Allbirds verkauft Vermögenswerte für nur 39 Millionen Dollar
Der einst mit vier Milliarden Dollar bewertete Sneaker-Hersteller Allbirds veräußert sein geistiges Eigentum für einen Bruchteil seines früheren Wertes.

Der Absturz von Allbirds ist spektakulär: Das amerikanische Schuhunternehmen, das einst mit vier Milliarden Dollar bewertet wurde, hat den Verkauf des Großteils seiner Vermögenswerte für lediglich 39 Millionen Dollar vereinbart. Käufer ist die American Exchange Group, zu deren Markenportfolio bereits Ed Hardy und Aerosoles gehören. Der Deal umfasst geistiges Eigentum sowie weitere Vermögenswerte und Verbindlichkeiten des Unternehmens.
Der Kaufpreis entspricht erschreckend wenig: 39 Millionen Dollar sind gerade einmal ein Achtel der 301 Millionen Dollar, die Allbirds beim Börsengang im Jahr 2021 eingenommen hatte. Was als Erfolgsgeschichte des nachhaltigen Konsums begann, endet damit als eines der markantesten Beispiele für gescheiterte Börsenhypes der jüngeren Vergangenheit.
Vom Silicon-Valley-Liebling zum Sanierungsfall
Allbirds wurde 2016 von Joey Zwillinger, einem Wirtschaftsingenieur, und Tim Brown, einem ehemaligen neuseeländischen Profifußballer, gegründet. Die Marke setzte auf umweltfreundliche Woll-Sneaker und traf damit den Zeitgeist: Tech-Unternehmer im Silicon Valley, Vorstadtmütter und sogar Ex-US-Präsident Barack Obama trugen die schlichten Schuhe. Die Botschaft der Gründer war klar – Konsum und Nachhaltigkeit schließen sich nicht aus, solange Produkte anders hergestellt werden.
Das Unternehmen nutzte seine Popularität für ein aggressives Wachstumsmodell, das dem Direct-to-Consumer-Ansatz anderer Online-Disruptoren wie Warby Parker folgte. Dabei verkaufen Unternehmen ihre Waren direkt an Endverbraucher, ohne den klassischen Einzelhandel als Zwischenstufe. Dieses Modell galt lange als zukunftsweisend, erwies sich für viele Marken jedoch als kostspielig.
Nach jahrelangen Verlusten und sinkenden Umsätzen konnte Allbirds die hohen Erwartungen seiner Investoren nicht erfüllen. Der Aktienkurs kollabierte nach dem Börsengang dramatisch. Der nun vereinbarte Verkauf markiert das faktische Ende der Eigenständigkeit einer Marke, die einst als Beweis galt, dass ethisches Wirtschaften und unternehmerischer Erfolg Hand in Hand gehen können.
Für deutsche Anleger und Verbraucher verdeutlicht der Fall Allbirds ein bekanntes Muster: Hohe Bewertungen auf Basis von Wachstumsfantasien und Trendhype halten einer nüchternen Überprüfung durch den Markt oft nicht stand – unabhängig davon, wie überzeugend das Unternehmenskonzept auf den ersten Blick erscheint.
