Alphabet-Aktie stürzt ab: Nasdaq-Futures unter Druck nach Quartalszahlen
Die Google-Mutter verliert im Vorhandel 10 Prozent und verfehlt bei EPS und Umsatz – die schlechteste Kursreaktion nach Zahlen aller Zeiten droht.

Die Google-Muttergesellschaft Alphabet hat mit ihren Quartalszahlen die Anleger enttäuscht und drückt die Nasdaq-Futures vor Handelsbeginn deutlich ins Minus. Die Aktie verlor im Vorhandel bereits 10 Prozent. Damit droht dem Konzern eine der heftigsten Reaktionen auf einen Ergebnisbericht in der Unternehmensgeschichte.
Fällt die Aktie im heutigen Handel um mehr als 9,77 Prozent, wäre dies die schlechteste Reaktion nach einer Ergebnisveröffentlichung aller Zeiten. CNBC-Analyst Robert Hum hat die Zahlen durchgerechnet und dabei festgestellt, dass dieser Bericht das erste Doppelversagen sowohl beim Gewinn je Aktie (EPS) als auch beim Umsatz seit dem vierten Quartal 2022 markiert.
Die Suche (Search) ist einer der wichtigsten Sorgenfaktoren. Anleger befürchten, dass KI-Chatbots und -Agenten einen größeren Anteil an den Suchvolumina von Google abziehen werden. „Dies könnte das Quartal sein, das wir befürchtet haben“, sagte Gil Luria von D. A. Davidson gegenüber CNBCs MacKenzie Sigalos, nachdem die Umsatzerwartungen für Search zum zweiten Quartal in Folge verfehlt wurden.
Die Details
Das hochmargige Geschäftsmodell von Search verschafft Alphabet erhebliche Finanzierungskraft – gerade in einer Zeit, in der das Technologieunternehmen stark in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur investiert. Ein Lichtblick bleibt das Cloud-Geschäft: Der Umsatz mit Google Cloud hat sich mehr als verdoppelt. Der CFO von Google bezeichnete das TPU-System als „bedeutenden Beitragenden“.
Bei Microsoft zeigt sich ein gänzlich anderes Bild. Die Aktien steigen im Vorhandel, nachdem Azure um 48 Prozent gewachsen ist und damit zum größten einzelnen Geschäftsbereich des Tech-Riesen wurde. Die Gruppe unter Satya Nadella prognostiziert bis zu 97 Milliarden Dollar an Umsatz im zweiten Quartal und übertrifft damit die Konsensprognosen deutlich. Die Capex-Prognose der Gruppe fiel für das Gesamtjahr auf 170 Milliarden Dollar.
Anleger begrüßten diese Verschnaufpause beim Kapitaleinsatz. CFO Amy Hood verwies darauf, dass die Kapazitäten einiger Drittanbieter-Rechenzentren verzögert wurden, sodass die Ausgaben niedriger ausfallen könnten.
Der niedrigere als erwartete Capex-Wert von Microsoft belastet jedoch die Neoclouds negativ. Die Aktien von Coreweave, Nebius und IREN stehen im Vorhandel unter Druck. Microsoft ist ein Top-Kunde sowohl für Coreweave als auch für Nebius, da das Unternehmen bei der Kapazitätsbereitstellung zunehmend auf Neocloud-Unternehmen angewiesen ist.
Auch die Cybersicherheitsaktien fallen im Vorhandel deutlich. Crowdstrike und Palo Alto Networks liegen um mehr als 6 Prozent im Minus, während Zscaler und Rubrik ähnlich stark absinken. Auslöser war Fortinet: Die Aktien fielen um 25 Prozent, nachdem die Margen im dritten Quartal knapp hinter den Erwartungen zurückblieben.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 29.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Wall Street den Atem anhält, weil Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft nach Börsenschluss ihre Quartalsergebnisse vorlegen. Die vier Tech-Giganten wiesen zusammen eine optionsimplizierte Marktkapitalisierungsbewegung von mehr als 750 Milliarden Dollar in die eine oder andere Richtung auf – ein Volumen, das den gesamten Markt in Bewegung versetzen kann. Damals notierten die Nasdaq-Futures vor Handelsbeginn rund 0,4 Prozent im Plus, während Berichte über verfehlte interne Umsatz- und Nutzerziele von OpenAI die Technologiebranche belasteten.
