AMD vor dem 3. November: Warum Anleger jetzt Gewinne sichern könnten
Die AMD-Aktie hat 2026 rund 150 Prozent zugelegt, doch die Bewertung liegt deutlich über Nvidia – vor dem Quartalsbericht am 3. November wächst der Korrekturdruck.

Die AMD-Aktie (Ticker: AMD) zählt zu den großen Gewinnern des Börsenjahres 2026. Der Kurs ist in diesem Jahr um rund 150 Prozent gestiegen, womit der Chiphersteller zu den zehn bestperformenden Werten im S&P 500 gehört. Für viele Anleger belegt diese Entwicklung eine klare These: AMD gewinnt im entscheidenden Markt für Rechenzentren tatsächlich Boden gegenüber dem Hauptwettbewerber Nvidia (Ticker: NVDA).
Ein Beitrag von The Motley Fool widerspricht dieser Interpretation. Der Autor hält einen erheblichen Teil der Performance für nicht verdient und sieht den Kurs anfällig für eine Korrektur. Sein konkreter Hinweis an Anleger lautet, vor dem am 3. November veröffentlichten Quartalsbericht von AMD Gewinne mitzunehmen, um schmerzhafte Verluste zu vermeiden.
Der Kern des Arguments ist die Bewertung. AMD und Nvidia konkurrieren seit Langem im Bereich der Rechenzentren, und Nvidia ging aus diesem Duell nahezu immer als Sieger hervor. Aus Investitionssicht hat sich das im Jahr 2026 verschoben – der Aufpreis für AMD-Aktien ist im Laufe des Jahres drastisch gestiegen.
Die Details
Auf den ersten Blick ist die AMD-Aktie teuer, unabhängig davon, welche Bewertungsgröße man zugrunde legt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei fast dem 140-Fachen des vergangenen Jahresgewinns. Selbst beim 70-Fachen des diesjährigen Gewinns bleibt die Aktie teuer. Analysten erwarten ein starkes Wachstum im kommenden Jahr, sodass die Aktie dann zum 34-Fachen des nächsten Jahresgewinns gehandelt wird – dennoch handelt es sich weiterhin um eine sehr teure Aktie.
Der Vergleich mit Nvidia fällt deutlich aus. Nvidia notiert zum 27-Fachen des vergangenen Jahresgewinns. Damit ist Nvidia aktuell günstiger, als AMD voraussichtlich Ende nächsten Jahres sein wird, sofern sich der Aktienkurs von Nvidia unverändert hält. Der Autor spricht von einer enormen Preisdiskrepanz für Unternehmen derselben Branche und erwartet, dass sich diese Diskrepanz bei der Veröffentlichung der AMD-Ergebnisse für das dritte Quartal zuspitzt.
Die operativen Zahlen des zweiten Quartals untermauern aus seiner Sicht die Skepsis. AMD meldete ein beschleunigendes Wachstum beim Umsatz aus Rechenzentren, der gegenüber dem Vorjahr um 107 Prozent auf 6,7 Milliarden US-Dollar stieg. Der gesamte Unternehmensumsatz wuchs jedoch nur mit einer Rate von 50 Prozent auf 11,5 Milliarden US-Dollar. Der Grund: Die Geschäftsbereiche außerhalb der Rechenzentren absolvierten bei AMD kein gutes Quartal und dämpften das Gesamtergebnis.
Nvidia lag im selben Quartal deutlich vorne. Der Rivale verzeichnete im Bereich Rechenzentren ein Wachstum von 117 Prozent auf 89 Milliarden US-Dollar sowie ein gesamtes Wachstum von 106 Prozent auf 96,2 Milliarden US-Dollar. Aus diesen Zahlen lässt sich laut dem Beitrag kein Hinweis darauf ableiten, dass AMD eine massive Prämie gegenüber Nvidia wert ist.
Für die AMD-Aktie wird an der NASDAQ ein Kursstand mit Stand 16:00 Uhr MEZ am 23.10.2026 angegeben. Der Quartalsbericht, auf den sich die gesamte Argumentation zuspitzt, erscheint am 3. November.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 23.08.2026 berichtete aktien.news über eine Analyse von The Motley Fool mit dem Ergebnis, dass ausgerechnet der kleinere Konkurrent AMD Nvidia in den nächsten drei Jahren an der Börse übertreffen könnte. Damals galt Nvidia noch als Goldstandard, der das Training großer KI-Modelle dominiert und mit seiner CUDA-Softwareplattform einen breiten Schutzgraben aufgebaut hat.
