Amplifon-Aktie bricht nach 2,3-Milliarden-Übernahme von GN ein
Der italienische Hörgeräteakustik-Konzern verliert in zwei Tagen über 25 Prozent seines Börsenwerts.

Die Aktie von Amplifon ist am Dienstag um weitere 11,5 Prozent auf 7,98 Euro abgestürzt – den tiefsten Stand seit Jahren. Damit summieren sich die Verluste des italienischen Hörgeräteakustik-Konzerns auf über 25 Prozent innerhalb von nur zwei Handelstagen. Auslöser ist die angekündigte Übernahme der Hörgerätesparte des dänischen Unternehmens GN Store Nord für 2,3 Milliarden Euro.
Bereits am Montag hatte die Bekanntgabe des Deals einen Kurseinbruch von 14,3 Prozent ausgelöst. Investoren reagieren damit mit ungewöhnlicher Schärfe auf eine Transaktion, die Amplifon eigentlich als strategischen Wachstumsschritt präsentiert. Der Markt bewertet die Übernahme offenbar als erhebliches Risiko für die Finanzstabilität des Konzerns.
Anleger zweifeln an Strategie und Bilanzstärke
Die Bedenken der Investoren richten sich vor allem gegen zwei Punkte: Erstens befürchten Analysten, dass die 2,3-Milliarden-Euro-Transaktion die Bilanz von Amplifon erheblich belasten wird. Zweitens sehen viele Marktteilnehmer in der Übernahme eine riskante strategische Kursänderung – weg vom bewährten reinen Einzelhandelsmodell hin zu einem integrierten Hörgeräte-Anbieter.
Amplifon betreibt weltweit eines der größten Netzwerke von Hörgeräteakustik-Fachgeschäften und hat sich bislang auf den direkten Verkauf an Endkunden konzentriert. Die Hörgerätesparte von GN Store Nord hingegen ist ein Hersteller von Audiologieprodukten – ein grundlegend anderes Geschäftsmodell. Diese Kombination aus Einzelhandel und Herstellung ist in der Branche ungewöhnlich und birgt Integrations- sowie Synergierisiken.
Für deutsche Anleger ist der Fall besonders relevant, da Amplifon auch hierzulande mit zahlreichen Filialen präsent ist und der europäische Hörgerätemarkt als struktureller Wachstumsmarkt gilt. Der demografische Wandel und eine alternde Bevölkerung gelten als langfristige Treiber der Branche. Kurzfristig dominieren jedoch die Sorgen um die Finanzierung und strategische Ausrichtung des Konzerns das Börsengeschehen.
