Anleger müssen sich auf unruhige Märkte einstellen
Zinssenkungen und Arbeitsmarktdaten könnten die Volatilität weiter anheizen

Nach einem turbulenten Start in den September sehen sich Anleger weiteren Unsicherheiten an den Finanzmärkten gegenüber. Der US-Aktienindex S&P 500 verzeichnete zu Wochenbeginn einen Rückgang von über zwei Prozent, während der technologieorientierte Nasdaq um 3,3 Prozent einbrach. Auch am Mittwoch schlossen die Indizes erneut im Minus. Ashok Varadhan, Co-Chef der Sparte „Global Banking and Markets“ bei Goldman Sachs, erwartet kurzfristig eine Zunahme der Marktvolatilität. Diese Einschätzung teilte er auf dem Handelsblatt-Bankengipfel.
Heute stehen wichtige Arbeitsmarktdaten für August an, die laut Varadhan entscheidende Impulse für die weitere Entwicklung an den Börsen liefern könnten. Der September ist traditionell ein schwieriger Monat für die Märkte, besonders die zweite Monatshälfte gilt als besonders anfällig für Kursrückgänge. Varadhan und sein Kollege Scott Rubner, ein taktischer Analyst bei Goldman Sachs, warnen, dass eine Marktkorrektur möglich sei, sollten die Arbeitsmarktdaten schlechter ausfallen als erwartet.
Bereits am Mittwoch deuteten erste Wirtschaftsdaten auf eine Abschwächung der US-Wirtschaft hin. Die Zahl der offenen Stellen (JOLTS) sank auf ein Dreieinhalb-Jahres-Tief, was die Unsicherheit an den Märkten weiter verstärkte. Zudem zeigte der Konjunkturbericht der US-Notenbank, dass die wirtschaftliche Aktivität in mehreren Regionen der USA stagniert oder sich sogar abschwächt. Diese Entwicklungen könnten die US-Notenbank Fed dazu bewegen, bei ihrer kommenden Sitzung am 18. September eine Zinswende einzuleiten.
Varadhan plädiert für einen ungewöhnlich großen Zinsschritt. Statt der üblichen Senkung um einen viertel Prozentpunkt hält er eine Absenkung um einen halben Prozentpunkt für gerechtfertigt. Trotz einer solchen Zinssenkung wäre die Geldpolitik seiner Ansicht nach weiterhin restriktiv. Auch Analysten der Citigroup sehen einen größeren Zinsschritt als zunehmend wahrscheinlich. Es gibt jedoch auch Stimmen wie Mohamed El-Erian, Kapitalmarktexperte und Berater der Allianz, die vor übermäßigem Aktionismus warnen und reguläre Zinsschritte bevorzugen.
Varadhan zeigt sich optimistisch und hält eine weiche Landung der US-Wirtschaft für das wahrscheinlichste Szenario. Dabei würde die Fed die Inflation bekämpfen, ohne eine Rezession auszulösen. Er rät Investoren, trotz der derzeitigen Unsicherheiten weiterhin opportunistisch zu agieren, besonders in Zeiten, in denen die Angst vor einer sogenannten harten Landung groß ist.
Auch die bevorstehenden US-Wahlen könnten in den nächsten Wochen für zusätzliche Volatilität an den Märkten sorgen. Varadhan weist darauf hin, dass die Wirtschaftsprogramme der beiden Kandidaten Donald Trump und Kamala Harris bisher unklar seien. Trumps Versprechen zu mehr Deregulierung und niedrigeren Unternehmenssteuern könnte vorteilhaft für die Märkte sein, jedoch bleibt die Lage vorerst schwer einzuschätzen.