Am 22.07.2026 berichtete aktien.news, dass bei Alphabet die klassischen Kennzahlen in den Hintergrund treten. Die Analysten von Wolfe Research schrieben am Dienstag, Umsatz und Gewinn würden voraussichtlich weniger ins Gewicht fallen als die Höhe der im Quartal getätigten Investitionsausgaben und der Ausblick für den Rest des Jahres. Die Konsenserwartungen bezifferten den Gewinn pro Aktie für das zweite Quartal 2026 auf etwa 2,87 bis 2,90 US-Dollar bei einem Umsatz von rund 116,8 bis 116,93 Milliarden US-Dollar.
Ebenfalls am 22.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Zahlen der Google-Mutter als Richtungsweiser für die gesamte Branche gelten – insbesondere für Wettbewerber wie Amazon.com, Meta Platforms und Microsoft. Im Fokus standen vor allem das Cloud-Computing-Geschäft und das Werbegeschäft von Alphabet.
Am 23.07.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Aktienmärkte in unruhigem Fahrwasser waren. Während die Dow-Jones-Futures im nachbörslichen Handel kaum verändert notierten, gaben die Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq nach. Im Fokus standen die Quartalsergebnisse von Alphabet und Tesla, die beide spürbare Kursverluste verzeichneten. Als belastender Faktor galten neben den Ergebnissen selbst auch die hohen Investitionsausgaben.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Handelstag vor allem eines: Die größten Tech-Werte des Marktes bewegen sich nicht mehr im Gleichschritt. CNBC hat berechnet, dass sich die „Magnificent Seven“ nicht mehr als Monolith handeln. Das fordert Anleger heraus, bei der Auswahl der größten Aktien des Marktes differenzierter vorzugehen, anstatt sie als einheitliches Handelskonzept zu betrachten.
Während Microsoft mit seinem Azure-Wachstum und einer gedämpfteren Investitionsplanung punkten kann, steht Alphabet unter Druck, weil das margenstarke Suchgeschäft infrage steht und die KI-Konkurrenz auf die Erlöse drückt. Gleichzeitig wirken die gesenkten Capex-Erwartungen von Microsoft über die Lieferkette bis zu den Neocloud-Anbietern – ein Beleg dafür, wie eng die Schicksale der KI-Infrastrukturwerte mittlerweile verknüpft sind. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; entscheidend ist die differenzierte Betrachtung einzelner Geschäftsmodelle.
Ausblick
Als Nächstes steht Amazon an, das seine Zahlen heute nach Börsenschluss veröffentlicht. Analysten erwarten erneut ein Quartal mit negativem Free Cash Flow, dem ein Capex von 5,8 Milliarden Dollar gegenübersteht. Das Analysehaus Jefferies beobachtet das Cloud-Wachstum und urteilt: „AWS ist noch lange nicht fertig mit der Beschleunigung“, und stuft die Aktie als attraktiv ein, da der Einzelhandel trotz vorsichtigerer Verbraucherstimmung überraschend stark bleibt.
Laut Bespoke lagen Amazons Ergebnisse oben und unten in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung 72 Prozent beziehungsweise 66 Prozent der Zeit über den Erwartungen. Jeff Currie von Real Macro sagte CNBCs „Squawk Box Europe“ Anfang dieser Woche, dass die Märkte beginnen, den Trade der „Rache der alten Wirtschaft“ zu verstehen.
Abseits der Börse richtet sich der Blick auf die Wahlwirtschaft: Das Jahr 2026 ist gerade zum teuersten Wahlzyklus aller Zeiten geworden. Mit nur noch fünf Tagen bis zum Wahltag wurden laut Daten von AdImpact bisher mehr als 11,3 Milliarden Dollar ausgegeben.
Kurz erklärt
- Capex: Kurz für Capital Expenditure, also die Investitionsausgaben eines Unternehmens in Anlagen und Infrastruktur.
- EPS: Der Gewinn je Aktie, eine zentrale Kennzahl zur Bewertung der Profitabilität eines Unternehmens.
- Neocloud: Ein junger Anbieter von spezialisierter Cloud-Rechenleistung, der Kapazitäten häufig an große Tech-Konzerne vermietet.
