Australien hebt Leitzins auf 4,85 Prozent – höchster Stand seit 2008
Die Reserve Bank of Australia erhöht den Leitzins um 25 Basispunkte – die fünfte Anhebung in diesem Jahr.

Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat am Dienstag ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,85 Prozent angehoben. Damit erreicht der australische Leitzins das höchste Niveau seit November 2008 – also seit 18 Jahren. Für die Notenbank ist es die fünfte Zinserhöhung in diesem Jahr. Der Schritt entsprach den Erwartungen von Ökonomen, die im Auftrag von Reuters befragt wurden.
Der Beschluss fiel dennoch knapp aus. Sechs Mitglieder des Direktoriums stimmten für die Anhebung, drei votierten dafür, die Zinsen auf dem aktuellen Niveau zu belassen. Die RBA betonte diese gespaltene Entscheidung ausdrücklich in ihrer Erklärung. Hintergrund ist die anhaltend hohe Inflation in dem Land: Der Verbraucherpreisindex stieg im September um 4,3 Prozent, nach 4 Prozent im August. Das ist der höchste Wert seit März.
Die Zentralbank rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung. Sie erklärte, die Inflation werde „in weiten Teilen des Jahres 2027 hoch bleiben" und erst gegen Ende 2027 wieder in ihren Zielbereich von 2 bis 3 Prozent zurückkehren. Das ist drei Quartale später als zuvor prognostiziert.
Die RBA nennt Rohstoffpreise und KI-Investitionen als Preistreiber
Als Gründe für die nach oben korrigierten Inflationsprognosen nennt die Notenbank höhere Kraftstoff- und andere Rohstoffpreise. Hinzu kommen nach Angaben der RBA Faktoren wie KI-bezogene Investitionen, die ein rasantes Preiswachstum bei technologiebezogenen Gütern vorantreiben. Die Zentralbank hatte ihre Inflationsprognosen entsprechend angehoben.
Bereits in ihrer Entscheidung im September hatte RBA-Gouverneurin Michelle Bullock erklärt, die Inflation sei „zu hoch". Als Treiber nannte sie damals steigende Ölpreise infolge des Iran-Kriegs sowie eine stärkere inländische Nachfrage. „Wir sehen Anzeichen dafür, dass die Aufwärtsrisiken für die Inflation materialisieren", sagte Bullock. Sie sagte zu, dass weitere Anhebungen erfolgen würden, „falls dies erforderlich ist, um die Inflation zu senken".
Das australische Wirtschaftswachstum verlangsamt sich
Die geldpolitische Straffung hinterlässt Spuren in der Realwirtschaft. Das australische Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Juni-Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent zu, nach 2,5 Prozent im März-Quartal. Das Wachstum verlangsamt sich damit in den ersten beiden Quartalen 2026.
Die RBA steht vor einem schwierigen Spagat: Sie versucht, die Inflation wieder unter Kontrolle zu bringen, während gleichzeitig höhere Kreditkosten und die Belastung durch die Lebenshaltungskosten Haushalte und Wirtschaftstätigkeit belasten. Auf die Frage, ob sie eine Rezession für Australien sehe, sagte Bullock, dies sei „derzeit nicht unser Basisszenario".
Frühere Berichte von aktien.news zeichnen den Kurs der RBA nach
Bereits am 03.02.2026 berichtete aktien.news, dass die RBA überraschend den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,85 Prozent angehoben hatte. Es war die erste Zinserhöhung seit November 2023 und markierte eine Kehrtwende in der Geldpolitik, nachdem die Zentralbank im Jahr 2025 noch drei Zinssenkungen vorgenommen hatte. Der Vorstand stimmte damals einstimmig für die Maßnahme. Die jährliche Verbraucherinflation war im Dezember auf 3,8 Prozent gestiegen, nachdem sie im Vormonat noch bei 3,4 Prozent gelegen hatte.
Am 05.05.2026 folgte laut aktien.news die dritte Erhöhung des Jahres: Die RBA hob den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,35 Prozent an und machte damit alle drei Zinssenkungen aus dem Jahr 2025 rückgängig. Das Direktorium stimmte mit 8 zu 1 Stimmen für die Erhöhung – ein deutlich falkenhafterer Umschwung gegenüber der knappen 5-zu-4-Entscheidung im März. Gouverneurin Bullock erklärte, die Geldpolitik sei nach den jüngsten Erhöhungen als „leicht restriktiv" einzustufen.
Am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass die RBA ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,60 Prozent anhob – die vierte Erhöhung des Jahres und der höchste Stand seit Oktober 2011. Der Beschluss fiel einstimmig. Die Notenbank begründete den Schritt damit, dass die Inflation weiterhin zu hoch sei, und signalisierte, bei Bedarf weitere Maßnahmen zur Straffung der Geldpolitik zu ergreifen. Die Inflationsrate lag damals mit 3,6 Prozent deutlich über dem Zielkorridor von 2 bis 3 Prozent. Nach Einschätzung von Reuters trieben hohe Energiekosten und eine schwache Produktivität die Teuerung an.
Die Entscheidung ist für deutsche Anleger vor allem über den Dollar relevant
Für Anleger außerhalb Australiens ist die Entscheidung vor allem über den australischen Dollar und die Rohstoffmärkte von Bedeutung. Australien ist ein bedeutender Exporteur von Rohstoffen, und die RBA verweist selbst auf höhere Kraftstoff- und Rohstoffpreise als Inflationstreiber. Ein höherer Leitzins macht Anlagen in australischer Währung tendenziell attraktiver, weil die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen steigt.
Gleichzeitig zeigt der knappe Beschluss mit sechs zu drei Stimmen, dass der weitere Kurs innerhalb des Direktoriums umstritten ist. Anleger sollten beachten, dass die RBA ihre Prognose für die Rückkehr der Inflation in den Zielbereich bereits nach hinten verschoben hat. Die Notenbank selbst hat weitere Schritte in Aussicht gestellt, ohne sich auf einen festen Pfad festzulegen.
Der weitere Kurs hängt von der Inflationsentwicklung ab
Die RBA hat zugesagt, weitere Anhebungen vorzunehmen, „falls dies erforderlich ist, um die Inflation zu senken". Einen konkreten Zeitplan für die nächsten Sitzungen oder ein festes Zinsziel nennt die Notenbank in ihrer Erklärung nicht. Als Orientierung dient die eigene Prognose: Die Inflation soll erst gegen Ende 2027 wieder in den Zielbereich von 2 bis 3 Prozent fallen. Bis dahin bleibt die Geldpolitik in Australien restriktiv ausgerichtet.
Diese drei Fachbegriffe helfen beim Verständnis der RBA-Entscheidung
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld beschaffen können.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zinssätze, die einem Hundertstel eines Prozentpunkts entspricht.
- Verbraucherpreisindex: Ein Maßstab für die durchschnittliche Preisentwicklung von Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte kaufen.
