Asset Management: Personalvermittler suchen Persönlichkeit statt nur Noten
Personalvermittler im Asset Management achten zunehmend auf Persönlichkeit, Neugier und KI-Kompetenz statt allein auf akademische Ergebnisse.

Wer an eine Karriere im Asset Management denkt, hat oft hohe Bonuszahlungen, Privatjets und Superyachten vor Augen. Dieses Bild beschreibt jedoch nur die Vergütungsstrukturen, von denen die bestbezahlten Asset Manager weiterhin profitieren. Die Realität der multibillionenschweren Branche ist deutlich breiter, wie die Financial Times in einem wöchentlichen Newsletter beleuchtet, den Herausgeberin Roula Khalaf kuratiert.
Das Spektrum der Jobs reicht von der Verwaltung von Rentenfonds und Investmentfonds über Datenanalyse bis zur Geldverwaltung für wohlhabende Familien. Die Branche öffnet ihre Türen sowohl für Schulabgänger als auch für Studierende. Sie kann zudem als Sprungbrett in andere Sektoren wie das Bankwesen dienen.
Lizzie Louis, Managing Director beim Finanz-Rekrutierungsunternehmen Dartmouth Partners, betont, der Einstieg ins Asset Management sei „breiter gefächert, als viele denken". Neben klassischen Investmentrollen brauche die Branche Expertise in Technologie, Risikomanagement und Kundenkontakt.
Die Details
Um solche Positionen zu besetzen, legen Personalvermittler Wert darauf, dass Arbeitgeber über akademische Ergebnisse hinausblicken. „Kandidaten, die in der Lage sind, technisches Wissen zusammen mit starken Kommunikationsfähigkeiten und Anpassungsvermögen zu präsentieren, werden sich wahrscheinlich unter den Bewerbern für Einstiegspositionen abheben", sagt Brandi Britton, Global Executive Director für Contract Finance and Accounting beim US-Rekrutierungsunternehmen Robert Half.
Britton zufolge ist Networking einer der besten Wege, um mehr über Karrierewege zu erfahren und Beziehungen aufzubauen. „Die Teilnahme an Branchenevents oder das Suchen nach informativen Gesprächen kann Einblicke bieten, die in einer Stellenanzeige nicht immer sichtbar sind", so Britton. Absolventen könnten so fundiertere Entscheidungen über ihren nächsten Schritt treffen.
Das Interesse an der Branche ist messbar groß. Laut einer Umfrage des Graduate Management Admission Council, einer globalen Non-Profit-Organisation führender Graduiertenschulen für Betriebswirtschaft, die mehr als 4.000 potenzielle Studierende umfasste, wollen 35 Prozent der Kandidaten für Masterstudiengänge in Wirtschaftswissenschaften im Asset Management und im Investment Banking arbeiten.
In Asien haben eine schnell wachsende Mittelschicht und steigende Rentenbedürfnisse eine rasch expandierende Asset-Branche geschaffen. Tomoya Narikiyo, Senior Corporate Officer und globales Head of Human Resources bei Amova, sagt, dies habe „Chancen für Absolventen in einer breiten Palette von Funktionen" geschaffen. Ein starkes akademisches Ergebnis bleibe wichtig, doch Arbeitgeber suchten zunehmend Neugier, Anpassungsvermögen, Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft zu lernen.
Kirsten Barnes, Chief Executive der britischen Organisation Bright Network, die Absolventen und Arbeitgeber verbindet, beschreibt den Weg ins Asset Management als konsistentes Muster: Insight Days im ersten Studienjahr, Sommerpraktika im zweiten Jahr und die Bewerbung für ein Graduate-Scheme im dritten oder letzten Jahr. Eine starke Leistung im Praktikum führe oft direkt zu einem Jobangebot oder beschleunige den Rekrutierungsprozess. „Eine der größten Herausforderungen besteht darin, dass viele Studierende nicht erkennen, wie früh diese Reise beginnt", sagt Barnes.
Viele Asset Manager achten auf bestimmte Fähigkeiten und Attribute. Aberdeen Investments gibt an, „immer nach Hinweisen auf Neugier, Zusammenarbeit und proaktive Selbststarter" zu suchen, wenn Lebensläufe gescannt und Interviews geführt werden. „Die Persönlichkeit des Kandidaten ist enorm wichtig."
BlackRock, die größte Fondsgesellschaft der Welt, hat ihren Einstellungsweg nach eigenen Angaben „entwickelt", um sich weniger auf spezifische Studiengänge und mehr auf Attribute zu konzentrieren, „die den Erfolg begründen" — etwa Neugier, kritisches Denken und Lernbereitschaft. Heute stammen mehr als 50 Prozent der britischen Praktikanten im Bereich Client und Produkt und mehr als 60 Prozent der britischen Analysten in diesen Geschäftsbereichen aus Nicht-Wirtschafts-, Finanz- oder Wirtschaftshintergründen.
