Anthropic plant Börsengang mit über zwei Billionen Dollar Bewertung
Der KI-Entwickler strebt laut Reuters einen der größten Börsengänge aller Zeiten an – trotz Milliardenverlusts.

Der KI-Entwickler Anthropic steuert einem Bericht der WirtschaftsWoche zufolge auf einen der größten Börsengänge der Geschichte zu. Ein von Reuters eingesehenes Prospekt zeigt, dass das Unternehmen eine Bewertung von über zwei Billionen Dollar anstrebt. Der Gang auf das Parkett dürfte nach den US-Zwischenwahlen im November erfolgen.
Das erst vor fünf Jahren gegründete Unternehmen würde mit diesem Schritt zum Maßstab für die Bewertung führender KI-Firmen wie OpenAI werden. Damit reiht sich Anthropic in eine Serie großer Technologie-Börsengänge ein: Der Schritt folgt auf den Börsengang von SpaceX, der mit 1,77 Billionen Dollar bewertet wurde. Anthropic selbst wollte sich zu den Plänen nicht äußern.
Für Analysten und Anleger wird das Vorhaben zum Testfall. Er zeigt, wie viel Risikobereitschaft der Markt für KI-Aktien aufbringt - und ob die hohen Erwartungen an die Branche tragen.
Milliardenschwerer Verlust, rasant wachsender Umsatz
Hinter dem ehrgeizigen Vorhaben steht eine zwiespältige Bilanz. Für 2025 weist Anthropic einen Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar aus. Ein erheblicher Teil davon ist buchhalterisch: Rund 34 Milliarden Dollar entfallen auf die Neubewertung von Finanzierungen. Der operative Verlust liegt bei über acht Milliarden Dollar.
Ein operativer Verlust misst das Ergebnis aus dem laufenden Geschäft, also ohne außergewöhnliche Bewertungseffekte. Die buchhalterische Belastung drückt das Ergebnis, fließt aber nicht unmittelbar als Bargeld ab - ein wichtiger Unterschied für die Beurteilung der Substanz eines Unternehmens.
Dem Verlust steht ein starkes Umsatzwachstum gegenüber. Der Umsatz erreichte 2025 fast 4,6 Milliarden Dollar - ein Zwölffaches im Vergleich zum Vorjahr. Für Rechenleistung und Infrastruktur gab das Unternehmen 7,33 Milliarden Dollar aus. Über die kommenden Jahre plant Anthropic Cloud- und Recheninfrastruktur-Ausgaben von 518 Milliarden Dollar.
Diese Zahl zeigt, worauf das Geschäft aufbaut: KI-Modelle verschlingen gewaltige Mengen an Rechenkapazität. Wer in solche Unternehmen investiert, setzt darauf, dass dem enormen Kapitalbedarf irgendwann entsprechende Erträge gegenüberstehen.
Sicherheitsforscher mahnen zur Vorsicht
Bemerkenswert ist der Widerspruch, in dem Anthropic zu seiner eigenen Forschung steht. Die eigenen Sicherheitsforscher warnen vor unerwartetem Verhalten autonomer KI-Modelle. CEO Dario Amodei fordert eine Drosselung des Tempos bei neuen Fähigkeiten. Die Gründer hatten OpenAI einst wegen Streit über die Frage der KI-Sicherheit verlassen.
Gleichzeitig steht das Unternehmen unter Wettbewerbsdruck. Mit dem neuen Modell Opus 5.5 reagiert Anthropic auf die Konkurrenz durch OpenAIs GPT-6 Astra. Der Spagat zwischen schneller Produktentwicklung und selbst geforderter Vorsicht prägt die Positionierung des Konzerns.
Für Anleger bedeutet das: Die Bewertung von über zwei Billionen Dollar hängt nicht nur an Umsatz und Ausgaben, sondern auch am Vertrauen in die Verlässlichkeit der Technologie. Wie weit dieses Vertrauen trägt, könnte der Börsengang nach den Zwischenwahlen zeigen. Konkrete Angaben zu Zeitplan, Volumen oder Konditionen enthalten die vorliegenden Informationen nicht.
