Audi-Chef Döllner bei Trump-Auftritt: Kritik und erstes US-Werk
Audi-Chef Gernot Döllner wirbt bei einer Trump-Wahlkampfveranstaltung für das erste US-Werk der Marke – und erntet heftige Kritik von der Arbeitnehmerseite.

Audi-Chef Gernot Döllner hat bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump für das erste US-Werk der VW-Premiumtochter geworben. Trump kündigte überraschend eine Audi-Fabrik in Perry im Bundesstaat Georgia an, Döllner dankte auf der Bühne für die Unterstützung. Der Auftritt wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen am 3. November sorgt nun für erhebliche Kritik aus der Arbeitnehmerseite des Volkswagen-Konzerns.
Döllner ist nicht nur Chef der Ingolstädter Premiummarke, sondern sitzt auch im Vorstand des VW-Konzerns. Sein Auftritt an der Seite Trumps fällt in eine Phase, in der Europas größter Autobauer unter Zöllen leidet, die den Konzern Milliarden kosten. Audi plant in den USA den Bau einer komplett neuen Fabrik – es wäre die erste eigene Produktionsstätte der Marke in den Vereinigten Staaten überhaupt.
Die Reaktionen aus der Belegschaft folgen prompt. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo sieht in dem Auftritt einen Verstoß gegen interne Leitlinien des Unternehmens. Diese verbieten Termine mit Politikern in den drei Monaten vor Wahlen. Döllner habe die Prinzipien erst vor wenigen Monaten unterschrieben, kritisiert die Arbeitnehmervertreterin.
Die Details
Das geplante Werk in Georgia soll jährlich 200.000 SUV produzieren. Audi will dort die großen Modelle Q7, Q8 und Q9 bauen, die derzeit im slowakischen Bratislava vom Band laufen. Die Investition summiert sich auf 4 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 3,6 Milliarden Euro. Am neuen Standort sollen 4.500 Arbeitsplätze entstehen. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen.
Für Audi ist der US-Markt einer der größten und lukrativsten der Welt – bislang fertigt die Marke dort jedoch keinen einzigen Wagen. Die deutschen Standorte sind Ingolstadt und Neckarsulm. Eine Audi-Sprecherin erklärte, die Investition stärke die globale Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
Die Kritik an Döllners Bühnenauftritt ist scharf. Cavallo sagte über die Veranstaltung: "Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie - und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe". IG-Metall-Chefin Christiane Benner nannte den Auftritt politisch inakzeptabel. Die SPD-Politikerin Isabel Cademartori wertete ihn als Wahlkampfhilfe für Autokraten.
Döllner verteidigte sein Vorgehen. In einer Videoschalte mit Journalisten sagte er: "Wenn der amerikanische Präsident Sie einlädt, dann nehmen Sie diese Einladung an". Cademartori verwies auf die VW-Geschichte: Der Konzern wurde in der Nazi-Zeit gegründet und war ein Vorzeigeunternehmen Adolf Hitlers. Cavallo sieht in dem Vorgang ein Spiel mit dem Feuer und stellte ebenfalls Vergleiche zur VW-Historie her.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 25.10.2026 berichtete aktien.news, dass Audi eine 4-Milliarden-Dollar-Fabrik in den USA wegen der Zölle plant. Damals hieß es, der Schritt falle in eine Phase, in der der Volkswagen-Konzern Entlastung von höheren Zöllen suche, die Umsätze und Gewinne erodiert hätten. Döllner sprach von einer langfristigen Investition, weil das Unternehmen an den amerikanischen Markt glaube.
Am 26.10.2026 berichtete aktien.news in einem Überblick über fünf Fakten zum 4-Milliarden-Projekt, dass Audi in den USA Tausende Luxuswagen verkauft, dort aber bislang keinen einzigen fertigt. Der Auftritt mit Trump am Samstagabend diente der Bekanntgabe der ersten US-Fabrik der Marke. Die Aussagen Döllners zu den amerikanischen Plänen stammten aus einem Interview am Sonntag; die Anlage solle Audi größere Flexibilität bieten, um Handelsbarrieren wie Trumps Zölle zu bewältigen.
