of Australia (RBA) erhöhte die Zinsen am Dienstag zum vierten Mal in diesem Jahr und erreichte damit ein 15-Jahres-Hoch von 4,6 Prozent. Der anhaltende Inflationsdruck lässt wenig Hoffnung auf eine baldige Entlastung. Die Zentralbank warnte zudem, dass sie bereit sei, die Zinsen bei Bedarf weiter anzuheben.

Die Details

Besonders stark trifft der Abschwung Australiens größte Metropole: Die Preise in Sydney fielen im September um 1,4 Prozent und liegen nun fast 9 Prozent unter ihrem Höchststand vom Februar – damit übertreffen die Verluste bereits das Ausmaß des postpandemischen Abschwungs. Melbourne verzeichnete leichtere Einbußen von 0,7 Prozent, wodurch die Verluste seit dem Höchststand auf mehr als 7 Prozent angewachsen sind.

Auch die bislang besonders dynamischen Märkte geraten unter Druck: Die Preise in Brisbane, Adelaide und Perth sanken alle um mehr als 1 Prozent und gaben damit einen Teil der außergewöhnlichen Gewinne zwischen 50 und 70 Prozent zurück, die in den vergangenen fünf Jahren angesammelt worden waren.

Die Investmentbank UBS warnt, dass das Tempo der Rückgänge nahe am schärfsten je aufgezeichneten Wert liegt. „In diesem Zyklus erwartet UBS weiterhin, dass die Wohnpreise für mindestens ein Jahr sinken werden, mit einem Rückgang von Hoch zu Tief gegen etwa 10 Prozent", sagte George Tharenou, Chefökonom bei UBS. Dies würde den größten Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1980 darstellen.

Der bisher schlimmste Rückgang in der Geschichte Australiens betrug 8,9 Prozent im Zeitraum 2022–2023, als die RBA die Zinsen nach der Pandemie um 425 Basispunkte anheben musste, um die Inflation zu zügeln. Die Transaktionsvolumina gehen derweil ebenfalls rapide zurück: Die Verkäufe der vergangenen drei Monate sanken gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent, was darauf hindeutet, dass Käufer weiterhin abwarten.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 25. September 2026 berichtete aktien.news über die versteckten Kosten des Umsatzrückgangs am australischen Immobilienmarkt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Preise seit ihrem Höchststand im März um weniger als 4 Prozent gesunken, doch der Einbruch der Transaktionszahlen war bereits deutlich spürbar: Seit Juni war der Immobilienumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent eingebrochen, was der australischen Wirtschaft schätzungsweise 355 bis 710 Millionen Australische Dollar pro Monat kostete.

Am 28. Januar 2026 hatte aktien.news zudem über die hartnäckige Inflation berichtet, die eine Zinswende in weite Ferne rücken ließ. Damals erreichte die australische Teuerungsrate im vierten Quartal 2025 einen Wert von 3,6 Prozent im Jahresvergleich – deutlich über dem Zielkorridor der RBA von 2 bis 3 Prozent. Als Haupttreiber der Preisentwicklung identifizierte das Australian Bureau of Statistics damals bereits die Wohnkosten.

Was das für Anleger bedeutet

Der australische Immobilienmarkt ist für internationale Anleger aus mehreren Gründen relevant. Der Gesamtwert des australischen Wohnbestands beläuft sich auf über 12 Billionen Australische Dollar – das entspricht mehr als dem Vierfachen des jährlichen wirtschaftlichen Outputs des Landes. Die nationalen Hauspreise stiegen im letzten Jahrzehnt um über 60 Prozent, wobei Sydney nach Hongkong als der weltweit zweitunerschwinglichste Markt gilt.

Ein anhaltender Einbruch im Wohnungsumsatz hat breite Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft, da der Sektor eng mit Branchen verbunden ist, die von Immobiliendienstleistungen bis hin zu Handwerkern und Bauunternehmen reichen. Reuters schätzte, dass bis zu 5,6 Milliarden Australische Dollar an jährlichen Einnahmen verloren gehen könnten, wenn der Abschwung anhält.

Die RBA beschönigte die Lage am Donnerstag nicht: Sie erklärte, dass selbst ein weiterer Preisrückgang von 20 Prozent nur noch 5 Prozent der Kreditnehmer in die Gefahr bringen würde, ihre Kredite nicht bedienen zu können. Dennoch stufte die Zentralbank den Wohnungsmarkt als Abwärtsrisiko für die Wirtschaft ein – was sie jedoch nicht daran hinderte, die Zinsen erneut anzuheben.

Zusätzlich zu den hohen Zinsen schafft die australische Regierung Steuervorteile für neue Immobilieninvestoren in bestehenden Häusern ab. Diese Kombination aus geldpolitischem Druck und steuerlichen Änderungen könnte sich zugunsten eines tieferen und länger anhaltenden Abschwungs auswirken.

Ausblick

UBS erwartet, dass die Wohnpreise für mindestens ein Jahr weiter sinken werden, mit einem Gesamtrückgang von Hoch zu Tief von etwa 10 Prozent. Shane Oliver, Chefökonom bei AMP, prognostiziert sogar einen Rückgang von 10 bis 15 Prozent in diesem Zyklus.

Oliver sieht eine mögliche Zinswende erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres: „Der Einbruch der Hauspreise wird das Wirtschaftswachstum belasten, aber wie wir diese Woche gesehen haben, ist er noch nicht signifikant genug, damit die RBA die Gänge wechselt und die Zinsen senkt, angesichts der hohen Inflation. Aber wahrscheinlich wird es in der zweiten Hälfte nächsten Jahres so weit sein." Die RBA selbst hat signalisiert, dass sie bereit ist, die Zinsen bei Bedarf weiter anzuheben – eine Zinssenkung ist damit vorerst nicht in Sicht.

Kurz erklärt

  • Basispunkte: Eine Maßeinheit für Zinsänderungen, wobei ein Basispunkt einem Hundertstel Prozentpunkt entspricht.
  • RBA (Reserve Bank of Australia): Die australische Zentralbank, die für Geldpolitik und Zinsentscheidungen zuständig ist.
  • Hoch-zu-Tief-Rückgang: Der prozentuale Preisrückgang vom höchsten bis zum niedrigsten Punkt innerhalb eines Marktzyklus.
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