Apple übertrifft Erwartungen: Speicherpreise und Lieferengpässe belasten die Aktie
Der neue CEO John Ternus liefert solide Zahlen, doch Speicherkosten und Lieferengpässe beim iPhone Duo drücken die Aktie.

Apple hat für das vierte Geschäftsquartal 2026 solide Ergebnisse vorgelegt und die Markterwartungen übertroffen. Der Gewinn lag bei 2,10 US-Dollar pro Aktie, der Umsatz bei 114,48 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Vorfeld 1,99 US-Dollar Gewinn je Aktie und 113,38 Milliarden US-Dollar Umsatz prognostiziert. Trotz dieser Zahlen geriet die Aktie im nachbörslichen Handel unter Druck und verlor zeitweise bis zu 3 Prozent an Wert.
Es war der erste Quartalsbericht unter der Leitung des neuen CEO John Ternus, der im September die Nachfolge von Tim Cook angetreten hatte. Im Zentrum des Anlegerinteresses standen die steigenden Kosten für Speicherkomponenten, konkret DRAM und NAND. Ternus bezeichnete die aktuelle Preisentwicklung als „beispiellos“ und warnte, dass die Kostenbelastung auch über das Dezemberquartal hinaus anhalten dürfte. Apple hatte bereits im Vorfeld vor steigenden Ausgaben gewarnt, weil KI-Hyperscaler massiv Produktionskapazitäten binden.
Ternus nennt die Preisentwicklung bei Speicherchips beispiellos
Die Kosten für Speicher sind damit zum bestimmenden Thema des Quartals geworden. DRAM und NAND sind zentrale Bauteile, deren Preise sich zuletzt deutlich nach oben bewegt haben. Für Apple bedeutet das einen direkten Druck auf die Bruttomarge, weil die Komponenten in iPhones, Macs und anderen Geräten verbaut werden. Die Prognose des Managements für die Bruttomarge liegt bei 45 bis 46 Prozent und damit unter den Markterwartungen von 46,9 Prozent.
Ein zweiter Belastungsfaktor ist das neue iPhone Duo, Apples erstes faltbares Smartphone. Trotz hoher Nachfrage kämpft das Unternehmen mit erheblichen Lieferengpässen, die bis in den Januar reichen könnten. Zudem gibt es Berichte über technische Probleme, insbesondere Risse im Display entlang der Knickstelle, die unter dem Begriff „Crackgate“ diskutiert werden. COO Sabh Khan räumte ein, dass es schwierig sei, eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage zu finden.
Das Services-Wachstum verlangsamt sich auf 9,8 Prozent
Auch das Services-Segment, Apples zweitgrößte Sparte, entwickelte sich schwächer als zuvor. Das Wachstum verlangsamte sich im Jahresvergleich auf 9,8 Prozent und damit auf 31,57 Milliarden US-Dollar, nach 12,1 Prozent im Vorquartal. Für das laufende Quartal prognostiziert das Management ein weiteres moderates Wachstum von 8 bis 9 Prozent. Als Gründe nennt das Unternehmen Währungseffekte und Schwächen im Bereich Mobile Gaming.
Apple setzt in der KI-Strategie auf Sicherheit statt Tempo
Bei der KI-Strategie hielt sich Apple zurückhaltend. Ternus betonte, dass man bei der Entwicklung von KI-Agenten Sicherheit und Datenschutz priorisiere, anstatt sich in den aggressiven KI-Wettlauf zu stürzen. Damit festigte das Unternehmen seinen Ruf als „sicherer Hafen“ in einem volatilen Tech-Markt, in dem andere Firmen unter dem Druck hoher KI-Investitionen stehen.
Die chinesische Notenbank bremst die Aufwertung des Yuan
Parallel dazu beeinflussen makroökonomische Faktoren das Marktumfeld. Der chinesische Yuan gab nach, nachdem die People’s Bank of China (PBOC) die Mindestreserveanforderungen für Fremdwährungsdepositen von 4 Prozent auf 6 Prozent anhob. Die Maßnahme tritt am 15. November 2026 in Kraft und zielt darauf ab, die Liquidität zu steuern und die starke Aufwertung des Yuan zu bremsen. Analysten werten dies als direkte Intervention Pekings, die rund 24 Milliarden US-Dollar aus dem Finanzsystem abziehen dürfte. Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund der bevorstehenden US-Zwischenwahlen statt, die zusätzlich für Nervosität an den Märkten sorgen.