Stephanie Ashmore, Global Head of Talent, Inclusion and Employee Experience beim Asset Manager Schroders, sagt, das Unternehmen weite seine Frühkarriere-Initiativen aus, „um die Anzahl der verfügbaren Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens zu erhöhen, insbesondere in unseren kundenorientierten und Investment-Teams". Schroders verfolgt einen „skills-basierten Einstellungsansatz", der auf Potenzial, Stärken und Fähigkeiten setzt statt auf akademischen Hintergrund. Das Unternehmen bietet ein Lehrprogramm für Schulabgänger an; mehr als die Hälfte der Lehrlinge ist dem Unternehmen erhalten geblieben.
Der rasante Fortschritt der künstlichen Intelligenz (KI) erhöht den Wettbewerb zwischen Bewerbern und überschwemmt Unternehmen mit weit mehr potenziellen Kandidaten. Peter Watkins, Senior Director am CFA Institute, warnt, der Einsatz von KI für Bewerbungen funktioniere „nicht, wenn die Absolventen die Grundlagen der Finanzen nicht verstehen". In einer eigenen Umfrage mit Arbeitgebern heißt es laut Watkins: „Wir wollen Mitarbeiter, die Finanzstatement-Analysen beherrschen, sie müssen sehr gut mit Excel umgehen können, sie müssen die Merkmale der wichtigsten Asset-Klassen verstehen." Zugleich suchten Arbeitgeber Vertrautheit mit KI.
Liz McKeever, Associate Director beim britischen Rekrutierungsunternehmen Robert Walters, rät Absolventen, praktische Erfahrung zu sammeln: „Sobald Sie Gelegenheit dazu haben, machen Sie Erfahrung." Messen und Events, ein Praktikum oder das Shadowing einer erfahrenen Kraft hälfen, sich abzuheben.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Künstliche Intelligenz die Finanzbranche in rasantem Tempo verändert und Ausbildungsstätten sowie Arbeitgeber vor grundlegende Fragen stellt. Lily Li, Leiterin für KI-Einführung und -Lösungen beim Asset-Manager Franklin Templeton, sagte damals, die Zusammenfassung eines Earnings Calls lasse sich heute innerhalb einer Minute nach dessen Ende liefern.
Am 25.06.2026 zeigte aktien.news, wie hart der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger geworden ist. Das Personalvermittlungsunternehmen Reed verzeichnete auf seiner Website einen drastischen Rückgang der Stellenangebote für Absolventen — von rund 180.000 vor drei oder vier Jahren auf nur noch 50.000.
Ebenfalls am 15.06.2026 berichtete aktien.news über Mentoring-Programme an Business Schools. Matthew Swann, Student an der Bayes Business School in London, engagiert sich wöchentlich als Mentor an einer örtlichen Schule und unterstützt einen Jugendlichen beim Aufbau von Selbstvertrauen und beruflicher Orientierung.
Am 18.09.2026 beschrieb aktien.news den harten Kampf ums Investment-Banking-Praktikum an der Wall Street. Investmentbanken wie Goldman Sachs und JPMorgan Chase nehmen weniger als ein Prozent der Praktikumsbewerber an — und ein Praktikum gilt als sicherster Weg in die Branche.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Personalpolitik der großen Asset Manager ein Indikator dafür, wie sich die Branche wandelt. Wenn BlackRock, Schroders und Aberdeen Investments zunehmend auf Neugier, kritisches Denken und KI-Kompetenz statt auf klassische Wirtschaftsstudiengänge setzen, deutet das auf einen breiteren Talentbegriff hin. Anleger, die Fonds dieser Häuser halten, können daraus ableiten, dass technologische Kompetenz und Datenanalyse im Investmentprozess an Gewicht gewinnen.
Der Hinweis des CFA Institute, dass Arbeitgeber Finanzstatement-Analysen, Excel-Kenntnisse und das Verständnis der wichtigsten Asset-Klassen verlangen, unterstreicht zugleich, dass die Grundlagen nicht an Bedeutung verlieren. KI ersetzt diese Basis nicht, sondern kommt hinzu.
Ausblick
Konkrete Termine nennt der Quelltext nicht. Klar ist jedoch, dass Schroders seine Frühkarriere-Initiativen ausweitet und insbesondere in kundenorientierten und Investment-Teams mehr Möglichkeiten schaffen will. BlackRock will seinen Einstellungsweg weiter auf Attribute statt auf Studiengänge ausrichten. Und das CFA Institute erwartet, dass Arbeitgeber künftig sowohl Finanzgrundlagen als auch KI-Vertrautheit verlangen.
Kurz erklärt
- Asset Management: Die professionelle Verwaltung von Vermögen wie Fonds oder Familienvermögen im Auftrag von Anlegern.
- Investmentfonds: Ein Anlagevehikel, das Geld vieler Anleger bündelt und nach festgelegter Strategie investiert.
- Risikomanagement: Das systematische Erkennen, Bewerten und Steuern von Risiken in einem Unternehmen.
