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Alan Greenspan: Legendärer Fed-Chef stirbt im Alter von 100

Der einflussreichste Zentralbankchef der modernen Geschichte verstarb am 22. Juni 2026 zu Hause an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung.

• 3 Min
Alan Greenspan: Legendärer Fed-Chef stirbt im Alter von 100

Alan Greenspan, der langjährige Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, ist tot. Er verstarb am 22. Juni 2026 in seinem Haus an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung. Greenspan wurde 100 Jahre alt. Seine Ehefrau, die NBC-News-Journalistin Andrea Mitchell, bestätigte den Tod in einer persönlichen Erklärung.

„Alan ist heute Morgen im Alter von 100 Jahren in unserem Haus an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung verstorben. Er war ein Gigant, der die US-Wirtschaft über Jahrzehnte unter Präsidenten beider Parteien mitgestaltet hat, dabei aber stets ehrlich blieb, wenn es darum ging, seine Fehler einzugestehen", schrieb Mitchell. In ihrer Erklärung würdigte sie ihn auch als Privatperson: „Für mich war er mein Ehemann, der mein Leben seit unserem ersten Date im Jahr 1984 geprägt hat. Seine Lebenspartnerin zu sein, war die Freude meines Lebens."

Greenspan wurde 1987 von Präsident Ronald Reagan zum Fed-Vorsitzenden ernannt. Er leitete die mächtigste Zentralbank der Welt über einen außergewöhnlichen Zeitraum von 18,5 Jahren – die zweitlängste Amtszeit in der Geschichte der USA. In dieser Zeit diente er unter insgesamt vier verschiedenen US-Präsidenten. In Washington und an der Wall Street wurde er weithin als „Maestro" bezeichnet.

Krisenmanager und Architekt des Booms

Greenspans Amtszeit begann mit einer unmittelbaren Bewährungsprobe. Nur zwei Monate nach seinem Amtsantritt stürzte der Dow Jones Industrial Average am sogenannten Schwarzen Montag 1987 an einem einzigen Tag um 22 Prozent ab. Greenspan reagierte entschlossen und sicherte dem Finanzsystem die volle Liquidität der Fed zu. Diese schnelle Intervention verhinderte einen breiteren wirtschaftlichen Zusammenbruch und begründete das Konzept des sogenannten „Fed-Put" – den Marktglauben, dass die Fed stets eingreifen werde, um die Vermögenspreise zu schützen.

Die folgenden Jahre seiner Amtszeit fielen mit einer historischen Ära niedriger Inflation, boomender Aktienmärkte und robuster BIP-Expansion zusammen, die als „Große Mäßigung" (Great Moderation) in die Wirtschaftsgeschichte einging. Im Jahr 1996 prägte Greenspan den bis heute geläufigen Begriff „Irrational Exuberance" – auf Deutsch „irrationale Übertreibung" –, um vor einer Spekulationsblase im aufkommenden Dotcom-Boom zu warnen.

Greenspan transformierte auch die Art und Weise, wie Zentralbanken mit der Öffentlichkeit kommunizieren. Vor seiner Ära agierte die Federal Reserve in nahezu völliger Geheimhaltung. Er lenkte die Fed hin zu einer subtilen öffentlichen Kommunikation, bediente sich dabei jedoch eines bewusst vagen, hochkomplexen Prosastils, der als „Fed Speak" bekannt wurde. Dies zwang die Wall Street dazu, jede einzelne Silbe seiner Aussagen vor dem Kongress nach Hinweisen auf Zinsänderungen zu analysieren – und begründete damit die moderne Branche der Zentralbankbeobachtung.

Deregulierung und das Erbe der Finanzkrise

Als junger Ökonom war Greenspan ein Anhänger der libertären Philosophin Ayn Rand und ein überzeugter Verfechter der Theorie effizienter Märkte. Unter seiner Führung neigte die Fed stark zur finanziellen Deregulierung. Dieser Laissez-faire-Ansatz ermöglichte das explosive Wachstum komplexer Finanzinstrumente wie Credit Default Swaps und Derivate, von denen Greenspan glaubte, dass sie Risiken sicher im globalen Bankensystem verteilen würden.

Obwohl Greenspan sein Amt Anfang 2006 auf dem Höhepunkt seiner Popularität verließ, wurde sein Vermächtnis tief mit der globalen Finanzkrise von 2008 verknüpft. Kritiker argumentieren, dass seine Politik des „billigen Geldes" – insbesondere historisch niedrige Zinssätze in den frühen 2000er Jahren nach dem Platzen der Dotcom-Blase – den Markt mit günstigen Krediten überflutete und als primärer Katalysator für die Subprime-Immobilienblase wirkte.

In einer viel beachteten Aussage vor dem US-Kongress im Jahr 2008 räumte Greenspan offen einen „Fehler" in seiner Ideologie des freien Marktes ein. Er gab zu, zu viel Vertrauen in die Fähigkeit von Kreditinstituten gesetzt zu haben, sich selbst zu regulieren und ihre eigenen Aktionäre zu schützen. Diese Aussage gilt bis heute als eines der bemerkenswertesten Selbsteingeständnisse in der Geschichte der Wirtschaftspolitik.

Ende einer Ära

Trotz der Kritik am Ende seiner Karriere markiert Greenspans Tod das Ende einer Ära. Er bleibt der maßgebliche Architekt der modernen, proaktiven Zentralbank. Seine Entscheidungen und Denkansätze bestimmen weiterhin, wie Entscheidungsträger weltweit an Zinssätze, Inflation und Marktinterventionen herangehen. Für deutsche Anleger und Beobachter ist sein Wirken besonders relevant, da die Europäische Zentralbank (EZB) viele seiner Kommunikations- und Interventionsstrategien adaptiert hat.

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