Asien stemmt sich gegen Marktturbulenzen durch Nahost-Krise
Südkorea, Japan, Australien und andere Länder schnüren milliardenschwere Notfallpakete gegen steigende Energie- und Anleiherenditen.
Der Krieg im Nahen Osten erschüttert die asiatischen Finanzmärkte mit voller Wucht. Regierungen und Zentralbanken in der gesamten Region reagieren mit Notfallmaßnahmen, um Anleihe- und Energiemärkte zu stabilisieren. Die Bandbreite der Eingriffe reicht von Anleiherückkäufen über Benzinsubventionen bis hin zu Sozialhilfen für einkommensschwache Haushalte.
Südkorea plant einen Notfall-Anleiherückkauf im Volumen von 5 Billionen Won (umgerechnet rund 3,3 Milliarden US-Dollar). Damit soll dem lokalen Anleihemarkt Liquidität zugeführt und der Anstieg der Renditen gebremst werden. Die Renditen dreijähriger südkoreanischer Staatsanleihen waren zuletzt auf den höchsten Stand seit Mitte 2024 gestiegen. Zusätzlich arbeitet Seoul an einem Nachtragshaushalt von 25 Billionen Won, der Bargeldgutscheine für Verbraucher und Unternehmenshilfen umfassen soll – mit geplanter Vorlage ans Parlament bis Ende März.
Japan greift auf Reservefonds in Höhe von 800 Milliarden Yen (rund 5 Milliarden US-Dollar) zurück, um Benzinpreissubventionen zu finanzieren. Ziel ist es, den Durchschnittspreis an der Zapfsäule bei etwa 170 Yen pro Liter zu halten. Die Maßnahme kostet bis zu 300 Milliarden Yen monatlich. Darüber hinaus erwägt Tokio Interventionen bei Rohöl-Futures, um dem Preisdruck durch die Nahost-Krise direkt entgegenzuwirken.
Zentralbanken signalisieren Handlungsbereitschaft
Die philippinische Zentralbank berief am 26. März eine überraschende außerplanmäßige geldpolitische Sitzung ein. Sie beließ den Leitzins zwar unverändert bei 4,25 Prozent, signalisierte jedoch Bereitschaft zum Eingreifen, sollten die Inflationserwartungen abrutschen. Das Treffen hatte vor allem symbolischen Charakter: Die Behörde wollte den Märkten zeigen, dass sie die Lage aufmerksam beobachtet.
Australien steht vor einer anhaltenden Kraftstoffkrise, die laut Regierung noch Monate dauern könnte. Hamsterkäufe haben Benzin- und Dieselvorräte knapp werden lassen. Premierminister Albanese trifft sich kommende Woche mit den Bundesstaatschefs, um Gegenmaßnahmen zu koordinieren. Eine formelle Kraftstoffrationierung ist derzeit nicht geplant, doch könnten freiwillige Maßnahmen wie die Empfehlung zum Homeoffice-Arbeiten eingeführt werden. Die australische Zentralbank hat die Zinsen in diesem Jahr bereits zweimal auf 4,10 Prozent angehoben – eine weitere Erhöhung im Mai gilt als möglich.
Neuseeland passt Standards an und hilft Geringverdienern
Neuseeland hat seine Kraftstoffstandards vorübergehend an australische Normen angepasst, um die Importoptionen zu erweitern. Ab April erhalten einkommensschwache Familien eine wöchentliche Unterstützung von 50 Neuseeland-Dollar (rund 29 US-Dollar) zum Ausgleich gestiegener Energiekosten. Die Regierung hat zudem einen aktualisierten nationalen Kraftstoffplan veröffentlicht, der vier Reaktionsphasen vorsieht – von der Versorgungsüberwachung bis zur Priorisierung von Kraftstoffen für Rettungsdienste und Lebensmittelketten in Krisensituationen.
Die koordinierten Notfallmaßnahmen verdeutlichen, wie stark der Nahost-Konflikt die wirtschaftliche Stabilität in Asien gefährdet. Für deutsche Anleger mit Engagements in asiatischen Schwellenländern oder Energiewerten bleibt die Lage volatil. Besonders die Entwicklung der Rohölpreise und die geldpolitischen Reaktionen der Zentralbanken dürften die Märkte in den kommenden Wochen maßgeblich beeinflussen.
