Abfindung bei Mercedes und BMW: Bis zu 650.000 Euro möglich
Deutsche Autokonzerne zahlen hohe Abfindungen – die Höhe hängt von Betriebszugehörigkeit und letztem Gehalt ab.

Wer bei einem deutschen Autokonzern vor dem freiwilligen Abschied steht, kann mit einer beachtlichen Abfindung rechnen. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, zahlen Mercedes-Benz und BMW hohe Summen an langjährige Beschäftigte. Entscheidend für die konkrete Höhe sind zwei Faktoren: die Dauer der Betriebszugehörigkeit und die Höhe des letzten Gehalts. Je länger jemand im Unternehmen war und je mehr er zuletzt verdient hat, desto größer fällt die Abfindung aus.
Konkret nennt die Quelle für Mercedes-Benz bis zu 500.000 Euro, die in einer vergangenen Runde an langjährige Führungskräfte geflossen sind. Bei BMW sind aktuell sogar bis zu 650.000 Euro möglich. Damit liegen die Münchner in der aktuellen Betrachtung über dem Stuttgarter Wettbewerber. Für beide Konzerne gilt: Die genannten Beträge sind Obergrenzen, keine Regelsummen. Sie markieren das, was in besonders gelagerten Fällen erreichbar ist.
Die Zahlen fallen in eine Phase, in der die deutsche Autoindustrie Stellen abbaut und dabei auf freiwillige Programme setzt. Abfindungen und Aufhebungsverträge gelten als sozialverträglicher Weg, um Personal zu reduzieren, ohne betriebsbedingte Kündigungen aussprechen zu müssen. Für die Unternehmen sind solche Programme ein Kostenfaktor, für die Beschäftigten eine Chance auf einen geordneten Übergang.
Die Details
Bei Mercedes-Benz bezieht sich die genannte Obergrenze von 500.000 Euro auf eine frühere Runde des Abfindungsprogramms. Sie galt für langjährige Führungskräfte, also Beschäftigte mit langer Betriebszugehörigkeit und entsprechend hohem Gehalt. BMW bietet derzeit bis zu 650.000 Euro. Auch hier dürfte die Summe nur für Spitzenfälle gelten, denn die Berechnung folgt demselben Muster: Dauer der Zugehörigkeit und Höhe des letzten Gehalts bestimmen die Auszahlung.
Hinter beiden Zahlen steht ein einfaches Prinzip. Wer kurz im Unternehmen ist und wenig verdient, erhält eine kleinere Abfindung. Wer über viele Jahre aufgebaut hat und ein hohes Gehalt bezieht, kommt in Größenordnungen, die in die Hunderttausende reichen können. Die Spannbreite innerhalb eines Konzerns ist deshalb groß. Die 500.000 beziehungsweise 650.000 Euro sind das obere Ende dieser Spanne, nicht der Durchschnitt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Zahlen stehen in einer längeren Entwicklung. Bereits am 29.07.2026 berichtete aktien.news, dass BMW bis Ende 2027 rund 8.000 Stellen abbauen will. Der Abbau soll über natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm erfolgen. Betroffen sind ausschließlich Bürojobs, die Produktion bleibt verschont. Das Programm ist nach Angaben aus Unternehmenskreisen weitgehend mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt. Die Kosten werden auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt, wobei die genaue Summe davon abhängt, wie viele Beschäftigte das Angebot annehmen. Weltweit beschäftigt BMW rund 154.000 Mitarbeitende, mehr als die Hälfte davon in Deutschland.
Auch bei Mercedes-Benz ist das Thema Abfindung präsent. Bereits am 30.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Stuttgarter Konzern ein freiwilliges Abfindungsprogramm in den indirekten Bereichen reaktiviert. Der Vorstand informierte die Belegschaft an einem Mittwoch über das geplante Vorgehen, die Information erfolgte per Schreiben an die Mitarbeiter, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Das Programm sollte ab Dezember starten. Betroffen sind die Unternehmensteile ohne Produktionsmitarbeiter – also alle nicht in der Produktion tätigen Beschäftigten, unter anderem aus Entwicklung, Verwaltung und Finanzabteilung. Die Abfindung wird ausdrücklich auf freiwilliger Basis angeboten.