Bereits am 30.10.2026 hatte aktien.news den 2. November als Prüfstein bezeichnet
Der jetzige Bericht war lange erwartet worden. Bereits am 30.10.2026 berichtete aktien.news, dass der 2. November zum Prüfstein für Apple werde. Damals hieß es, es sei der erste große Auftritt des neuen CEO John Ternus im Rampenlicht der Wall Street. Zudem wies der Bericht darauf hin, dass der Konzern erst das zweite Unternehmen weltweit ist, das eine Marktkapitalisierung von 5 Billionen US-Dollar erreicht hat.
Auch die Lieferkettenprobleme sind kein neues Phänomen. Bereits am 31.07.2026 berichtete aktien.news, dass Apple kurz vor dem erwarteten Start der neuen iPhone-Generation mit einem handfesten Lieferproblem kämpfte. Konzernchef Tim Cook räumte damals ein, dass knappe Produktionskapazitäten bei kombinierten Chipsystemen das Unternehmen belasteten, und gestand, dass Apple die Nachfrage nach iPhones und Macs unterschätzt habe. Cook erklärte, es gebe „weniger Flexibilität“ als üblich.
Am 01.08.2026 berichtete aktien.news über das dritte Fiskalquartal 2026, das am 27. Juni 2026 endete. Damals kletterte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 109,42 Milliarden US-Dollar, während Analysten des Finanzdienstleisters LSEG lediglich 108,65 Milliarden US-Dollar erwartet hatten. Der Gewinn pro Aktie lag bei 2,02 US-Dollar. Am 14.09.2026 berichtete aktien.news über die Vorstellung des iPhone Duo, das nach rund einem Jahrzehnt interner Entwicklung auf den Markt kam und über eine Bildschirmgröße verfügt, die mit einem iPad Mini vergleichbar ist.
Für deutsche Anleger rücken Marge und Lieferkette in den Vordergrund
Für deutsche Privatanleger verschiebt sich der Blick damit von den reinen Wachstumszahlen auf die Kosten- und Lieferstruktur. Apple wächst weiterhin und übertrifft die Erwartungen, doch die Aktie reagiert empfindlich auf Hinweise auf Margendruck. Die Kombination aus hohen Speicherpreisen, Lieferengpässen beim iPhone Duo und einem verlangsamten Services-Wachstum erklärt, warum der Markt die vorgelegten Zahlen nicht positiv aufnahm. Gleichzeitig positioniert sich Apple mit seiner vorsichtigen KI-Strategie bewusst anders als viele Wettbewerber.
Die Zahlen zeigen, dass Apple operativ robust bleibt. Das Unternehmen erzielte im abgelaufenen Quartal sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz Werte über den Analystenprognosen. Die nachbörsliche Reaktion macht jedoch deutlich, dass Anleger stärker auf die Aussagen zu Kosten, Margen und Lieferfähigkeit achten als auf die zurückliegenden Ergebnisse. Die Bruttomargen-Prognose von 45 bis 46 Prozent bleibt hinter den Markterwartungen von 46,9 Prozent zurück, was als zentraler Grund für den Kursdruck gelten dürfte.
Das Dezemberquartal bleibt von Kosten und Lieferengpässen geprägt
Für das laufende Quartal erwartet das Management ein Services-Wachstum von 8 bis 9 Prozent. Die Bruttomarge soll zwischen 45 und 46 Prozent liegen. Bei den Speicherkosten rechnet CEO Ternus damit, dass die Belastung auch über das Dezemberquartal hinaus anhält. Beim iPhone Duo könnten sich die Lieferengpässe bis in den Januar erstrecken. Ob sich die Lage entspannt, hängt aus Sicht des Unternehmens maßgeblich davon ab, wie schnell Angebot und Nachfrage in Einklang gebracht werden können.
Drei Fachbegriffe erklären die wichtigsten Kostentreiber des Quartals
- DRAM: Ein Speicherbaustein, der Daten kurzfristig vorhält und in vielen Elektronikgeräten zum Einsatz kommt.
- NAND: Ein Flash-Speichertyp, der Daten dauerhaft speichert und unter anderem in Smartphones verbaut wird.
- Bruttomarge: Die Differenz zwischen Umsatz und den direkten Herstellungskosten, ausgedrückt als prozentualer Anteil am Umsatz.