Am 04.10.2026 meldete aktien.news, dass AMD die Billionen-Marke beim Börsenwert geknackt hat. Die Aktie lag bis dato mit fast 200 Prozent im Plus und zählte damit zur neuntbesten Performance im S&P 500. Nvidia kam damals auf eine Marktkapitalisierung von 5,5 Billionen US-Dollar und lag damit weiterhin unangefochten an der Spitze des KI-Sektors.
Am 11.10.2026 folgte der Hinweis auf ein massives Update für AMD-Anleger von Motley Fool. Dieses basierte auf Aktienkursen vom Nachmittag des 7. Oktober 2026 und wurde am 9. Oktober 2026 veröffentlicht. Darin wurde AMD als eine der volatilsten Aktien am gesamten Markt beschrieben.
Am 12.10.2026 berichtete aktien.news über die Frage, welche KI-Aktie Anleger im Jahr 2027 überzeugt. Damals wurde die Rallye von AMD mit einem Kursanstieg von rund 200 Prozent und einem Platz unter den Top-10-Performern im S&P 500 beziffert. Die Analystengemeinschaft war gespalten, ob AMD oder Nvidia das bessere Chance-Risiko-Profil für das kommende Jahr bietet.
Was das für Anleger bedeutet
Der Beitrag beschreibt zwei mögliche Szenarien. Erstens könnte die AMD-Aktie unter starken Verkaufsdruck geraten. Da viele Fonds Gewinne aus den Renditen des Jahres 2026 realisieren und in neue Ideen für 2027 umschichten, könnte AMD aufgrund seines relativ hohen Preises als Erstes an der Reihe sein. Das könnte einen Ausverkauf auslösen, der die Bewertung auf ein viel vernünftigeres Niveau zurückführt.
Zweitens könnte die Nvidia-Aktie wieder zur Lieblingsschwankung des Aktienmarktes werden und ihr Kurs auf ein vernünftigeres Bewertungsniveau steigen. In beiden Fällen scheint es dem Autor klar, dass AMD eine Phase der Unterperformance erleben könnte, während Nvidia überdurchschnittlich performt. Aus investitionsperspektivischer Sicht macht es seiner Ansicht nach Sinn, vom hohen Preis von AMD und dem niedrigen Preis von Nvidia zu profitieren und Positionen von AMD in Nvidia zu verlagern.
Für deutsche Privatanleger ist dabei wichtig: AMD wird an der NASDAQ in US-Dollar gehandelt, das heißt, zum Kursrisiko kommt ein Währungsrisiko hinzu. Zudem ist der 3. November als Termin des Quartalsberichts der zentrale kurzfristige Katalysator. Der Beitrag ist eine Meinung eines einzelnen Autors und keine allgemeingültige Empfehlung.
Ausblick
Der entscheidende Termin ist der 3. November, an dem AMD die Ergebnisse des dritten Quartals vorlegt. Nach Einschätzung des Autors könnte dieses Ereignis den Startschuss für eine Korrektur geben, es sei denn, das Unternehmen meldet einen deutlichen Anstieg des Wachstums beim Umsatz aus Rechenzentren. Genau dieser Bereich ist die Kennzahl, auf die Anleger achten sollten.
Für das kommende Jahr erwarten Analysten ein starkes Gewinnwachstum, was sich in der Bewertung zum 34-Fachen des nächsten Jahresgewinns ausdrückt. Der Autor sieht in der Umschichtung von AMD zu Nvidia einen wichtigen Trend für das Jahr 2027. Ob sich diese Erwartung bestätigt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Bewertungslücke zwischen den beiden Chipkonzernen weiter entwickelt.
Kurz erklärt
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: Kennzahl, die den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt und zeigt, wie teuer ein Unternehmen bewertet ist.
- Rechenzentrum: Geschäftsbereich, in dem Chiphersteller Prozessoren und Beschleuniger für Server und KI-Infrastruktur verkaufen.
- S&P 500: US-amerikanischer Aktienindex, der die Entwicklung der größten börsennotierten Unternehmen der USA abbildet.
- Korrektur: Rückgang der Kurse nach einer starken Aufwärtsbewegung, mit dem überzogene Bewertungen abgebaut werden.