Am 22.10.2026 berichtete aktien.news erneut über dieses Programm. Demnach reaktiviert Mercedes-Benz sein freiwilliges Abfindungsprogramm für die indirekten Bereiche des Konzerns, wie aus einem Schreiben des Vorstands an die Mitarbeiter hervorgeht. Betroffen sind die Unternehmensteile ohne Produktionsmitarbeiter. Mit dem Schritt setzt der Autobauer seinen Sparkurs fort und beschleunigt ihn zugleich. Niemand soll gegen den eigenen Willen das Unternehmen verlassen. Der Konzern knüpft damit inhaltlich an ein Programm an, das offenbar bereits zuvor existiert hatte und nun wieder aktiviert wird.
Ergänzend beleuchtete aktien.news am 19.09.2026 die Lage der Betroffenen. Nach Jahrzehnten im gleichen Unternehmen stehe für viele Beschäftigte plötzlich das berufliche Aus bevor. Immer mehr Unternehmen setzen auf Abfindungen und Aufhebungsverträge, um Stellen sozialverträglich abzubauen. Was für Betroffene wie ein Schock wirke, könne sich mit der richtigen Strategie als Chance für einen Neuanfang entpuppen. Als Beispiel nannte der Bericht Christoph Bröcker, der nach 21 Jahren beim Schweizer Technologieunternehmen Zühlke als Manager weltweit unterwegs war und dann über einen möglichen freiwilligen Abschied sprach.
Was das für Anleger bedeutet
Für Privatanleger sind Abfindungsprogramme vor allem ein Kostenfaktor, der die Ertragslage der Autokonzerne belastet. Die freiwilligen Programme sollen Stellen sozialverträglich abbauen und betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Das kann kurzfristig teuer sein, langfristig aber die Personalkosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Wie hoch die Belastung ausfällt, hängt davon ab, wie viele Beschäftigte ein Angebot annehmen – genau diese Abhängigkeit nennt die Quelle für BMW.
Interessant ist der Vergleich der beiden Konzerne. Dass BMW derzeit bis zu 650.000 Euro bietet und Mercedes in einer vergangenen Runde bis zu 500.000 Euro, sagt etwas über die Dimension der jeweiligen Programme aus. Anleger sollten solche Summen jedoch nicht mit dem Gesamtaufwand verwechseln. Die Obergrenzen betreffen einzelne Führungskräfte, nicht die breite Belegschaft. Für die Bilanz zählt am Ende die Summe aller angenommenen Angebote.
Wichtig ist zudem der Hinweis auf die Freiwilligkeit. Beide Programme sind ausdrücklich freiwillig. Das unterscheidet sie von betriebsbedingten Kündigungen und dürfte auch die Akzeptanz in der Belegschaft erhöhen. Für Aktionäre bedeutet das planbarere Abläufe, aber keine Garantie für niedrige Kosten.
Ausblick
BMW will bis Ende 2027 rund 8.000 Stellen abbauen, vor allem über natürliche Fluktuation und das freiwillige Abfindungsprogramm. Die Produktion bleibt nach dem Bericht vom 29.07.2026 verschont. Bei Mercedes-Benz sollte das reaktivierte Programm für die indirekten Bereiche ab Dezember starten, wie aus dem Schreiben hervorgeht, über das aktien.news am 30.09.2026 und am 22.10.2026 berichtete. Wie viele Beschäftigte die Angebote annehmen und wie hoch die tatsächlichen Kosten ausfallen, ist offen und hängt von der Zahl der Annahmen ab.
Kurz erklärt
- Abfindung: Eine einmalige Zahlung, die ein Unternehmen an Beschäftigte leistet, wenn das Arbeitsverhältnis einvernehmlich endet.
- Aufhebungsvertrag: Eine Vereinbarung, mit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis einvernehmlich beenden.
- Freiwilliges Abfindungsprogramm: Ein Angebot des Arbeitgebers, das Beschäftigte annehmen können, aber nicht müssen.
- Betriebszugehörigkeit: Die Dauer, die ein Beschäftigter ununterbrochen bei einem Unternehmen angestellt ist.
- Indirekte Bereiche: Unternehmensteile ohne Produktionsmitarbeiter, etwa Entwicklung, Verwaltung und Finanzabteilung.