Ebenfalls am 26.10.2026 meldete aktien.news, dass die Ankündigung auf einen Samstagabend fiel und gerade einmal eineinhalb Minuten dauerte. Für Trump sei der Auftritt seines Gastes ein politisches Geschenk, da die Nachricht kurz vor den Kongress-Zwischenwahlen am 3. November kam.
Schon am 12.10.2026 hatte aktien.news über die tiefe Absatzkrise von Audi berichtet. Die weltweiten Verkäufe brachen demnach in den ersten Monaten des Jahres um 11,4 Prozent auf insgesamt 1,04 Millionen Fahrzeuge ein. In China verkaufte Audi lediglich 328.042 Fahrzeuge, ein Rückgang von fast einem Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Als Belastungen nannte der Bericht schwächelnde Nachfrage in China, US-Zölle unter Trump und rauen geopolitischen Gegenwind.
Was das für Anleger bedeutet
Für Aktionäre des Volkswagen-Konzerns ist der Vorgang in mehrfacher Hinsicht relevant. Das US-Werk ist Teil des Versuchs, dem Zolldruck auszuweichen und den Zugang zu einem der lukrativsten Automärkte der Welt zu sichern. Zugleich ist das Projekt noch nicht endgültig beschlossen: Der VW-Aufsichtsrat muss den Werksbau noch billigen, und die Arbeitnehmerseite gibt bislang kein grünes Licht.
Cavallo macht deutlich, dass die Zustimmung der Arbeitnehmer an Bedingungen geknüpft ist. Sie verlangt Klarheit über die deutschen Werke und sagte: "Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht. Das heißt im Umkehrschluss, dass eine Entscheidung erst noch aussteht". Für Anleger bedeutet das: Das Investitionsvolumen ist groß, der Zeitplan lang, und die politische wie betriebliche Zustimmung ist noch offen.
Hinzu kommt der Reputationsaspekt. Der offene Streit zwischen Konzernspitze und Arbeitnehmerseite ist ungewöhnlich öffentlich. Aufsichtsratschef Manfred Döss unterstützt zwar die Vorstandslinie, doch Cavallo kritisiert auch den Konzernvorstand um Oliver Blume. Ungeklärt sind zudem Fragen zu möglichen Zollerleichterungen und zur Belastbarkeit der Planung über einen möglichen Regierungswechsel in Washington hinaus.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies bewertet den Schritt grundsätzlich positiv: Der US-Markt sei wichtig, die Erschließung strategisch richtig. Zugleich betont er, das Wachstum in Amerika müsse die Arbeit in Deutschland sichern. Cavallo hält die Investition betriebswirtschaftlich für sinnvoll – knüpft sie aber an die genannte Bedingung.
Ausblick
Die nächsten Schritte liegen beim Aufsichtsrat, der den Bau des Werks in Georgia noch genehmigen muss. Die Arbeitnehmerseite will ihr grünes Licht erst nach einem Gesamtbild zur Planungsrunde mit Blick auf alle Standorte geben. Der Baubeginn ist für 2027 geplant, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre starten. Offen bleibt, welche Zollerleichterungen das Projekt tatsächlich bringt und wie belastbar die Vereinbarung über einen Regierungswechsel in den USA hinaus ist.
Kurz erklärt
- Zölle: Abgaben auf importierte Waren, die Einfuhren verteuern und Hersteller zu Produktion im Zielmarkt bewegen können.
- Zwischenwahlen: Wahlen in den USA, bei denen Teile des Kongresses neu bestimmt werden und sich politische Mehrheiten verschieben können.
- Aufsichtsrat: Kontrollgremium eines Unternehmens, das wichtige Investitionsentscheidungen des Vorstands genehmigen muss.
- SUV: Höher gelegte, größere Personenkraftwagen mit erhöhter Sitzposition, die in den USA besonders gefragt sind.
