Inflation in Eurozone auf Dreijahrestief gefallen
Sinkende Energiepreise als Hauptursache, Experten warnen vor baldiger Umkehr

Im August 2024 sank die Inflationsrate in der Eurozone auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Verantwortlich für diesen Rückgang waren vor allem die sinkenden Energiepreise. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise für Waren und Dienstleistungen im Durchschnitt nur noch um 2,2 Prozent, wie das europäische Statistikamt Eurostat mitteilte. Im Juli 2024 lag die Inflationsrate noch bei 2,6 Prozent. Ein derart niedriger Wert wurde zuletzt im Sommer 2021 verzeichnet.
Die Energiepreise verzeichneten im August im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Rückgang von 3,0 Prozent. Da die Energiepreise einen großen Anteil an der Berechnung des Preisindex haben, führte dies zu einer spürbaren Entlastung der Inflation. Im Gegensatz dazu stiegen die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak um 2,4 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich mit 4,2 Prozent besonders stark, was über dem Anstieg vom Juli mit 4,0 Prozent liegt. Diese Entwicklung spiegelt die gestiegenen Lohnkosten wider, die von den Unternehmen an die Verbraucher weitergegeben wurden. Laut dem Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, könnten die Betriebe die höheren Kosten weitergeben, da die Verbraucher bereit seien, für Freizeit und Vergnügungen mehr zu bezahlen.
Trotz der Annäherung der Inflation an die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebte Zwei-Prozent-Marke gehen viele Experten davon aus, dass der Rückgang der Inflation nur vorübergehend ist. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, äußerte die Einschätzung, dass die EZB noch nicht den Sieg über die Inflation verkünden werde. Es wird erwartet, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten wieder ansteigen könnte. Auch die Ökonomen der Commerzbank teilen diese Meinung und prognostizieren einen Anstieg der Inflation bis zum Jahresende, bedingt durch den anhaltenden Preisauftrieb bei Dienstleistungen. Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei Hauck Aufhäuser Lampe, betrachtet die aktuellen Daten zwar als positive Momentaufnahme, sieht aber ebenfalls einen Wiederanstieg der Inflationsrate zum Jahresende als vorprogrammiert an.
In diesem Zusammenhang zeichnet sich auch eine mögliche Veränderung der Geldpolitik der EZB ab. Durch die abflauende Inflation hat die EZB im Juni eine Zinswende eingeleitet und den Leitzins erstmals seit Jahren gesenkt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen könnte die EZB im September eine weitere Zinssenkung in Betracht ziehen. Krüger betont, dass eine streng restriktive Geldpolitik nicht mehr erforderlich sei, und auch Gitzel sieht die Tür für eine Zinssenkung weit offen.
